Er würde sich bestimmt auch irgendwo in der skandinavischen Wildnis in einer einfachen Hütte wohlfühlen. Das Zuhause von Walter Hugentobler in der Überbauung «Hirsch» in Ennetbaden ist ein ziemlicher Gegensatz dazu: Topmodern, mit Concierge-Dienst, Restaurant und Spa im Hause.

Und noch mehr Annehmlichkeiten geniesst der Gründer von Kontiki-Reisen: «Hier wohne ich zentral, verkehrsfrei, ruhig und komfortabel.» Eigentlich sei er aus Vernunftgründen hier, fügt er schmunzelnd bei. «Ich bin ein analytischer Mensch.»

Ballast abwerfen

Bis vor ein paar Monaten lebte der gebürtige Wettinger hoch oben am Lägernhang in einer Terrassenwohnung. «Ich wollte umziehen, solange ich noch fit bin», meint der 65-jährige Wirtschaftsfachmann, der als Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz arbeitet und früher auch als Lehrbeauftragter an der HSG St. Gallen tätig war. Zufrieden blickt der Junggeselle aus seiner Loft-artigen 3½-Zimmer-Wohnung auf das Bäder-Quartier mit der Thermalbad-Ruine und die Limmat. Die Naturnähe vermisse er schon ein bisschen, nicht aber die langen Treppen. Er sei auch froh, nach 29 Jahren am selben Ort etwas Ballast abwerfen zu können.

Und das hat er ziemlich rigoros getan. Nur gerade die Büromöbel und ein Sideboard hat er in die neue Wohnung mitgenommen. «Alles andere ist neu.» Von den Cassina-Polstermöbeln über die Eames-Sessel bis zum Zoom-Esstisch. Sogar das ganze Geschirr hat er ausgewechselt, bis hin zur Tischwäsche. Das Interieur wirkt sehr puristisch, elegant und luftig.

Die Einrichtung vom Profi

Dazu hat der Vielbeschäftigte Fachleute beigezogen. Ein befreundeter Architekt etwa hat das Konzept für die baulichen Ausführungen gemacht. Wie die Aufteilung der Räume, die Wahl der Böden oder die Küchenmaschinen. Nun hat er in der Küche neben einem Combi-Steamer und Backofen auch eine eingebaute Kaffeemaschine. «Und das Mineralwasser kommt direkt aus einem separaten Wasserhahn», schwärmt er. Eine Inneneinrichterin hat die Wahl der Möbel übernommen. «Meine Vorgaben waren einfach, es musste schlicht und bequem sein.» Er setzt sich auf den Eames-Chair, der den Blick durch ein schmales Fenster Richtung Ruine Stein und Badener Altstadt freigibt. «Das sieht aus wie ein Gemälde.» Hier verweilt er oft für eine Partie Schach oder zum Lesen.

Meist ist es Reiseliteratur. Auch seit er sein Unternehmen Kontiki vor sieben Jahren an Kuoni verkauft hat, ist er immer noch viel unterwegs. «Es gibt noch viele weisse Flecken auf meiner Landkarte», sagt der Vielreiser. «Zum Beispiel Asien oder der ganze Osten.» Gerade ist er auf dem Sprung nach Vanuatu im Südpazifik. Dort ist er zu einer Naghol-Zeremonie eingeladen. «Die Lianenspringer von Pentecost Island gelten als indirekte Erfinder des modernen Bungee-Springens», erklärt er. «Sie stürzen sich bei diesem Ritual von hohen Sprungtürmen in die Tiefe – nur gesichert durch Lianen.»

Rentier im Tiefkühler

Manchmal bringt er von seinen Reisen Erinnerungsstücke nach Hause. Wie die Maske, die über dem Sofa hängt. «Sie ist aus Papua Neuguinea, ich kenne sogar den Mann, der sie geschnitzt hat.» Oder das Bild von den französischen Antillen über dem Sideboard. Die anderen Bilder liegen auf der Fensterbank, bis er den richtigen Platz für sie gefunden hat. «Das kann noch warten. Mir war wichtiger, dass beim Einzug alle Lampen hingen.»

Wenn der Reisefachmann zu Hause ist, steht er oft am Herd. «Ein Stück Rentierfleisch habe ich immer im Tiefkühler», sagt der Skandinavien-Liebhaber. Ansonsten könnte er ja in den alten Saurer-Bus mit Jahrgang 1938 steigen, der die Kontiki-Geschichte geprägt hat, und einen Abstecher in den Norden machen. Denn Hugentobler ist auch ein leidenschaftlicher Bus-Chauffeur. So überrascht es nicht, dass er Verwaltungsratspräsident der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) ist. Und wenn Not am Mann ist, steigt der Chef auch mal selbst in den Bus und fährt die Gäste sicher nach Hause.