Gen-Test

Hunderte Paare gehen für Präimplantations-Diagnostik ins Ausland

Mit der genetischen Untersuchung können Ärzte bereits im Reagenzglas feststellen, ob beim Embryo ein Chromosomenfehler vorliegt. (Symbolbild)

Mit der genetischen Untersuchung können Ärzte bereits im Reagenzglas feststellen, ob beim Embryo ein Chromosomenfehler vorliegt. (Symbolbild)

Die Zahl der medizinisch unterstützen Fortpflanzungen ist in der Schweiz leicht rückläufig. Denn für eine künstliche Befruchtung gehen Paare zunehmend nach Spanien, Belgien und England.

6180 Frauen liessen sich 2013 behandeln. 2010 waren es noch 6468. Der Grund: Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist in 28 EU-Staaten erlaubt. Mit dieser genetischen Untersuchung können Ärzte bereits im Reagenzglas feststellen, ob beim Embryo ein Chromosomenfehler vorliegt.

In der Schweiz ist eine Pränataldiagnostik erst in der Schwangerschaft möglich. «Wegen den hiesigen Einschränkungen überweisen wir monatlich vier bis fünf Paare an ausländische Kliniken», sagt Peter Fehr zur Zeitung «Schweiz am Sonntag». Er ist Leiter der Kinderwunschpraxis OVA-IVF in Zürich. Bei der Mehrzahl dieser Paare wurden vorher acht oder zehn Embryonen transferiert, ohne dass eine Schwangerschaft eingetreten ist. «Um genauer abzuklären, was die Ursache ist, wäre eine PID wichtig.»

Experten schätzen, dass jährlich mehrere hundert Paare für eine PID ins Ausland gehen. Am 14. Juni stimmt nun die Schweiz über die PID ab. Allerdings soll diese genetische Untersuchung im Reagenzglas nur Paaren erlaubt sein, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können oder eine schwere Erbkrankheit in der Familie haben.

Jedem 14. Paar in der Schweiz ist es verwehrt, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen. Wie gross das Leiden, Hoffen und Bangen ist, weiss Ania Diamantis. Erst durch eine künstliche Befruchtung ist sie schwanger geworden. Seit fünf Jahren steht sie nun als Therapeutin betroffenen Paare bei. «Zu mir kommen nicht nur 38-jährige Frauen, sondern auch 25-Jährige», sagt Diamantis. Manchmal würden sie sich schuldig fühlen, weil es bei ihnen nicht klappt.

Den Grund für diese Traurigkeit sieht Diamantis auch in der Gesellschaft. Vorschnell werde über Kinderlosigkeit und mögliche Fortpflanzungsmedizin geurteilt. Diamantis erhofft sich mehr Toleranz – auch was die PID anbelangt.

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