Die Zahlen sind ernüchternd: In der Stadt Zürich verschwand in den letzten 25 Jahren ein Drittel des Gebiets, in dem Igel sich wohlfühlen. Noch in den 1990er-Jahren war das stachelige Tier ein häufiger Gast in Wohnquartieren mit einem hohen Grünanteil – in Agglomerationen, aber auch in Städten. Studien in Grossbritannien zeigen, dass Igelpopulationen in Siedlungsgebieten um ein Drittel schrumpften. Auf Landwirtschaftsflächen ist der Rückgang noch gravierender: 50 Prozent in den letzten zehn Jahren.

Zur Population in der Schweiz gibt es keine aktuellen Zahlen. Das will der Verein Stadtnatur, der sich für mehr Biodiversität im Siedlungsraum einsetzt, ändern. Dazu hat er das Projekt "Igel gesucht" lanciert und zählt dabei auf die Hilfe von Freiwilligen. Diese betreuen während einer Woche zehn Igelspurentunnel. Eine Futterschale lockt die Igel an. Die Tiere tappen über einen Farbstreifen, fressen sich satt und hinterlassen danach ihre Fussabdrücke auf einem weissen Blatt Papier. So wird das Vorkommen des Säugetiers in der Schweiz erfasst.

Das Projekt läuft bis Ende August. Jan Schick vom Verein Stadtnatur ist erfreut vom Engagement der Freiwilligen: "Wir haben nicht mit so vielen Anmeldungen gerechnet." In der Deutschschweiz und dem Tessin hätten sich rund 80 Freiwillige gemeldet und nochmals so viele in der Romandie. Noch sind nicht alle Spurentunnel besetzt, mitmachen ist weiterhin möglich. Erste Ergebnisse sollen im September vorliegen.

Wer einen Igel beobachtet hat, kann das auch auf der Plattform säugetieratlas.wildenachbarn.ch melden. Die Hinweise fliessen in den neuen Säugetieratlas der Schweiz und Liechtensteins ein, den die Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie derzeit erarbeitet.

Für die "Nordwestschweiz" haben die Projektverantwortlichen einen Test-Spurentunnel mit einer Videofalle ausgestattet. Er stand in einem Garten an der Kirchbergstrasse in Aarau. Wie ihn der Igel besucht hat – es war vermutlich stets derselbe – sehen Sie im Video oben.

Zwar läuft die Datenerhebung noch bis Ende August, aber schon jetzt sind die Ergebnisse augenfällig. 105 Quadratkilometer wurden mit Spurentunneln bestückt, also Tunneln mit Farb- und Papierstreifen, in denen Igel beim Durchqueren farbige Fussspuren hinterlassen. Auf fast der Hälfte der untersuchten Quadrate liessen sich bisher keine Igelspuren nachweisen.

Die geografischen Lücken im Igelbestand müssten weiter untersucht werden, schreiben die Projektverantwortlichen in einer Mitteilung vom Dienstag. Es gebe bereits Hinweise, dass heute weniger Igel in Dörfern und Städten unterwegs seien als noch vor zwanzig Jahren. In der Stadt Zürich verschwand in den letzten 25 Jahren ein Drittel des Gebiets, in dem Igel sich wohlfühlen. Studien in Grossbritannien zeigen, dass Igelpopulationen in Siedlungsgebieten um ein Drittel schrumpften. Auf Landwirtschaftsflächen ist der Rückgang noch gravierender: 50 Prozent in den letzten zehn Jahren.

Zu schaffen macht den Igeln derzeit auch die Hitze. «Pro Igel» empfiehlt deshalb, eine flache Schale mit frischem Wasser in den Garten zu stellen.