Onlinehandel

«Harry Potter ist Harry Potter, aber ein Salat ist nicht einfach Salat»

LeShop-Chef Dominique Locher: «Der Kunde möchte die Lebensmittel anschauen, sie anfassen und daran riechen.»

LeShop-Chef Dominique Locher: «Der Kunde möchte die Lebensmittel anschauen, sie anfassen und daran riechen.»

Kunden sind beim Lebensmittelkauf im Netz noch zögerlich. Das soll sich ändern. Wir haben mit Dominique Locher, Geschäftsführer des Online-Supermarkts «Le Shop», über die letzte grosse Bastion für den Onlinehandel geredet. Die Tochterfirma der Migros ist Marktführer in der Schweiz.

Herr Locher, der Online-Handel wächst. Wie sieht es bei Lebensmitteln aus? Ich kenne niemanden, der Mehl und Eier online kauft.

Dominique Locher: Das stimmt. Im Vergleich zu den Kategorien Elektronik, Bücher oder Kleider ist das Bestellen von Lebensmitteln noch nicht so entwickelt. Der Anteil beträgt 1,9 Prozent. (Non-Food-Bereich 15,3). In Frankreich und England bestellen mehr Leute Essen im Netz. Aber wir liegen vor Deutschland und Österreich.

Warum klappt es nicht?

Noch nicht. Der Markt ist am Wachsen: Das ist die letzte Dominique Locher, die es einzunehmen gibt. Zum Grund: Weil der Kunde die Lebensmittel anschauen möchte, sie anfassen und daran riechen. Essen ist eine emotionale Sache. Harry Potter ist Harry Potter, aber ein Salat ist nicht einfach Salat.

Was tun Sie dagegen?

Konsumenten sorgen sich, dass die Kühlkette bei ihrer Mövenpick-Glace oder ihrem Entrecôte unterbrochen wird. Wir wollen mit unserer Qualität überraschen. Realisiert der Kunde, dass sein Essen nicht zerquetscht ankommt, bestellt er wieder.

Sie müssen Einkaufs-DNA und Vorlieben kennen?

Ja, wir brauchen einen Fingerabdruck der Kunden, um eine Beziehung aufzubauen.

Der Konsument kauft heute öfter, aber weniger. Warum soll er die wenigen Dinge online bestellen?

Ja, die Klientel «Oh, mir sind die Eier ausgegangen»-Einkäufer werden nie online bestellen. Aber es gibt diverse Einkaufsmissionen, wie ich sie nenne. Die Grosseinkäufer oder die, die zweimal die Woche einkaufen.

Und wer kauft konkret ein?

72 Prozent Frauen. Die typische Kundin ist weiblich, ich nenne sie «Digital Mum». Sie vereinbart Mutter-Sein und Karriere, ist zwischen 27 und 41 Jahre alt und braucht einen Assistenten. Sie entscheidet sich meist fürs Online-Einkaufen, wenn sie in freudiger Erwartung ist.

Wie viel Franken werden pro Einkauf ausgegeben?

245 Franken. Und es sind über 60 verschiedene Artikel im Einkaufskorb. Jedes vierte Produkt kommt aus der Tiefkühltruhe. Der Durchschnittseinkauf wiegt 70 Kilogramm.

70 Kilogramm?

Ja. Pampers, Mineralwasser und Milch sind schwer.

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