Gerade älteren Menschen wird die jährliche Grippeimpfung empfohlen. Doch es ist fraglich, wie wirksam der Impfschutz bei dieser Personengruppe mit altersbedingt geschwächtem Immunsystem überhaupt ist.

Jetzt haben spanische Mediziner nachgewiesen, dass regelmässige Impfungen zumindest den Schweregrad des Krankheitsverlaufs bei älteren Menschen deutlich abmildern können. Das berichten die Forscher im Fachblatt «Canadian Medical Association Journal». Offenbar summiert sich die positive Wirkung jährlicher Impfungen auf die Schwere der Erkrankung.

«Die wiederholte Grippeimpfung verhinderte sehr effektiv schwere und tödlich verlaufende Infektionen durch Influenzaviren bei älteren Menschen», schreiben die Forscher um Jesús Castilla vom Institut für öffentliche Gesundheit im spanischen Pamplona.

Die Forscher erfassten Daten von Menschen, die mindestens 65 Jahre alt waren und während der Grippesaison 2013/14 oder 2014/15 wegen Grippeverdacht im Spital waren. Bei 728 Patienten diagnostizierten die Ärzte eine Infektion durch Grippeviren und ermittelten den genauen Erregertyp.

Eine Einstufung als «schwere Erkrankung» erfolgte bei 130 Patienten, weil sie entweder in die Intensivstation verlegt werden mussten oder starben. Von allen Probanden wurde erfasst, ob sie in der aktuellen Saison und in den vergangenen drei Jahren eine Grippeimpfung erhalten hatten.

Schneller Antikörper bilden

Für Patienten, die zusätzlich zur aktuellen Impfung mindestens schon einmal in den drei Jahren zuvor geimpft worden waren, verringerte sich das Risiko einer schweren Grippe um 55 Prozent im Vergleich zu gar nicht Geimpften. Eine einzelne Impfung in der aktuellen Saison bot dagegen keinen Schutz vor einer schweren Grippe.

Der Schutz vor einer Grippeinfektion beruht darauf, dass der geimpfte Mensch schnell Antikörper bildet und so die Viren abwehren kann. Der Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf hat andere Ursachen. Er beruht vermutlich auf einer sogenannten zellulären Immunantwort, die auf spezielle T-Zellen zurückzuführen ist, schreiben die Forscher. Die dadurch erzeugte Immunabwehr richtet sich nicht nur gegen einige wenige Typen von Influenzaviren, sondern erfasst ein breiteres Spektrum der Erreger.

Diese Form der Immunreaktion könnte bei älteren Menschen geschädigt sein, sodass sie anfälliger für schwere Krankheitsverläufe werden. Wie die neue Studie zeigt, können wiederholte Impfungen diesen Nachteil verringern. Deshalb profitieren ältere Menschen von regelmässigen Grippeimpfungen besonders stark.