Crowdfunding

Geldsammeln boomt, hat aber noch Potenzial: Chinesen sind dreimal spendabler als Schweizer

Entwicklung der Crwodfunding-Spenden in der Schweiz: Das Geldsammeln boomt – hat aber noch Potenzial.

Entwicklung der Crwodfunding-Spenden in der Schweiz: Das Geldsammeln boomt – hat aber noch Potenzial.

Online-Geldsammelplattformen wie GoFundMe boomen hierzulande. Ihr Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft.

Die Invalidenversicherung ist nicht zuständig, die Krankenkasse will nicht zahlen, das eigene Budget ist bescheiden, die teure Therapie in scheinbar unerreichbarer Ferne: Das war Bettina Rimensbergers ausweglose Situation Anfang Jahr. Doch dann sprangen Freunde und Helfer ein und lancierten über die Plattform GoFundMe eine sogenannte Crowdfunding-Kampagne. Jeder, der will, kann über diese Plattform mit wenigen Klicks Projekte finanziell unterstützen.

Bettinas Projekt bricht dieser Tage gerade alle Rekorde. 332'101 Franken hat ihre Kampagne bereits gesammelt – mehr als jedes andere GoFundMe-Projekt im deutschsprachigen Raum zuvor.

Seit 2018 ist das amerikanische Start-up in der Schweiz aktiv. Koordiniert wird die Plattform aus der Zentrale in Berlin, wo fünf Personen alleine für den Schweizer Markt arbeiten. Die Ambitionen des Crowdfunding-Anbieters hierzulande sind gross. Die Beträge, die Schweizer spendeten, seien «deutlich höher» als in Deutschland oder in Österreich, sagt Jeannette Gusko, GoFundMe-Chefin für den deutschsprachigen Raum. Dass wie im Fall von Bettina aber innert weniger Tage mehrere hunderttausend Franken zusammenkämen, sei auch für Schweizer Verhältnisse ungewöhnlich.

Der Grosserfolg lohnt sich auch für GoFundMe selber. Das Unternehmen zweigt die branchenüblichen 2,9 Prozent der Spenden aufs eigene Konto ab und verrechnet pro Spende zusätzlich 30 Dollar-Cent.

Dass sich mit Crowdfunding-Plattformen gut Geld verdienen lässt, hat sich längst herumgesprochen. In der Schweiz sind derzeit 43 solcher Spendenplattformen aktiv. Vor zehn Jahren waren es nur gerade zwei. Wie gross das Potenzial der Spendenplattformen hierzulande ist, zeigen die Wachstumszahlen. 2017 investierten Schweizerinnen und Schweizer insgesamt 374,5 Millionen Franken in Crowdfunding-Projekte, fast dreimal so viel wie im Jahr zuvor.

148 Franken pro Kopf

Erhoben hat diese Zahlen das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ). Institutsleiter Andreas Dietrich geht davon aus, dass Crowdfunding-Projekte auch in den kommenden Jahren «erfreuliche Wachstumsquoten» aufweisen werden. Stark gewachsen ist insbesondere der Bereich des Crowdinvestings, bei dem sich Privatpersonen über Online-Plattformen beispielsweise an Immobilienprojekten beteiligen können.

Weniger rasant ist der Anstieg bei sogenannten Crowdsupporting-Projekten, bei denen Privatpersonen soziale oder wohltätige Kampagnen unterstützen. 2017 kamen für solche Projekte auf Crowd- funding-Plattformen knapp zwei Millionen Franken zusammen. Im selben Jahr spendeten die Schweizer auf traditionellem Weg 1,8 Milliarden Franken für Hilfswerke.

Welches Potenzial im Crowdfunding steckt, zeigt das Beispiel China. 2016 gaben die Chinesen 203,6 Milliarden Franken aus für Crowdfunding-Projekte, 148 Franken pro Person. Das ist rund dreimal mehr, als der durchschnittliche Schweizer für Crowdfunding hinblättert. «In China werden Zahlungen und Einkäufe schon viel stärker online und vor allem auch über das mobile Endgerät gemacht. Für Kunden mit einem solchen Verhalten ist es klar, dass man digital und über Plattformen entsprechende Spenden oder Unterstützungen macht», sagt Andreas Dietrich.

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