Pünktlich zum vereinbarten Termin kommt er in seinem Lexus Hybrid angebraust. Aber in Gedanken ist Gastrounternehmer Michel Péclard noch ganz im Büro. «Gerade habe ich die Visualisierungen meines neuesten Projektes angeschaut», sprudelt es aus ihm heraus. «Eine Top-Sache, ein Hotel an bester Lage!» Während er in aller Eile mit dem Besuch durch die Räume seiner 4-Zimmer-Wohnung mit wunderbarer Seesicht in Kilchberg eilt, hat er bereits alle Details erzählt.

Nur übers Wohnen will er nicht so recht sprechen. Kein Wunder, bleibt ihm ja auch kaum Zeit dafür. Nicht mal fürs Einrichten. Das hat er seinem Freund Marco Carenini überlassen, dem Inhaber des Interieurgeschäfts Red Box, und ist in die Ferien verreist. «Er kennt meinen Stil ganz genau.»

Sofa-Zeit mit den Jungs

Wie ein Gast auf der Durchreise muss sich der 45-Jährige hier dennoch nicht fühlen. Wenn auch die Wohnung nicht viel Persönliches zeigt, ist sie doch gemütlich eingerichtet. Dominiert wird das Wohnzimmer von einer grossen Sofa-Landschaft aus braunem Leder. «Hier verbringe ich die meiste Zeit mit meinen Jungs, zum Beispiel bei einer Partie Schach oder beim Monopoly spielen», erzählt der 2-fache, geschiedene Vater, der jeden Morgen zwei Stunden auf dem Zürichsee paddelt.

Ins Auge sticht das grossformatige Bild von Max Zuber («ein guter Freund von mir») an der Wand. Mit «Michels Tanzweiber» hat es der Künstler signiert. «Ist es nicht toll?», fragt er und verschwindet in der Küche, um dem Besuch Wasser zu holen. «Viel mehr kann ich nicht anbieten», meint er lachend. Denn in seinem Kühlschrank herrscht gähnende Leere. «Ich kann überhaupt nicht kochen», gesteht der Gastro-Unternehmer. Ausser wenn ihn sein Sohn dazu zwingt. «Eine Tomatensauce und Spaghetti bringe ich gerade noch hin – oder mal ein Stück Fleisch auf dem Grill.»

Inzwischen sitzen wir am grossen Holztisch unter einer Art Kerzen-Kiste. «Ich mag Holz und Kerzen», schwärmt der gelernte Buchhalter. Diese «Lampe» hat er in Paris an der Einrichtungsmesse «Maison & Objets» gekauft, die er alljährlich besucht. «Auch den Tisch und die grossen Stehlampen habe ich von dort.» Und natürlich bestellt er in Paris für seine diversen Restaurants trendige Accessoires, «schliesslich muss man den Gästen immer wieder etwas Neues bieten».

Auf Schränke kann er verzichten

Was er dortbestimmt nicht sucht, sind Designermöbel. «Ich hasse solche zwar wunderschönen Möbel, die aber oft unbequem sind.» Ja, und noch auf etwas könnte er in der Wohnung problemlos verzichten: auf Schränke. «Die sind doch nur immer überfüllt.» Vielleicht liegt das ja auch daran, dass er sich gerne von der Boutiquen-Königin Trudie Götz persönlich einkleiden lässt, weil er nämlich farbenblind ist. «Echt ein Problem», meint er mit einem Lächeln und verrät, dass ihm deshalb die Putzfrau jeweils eine Kombination bereitlege.

Und schon erzählt er weiter, was ihn sonst noch alles stört bei den meisten Wohnungen. Michel Péclard wird bald Gelegenheit dazu haben, all diese Mängel zu eliminieren und sein Zuhause genau auf seine Bedürfnisse auszurichten. Denn die Kilchberger Wohnung ist für ihn nur eine Zwischenstation.

Eigentlich will er sich nur ein paar Gehminuten entfernt niederlassen – auf dem Campingplatz Wollishofen, wo eines seiner Restaurants, das «Fischer’s Fritz», steht und auch seine Büros untergebracht sind. Natürlich nicht in einem Zelt oder einer einfachen Behausung – obwohl er das vor ein paar Jahren nach dem Auszug bei seiner Familie für einen Monat machte. Ein Neubau direkt am See schwebt ihm vor. Wohnen auf dem Zeltplatz? Kein Problem für den Workaholic, für den seine Firma auch seine Familie ist: «Da ist es nie langweilig.»

Vielleicht fühlt sich dann der Suchende endlich angekommen – und findet mehr Zeit, die Bücher seines Lieblingsautors Carlos Ruiz Zafón zu lesen, die auf der Kommode im Entree liegen.