Ein Baby, zwei Väter

Gaia hat zwei Papis und die finden: «Das ist alles total normal»

Ciccio und Raphael mit Gaia in der Sendung TalkTäglich. «Wir wollen zeigen, dass das im Bereich des total Normalen ist»

Ciccio und Raphael mit Gaia in der Sendung TalkTäglich. «Wir wollen zeigen, dass das im Bereich des total Normalen ist»

Zwei Männer bekommen eine Tochter und machen ihr Glück öffentlich. Denn sie wollen, dass über diese Familiensituation gesprochen wird. Und sie hoffen, dass es jene homosexuellen Paare mit Kinderwunsch nach ihnen einfacher haben werden.

Ciccio (37) und Raphael (36) sind vor einem halben Jahr Vater geworden. Und noch immer überwältigt. Das spiegelt sich in ihren Gesichtern wider, wenn sie ihre Tochter Gaia ansehen. 

«Es ist Liebe pur. Schwierig, so ein Gefühl zu beschreiben», sagt Ciccio. Der Informatiker und der Flugbegleiter aus Bern sind zwei 15 Jahren ein Paar. Und dank einer Leihmutterschaft in den USA jetzt auch eine Familie. 

«Total normal»

Und das ganz öffentlich. Die drei waren auf dem Titelblatt der Schweizer Illustrierten und jetzt zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» bei Markus Gilli.

Die Männer tragen ihr Vaterglück bewusst nach aussen. Raphael: «Wir finden es wichtig, dass man über dieses Thema redet. Dass es Kinder gibt mit zwei Vätern oder zwei Müttern. Und dass das alles im Bereich des total Normalen ist.»

Kostenpunkt: über 100'000 Franken

Gaia ist entstanden aus der Eizelle einer anonymen Spenderin und den Spermien von Ciccio. Eine Leihmutter aus den USA hat Gaia zur Welt gebracht, eine 37-jährige Krankenschwester. Kostenpunkt: über 100'000 Franken.

Für diesen Weg haben sich Raphael und Ciccio entschieden, weil homosexuelle Paare in der Schweiz keine Kinder adoptieren dürfen. Bewusst haben sie eine Frau aus den USA gewählt und nicht eine aus Indien oder der Ukraine: «Es gibt viele Frauen, die gezwungen werden, das zu machen. Und das unter prekären Verhältnissen machen. Wir wollten nicht das Leid einer Person ausnutzen», sagt Ciccio.

Die italienische Familie und der Kinderwunsch

Er war es, dessen Kinderwunsch stärker war. «Ich bin in einer italienischen Familie gross geworden, Familie war für mich sehr wichtig. Und als ich merkte, dass ich schwul bin, habe ich gedacht, das wird sicher funktionieren.»

Raphael hingegen hatte den Kinderwunsch abgelegt. «Das Coming-out hat für mich auch geheissen, dass ich keine Kinder haben werde.» «Ein Krampf» sei es gewesen, sich von diesem Gedanken zu verabschieden.

Der Weg zum Kind war für die beiden ein langer. Am Schluss ging dann alles ganz schnell: Gaia kam per Notkaiserschnitt zur Welt.

Ciccio und Raphael waren zur Geburt in die USA gereist. «Ein starkes Gefühl, es ist dein Kind, das auf die Welt kommt», Raphael ist noch heute sichtlich bewegt von diesen Momenten.

Ein Baby – zwei Väter

Ein Baby – zwei Väter

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Ciccio und Raphael in voller Länge.

«Die Frage nach dem Mami wird kommen»

Gaias ersten Geburtstag feiert die Familie auch mit der Leihmutter. «Der Kontakt ist noch da», sagt Ciccio. «Und er wird auch in Zukunft da sein. Das ist auch wichtig für Gaia.» Raphael: «Die Frage nach dem Mami wird kommen. Und wir haben eine Antwort parat.»

Den Einwand, ein Kind brauche eine weibliche elterliche Komponente, lassen die beiden aber nicht gelten. Raphael: «Was machen denn alleinerziehende Eltern mit diesem Vorwurf? Zudem hat unsere Tochter viele Bezugspersonen, auch weibliche.»

Ein Geschwisterchen für Gaia wäre theoretisch geplant. Die Väter wünschen sich ein zweites Kind. «Aber das», sagt Ciccio, «ist eine finanzielle Frage.» (smo)

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