Es begann mit einer Hausaufgabe. Die 12-jährige Tochter musste den ökologischen Fussabdruck ihrer vierköpfigen Familie ausrechnen. Das Ergebnis: 42  Tonnen CO2 pro Jahr, ein Schock – und der Beginn eines Familienprojektes. Das lautete: Wie klimafreundlich kann eine Familie in Berlin leben? Ein Jahr lang haben Eltern und Kinder ihr Verhalten, ihren Konsum und ihre Bequemlichkeit unter die Lupe genommen. Von Anfang an stand fest: Das normale Leben muss weitergehen. Sie wollen gut essen, gut aussehen und gut riechen.

In einem Sachbuch halten sie den Selbstversuch fest. Mit Fakten, mit Zahlen. Denn die Familie hat viel gerechnet. Was ist klimafreundlicher: der über Winter gelagerte Bio-Apfel oder der aus Chile? Innert eines Jahres gelang es ihnen, den CO2-Ausstoss um einen Drittel zu drosseln. Von 42 auf 29 Tonnen pro Jahr.

Es bräuchte eine ökologischere Politik

Dafür flog die Familie nicht in den Urlaub, ass Wildschwein- statt Rindfleisch und fuhr auch bei Regen Fahrrad. Sie bändigten den inneren Schweinehund, den Auto-Einflüsterer und den Mango-Esser, wie sie im Buch schreiben. Doch hat sie das auch glücklicher gemacht? «Ja, etwas», sagt Familienvater Günther Wessel. «Es fühlt sich für mich persönlich besser an, wenn ich mich meinem Wissen entsprechend verhalte.»

Dass es nicht immer einfach war und die Gefühle wechselhaft, daraus macht die Familie kein Geheimnis. Wünschten sie sich ab und an die frühere Ignoranz zurück? Mit ihr liesse es sich zwar gut leben, sagt Wessel. Aber er und seine Frau haben zwei Kinder. «Und die wollen vielleicht auch mal Kinder.» Deshalb macht ihm die Haltung «wird schon alles nicht so schlimm» Angst. In kleinen Schritten lasse sich viel ändern.

Mit ihrem Selbstversuch seien sie nach einem Jahr an eine Grenze gestossen. «Wir haben unsere individuellen Möglichkeiten ausgereizt», sagt er. Damit sie als Familie noch klimafreundlicher leben könnten, gäbe es nur eines: eine ökologischere Politik.

Petra Pinzler und Günther Wessel: «Vier fürs Klima», Droemer-Verlag, 301 Seiten. Fr. 28.–.