Sobald man mit 14 die Töffliprüfung ablegen konnte, galt man – zumindest in ländlichen Regionen – als ernst zu nehmendes Mitglied der sogenannten Hödi-Gang. Hödi wurden die Zweitakter in der Umgangssprache von Backfischen damals genannt.

Natürlich galt es, beim Kauf des ersten Mofas einer gewissen Gender-Typologie zu folgen: Ein Piaggio Ciao zum Beispiel fuhren nur Mädchen. Oder die Bubi. Ein Piaggio Si, die etwas klobigere Variante des Herstellers aus Genua, die coolen Jungs. Vom heissen Mädchenschwarm bis zum geschniegelten Italobuben. Sie verschönerten ihre weissen, silbernen, roten oder schwarzen Mofas vorzugsweise mit einem langen, breiten Sattel. Das machte Eindruck. Die Bauernsöhne oder die «Heavys» (die Heavy Metal hörten), wären übrigens bis zur Autoprüfung lieber konsequent zu Fuss gegangen, als je auf ein Ciao oder ein Si zu sitzen. Männlich galt dort, wer einen dunkelblauen Puch Maxi S oder einen weinroten Pony mit Sachsmotor sein Eigen nannte.

Ritt der Eleganz

Doch nicht nur, ein Mofa zu besitzen, förderte die Zugehörigkeit und das Freiheitsgefühl. Im täglichen Einsatz wurden die Codes, sich richtig darauf zu präsentieren, mit jedem Kilometer mehr verinnerlicht. Was zarte, noble Reiterinnen zu viktorianischer Zeit mit dem Damensitz hoch zu Ross hatten, krönten Girls in den tiefen 80er-Jahren ihren Ritt der Eleganz, indem sie beide Beine – Knie fest zusammengepresst! – auf dem Fussbänkli in der Mitte des Mofas abstellten. Das Kurvenfahren wurde so, da beide Pedale frei in der Luft schwebten, nicht selten zur Herausforderung. Die Helmtragpflicht, die Anfang der Neunzigerjahre eingeführt wurde, galt als äusserst uncool, aber getragen haben ihn dann doch alle – zumindest bis kurz vor Ankunft des Ziels. Die letzten Meter vor dem Schulhaus oder der Samstagabend-Disco fuhr man immer mutig ohne Helm, sie dienten der effektvollen Präsentation der neusten Dauerwelle. Und ein kleiner Gesetzesverstoss befriedigte ausserdem die pubertierende Rebellin in einem.

Je höher der Testosteronanteil, desto emsiger pimpten wiederum die Jungs ihre Sackgeld-Verdunster in der Freizeit mit geschwungenen Lenkern, flippigen Tribal-Verzierungen an Gabel und Auspuffrohr oder mit Spraydosen zwecks Einfärben des ganzen Chassis. Oder sie bohrten in der Garage des Tüftlerkollegen eifrig Löcher in ihre Luftfilter, damit die Statussymbole auf zwei Rädern schneller als die üblichen 30 Stundenkilometer liefen. Ab mehr als drei Löchern tönte das Mofa dann allerdings wie eine Boeing 747. Was natürlich auch dem Polizisten im Dorf auffiel. Wegen eines frisierten Mofas eine Busse zu kriegen, war für einen Töfflibueb aber vergleichbar mit einem Ritterschlag.

Legal hin oder her: Je schneller das Töffli, desto grösser das Ansehen in der Clique. Nicht zuletzt kursiert bis heute die Urban Legend, die wohl in jedem Dorf irgendeiner in Umlauf gesetzt hat. Dass nämlich sein Mofa, weil es «geradeaus glatte 65 Stundenkilometer fuhr», jetzt im Verkehrshaus in Luzern stehe.

Lesen Sie auch: Töffli-Auferstehung lässt Kassen klingeln: «Die Leute spinnen total»