«Die Mutterglück-Lüge», so lautet der Titel des Buches von Sarah Fischer, das am 8. Februar erschienen ist.

Aus diesem aktuellem Grund sitzt die deutsche Mutter und Autorin am Mittwochabend bei Markus Gilli in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri quasi auf dem heissen Stuhl. 

Doch das Gespräch beginnt dann ganz anders als erwartet. «Ich hab tatsächlich das erste Mal ein schlechtes Gewissen», sagt Sarah Fischer, die Frau, die offen zugibt, dass sie es bereut, Mutter geworden zu sein. Die ihr altes, selbstbestimmtes Leben vermisst, in dem Beruf und Karriere zuoberst auf der Prioritätenliste standen.

Ihre dreijährige Emma habe geweint, als sie sie am Morgen im Kindergarten abgegeben habe, «Mama, bleib hier», habe sie gesagt.

«Mir hat es das Herz gebrochen»

«Mir hat es das Herz gebrochen, dass ich gehen musste und nicht noch eine halbe Stunde bleiben konnte, um ihr das Gefühl zu geben, dass Mama für sie da ist», gibt die Mutter zu, die ein Sprachrohr sein will für alle Mütter, die sich «zerreissen zwischen Beruf und Familie», wie sie sagt.

Sarah Fischer stellt auch gleich zu Beginn klar: «Meine Tochter ist ein Wunschkind und ich liebe sie über alles.» Ganz bewusst habe sie sich mit 39 entschieden, Mutter zu werden.

Nur: Ihre Vorstellung, die sie vom Muttersein hatte, deckt sich nicht mit der Realität. «Gehts jetzt nur mir so, dass ich keine Lust habe, den ganzen Tag auf dem Spielplatz zu sitzen oder im Kinderzimmer mit Bauklötzen zu spielen?», habe sie sich gefragt.

«Nicht du, die nicht mehr ganz dicht ist»

Dann erscheint im April 2014 die Studie der israelischen Soziologin Orna Donath. Sie hat 23 Mütter befragt und herausgefunden, dass viele es bereuen, Mutter geworden zu sein. 

Die Studie hat unter dem Stichwort #regrettingmotherhood – Mutterschaft bereuen – in den Sozialen Medien und darüber hinaus für Wirbel gesorgt.

«Ich habe gemerkt, das bist nicht du, die nicht mehr ganz dicht ist, sondern so geht es ganz vielen Müttern da draussen», sagt Sarah Fischer im «TalkTäglich». Sie will sich einsetzen für diese Mütter, die so fühlen wie sie, das Tabu brechen.

«Die Mutterglück-Lüge»

Sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» vom 10. Februar 2016.

Der «Gute-Mutter-Kodex»

Denn: «Wenn ich laut gesagt habe, dass mir mein Leben vorher besser gefallen hat, wurde ich sofort verunglimpft: Du bist undankbar, werde damit fertig!»

Genau in dieser ständigen Einmischung von aussen sieht Sarah Fischer das Hauptproblem. Sie spricht vom «Gute-Mutter-Kodex»: «Fremde Menschen, die dir sagen, was eine gute Mutter zu sein hat. Eine gute Mutter hat ihre Bedürfnisse hinten anzustellen und alles für ihr Kind aufzuopfern – und es gibt einfach nichts dazwischen.»

«Ich bin ein selbstbewusster Mensch!»

Hier hakt Gilli mehrmals nach. Als selbstbewusster Mensch, so der Moderator, habe es einen doch nicht zu kümmern, was andere denken und sagen.

«Ich bin ein selbstbewusster Mensch, der damit wirklich gut umgehen kann», wehrt sich Fischer. Aber wenn sich Ratschläge und Vorwürfe häufen würden, käme auch sie ins Zweifeln.

Sie empfindet das so: «Mir wird die Kompetenz genommen, frei darüber zu entscheiden, was gut ist für mein Kind und was nicht.»

Aber: «Mutterschaft ist etwas Persönliches, kein Allgemeingut!» (smo)