«Jesus ist immer mit dir», sagte Philipp Höheners Mutter zu ihrem Sohn, als dieser in einer Krise steckte. «Zu wissen, dass immer jemand bei einem ist, das ist auch schön», sagt Philipp Höhener heute als erwachsener Mann.

Nur gab es auch eine Kehrseite der Medaille: der Druck, der dadurch aufgebaut wurde, dass Gott eben immer da ist und beobachtet. «Es ging immer alles um richtig und falsch in meinem Leben, um die Angriffe des Teufels und um Gottgefälligkeit», beschreibt es Höhener.

Von «Manipulation und Indoktrination» spricht er heute. Heute, exakt sechs Jahre nach jenem 11. April 2012, als er seinen Austritt aus der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten bekannt gab.

Nervös sei er immer noch, sagte er am Dienstagabend in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri, aber heute könne er darüber reden. Über seine Kindheit, die von vielen Zwängen und eben diesem Druck geprägt war, und über die Freikirche, mit der er aufgewachsen und heute so gar nicht mehr einverstanden ist.

«Der moralische Druck ist das Problem, nicht der Glaube an sich», sagt Sektenexperte Hugo Stamm zu den Siebenten-Tags-Adventisten und zur Geschichte von Philipp Höhener. Der ganze Alltag, sein ganzes Menschsein sei dem Glauben gewidmet gewesen, beschreibt Höhener. Doch: «Meinen Eltern mache ich keinen Vorwurf.»

In der Sendung kommt – in einem isolierten Gespräch mit Moderator Oliver Steffen – auch Herbert Bodenmann, Schweizer Mediensprecher der Siebenten-Tags-Adventisten, zur Sprache. Er nimmt Stellung zu den Erlebnissen von Philipp Höhener und zu den Vorwürfen an die Freikirche, Hugo Stamm schätzt die Aussagen ein:

Siebenten-Tags-Adventisten: Schweizer Sprecher nimmt Stellung zu den Vorwürfen an die Freikirche

«Wir als Kirche vertreten einen möglichst angstfreien Glauben – wie das in der Familie umgesetzt wird, darauf haben wir keinen Einfluss»

Herbert Bodenmann, Schweizer Sprecher der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, nimmt Stellung zu den Aussagen von Philipp Höhener. «Das ist schon sehr beschönigend», sagt Sektenexperte Hugo Stamm dazu.

Vor sechs Jahren begann Philipp Höhener zu recherchieren. «Ich bin auf Informationen gestossen, die mich zutiefst bewegt haben.» Zwei Wochen später wusste er: «Jetzt musst du raus, daran führt kein Weg vorbei.»

Das war im ersten Moment eine Befreiung. Aber es habe ihm auch den Boden unter den Füssen weggezogen. «Mein Glaubensgerüst fiel zusammen.» Glauben will er heute nicht mehr. «Ich vertraue meiner Intuition und dem Wissen, das ich mir selbstständig aneigne.» 

Ausstieg aus der Freikirche

Ausstieg aus der Freikirche

Sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» mit Philipp Höhener, Hugo Stamm und Herbert Bodenmann.