Möchte man diese Beichte von Barbara Schöneberger wirklich lesen? «Ich habe mich mal nach einer Feier in einem Hotel erbrochen. Direkt in meinen Koffer», schreibt sie über ihren ersten Vollrausch, nachzulesen im Interview mit Sarah Connor in ihrem neuen Magazin Barbara.

Nach Annabelle, Brigitte, Petra, Tina und wie sie alle heissen, nun also «Barbara». Dass die neue Zeitschrift nicht wie die anderen sein will, zeigt schon das Cover mit einer strahlenden Barbara Schöneberger. Die 41-Jährige gibt dem Heft nicht nur ihren Namen, sie wird auch jedes Titelbild zieren. Was auch auffällt: Da wurden keine Fältchen und überschüssigen Gramme auf den Hüften wegtuschiert.

Auch wenn die kecke Dame überall im Heft auftaucht, soll es kein Fan-Magazin sein. Aber was denn? Sicher kein normales Frauenmagazin. So heisst es denn auch auf dem Cover: ohne Diät, Workout und To-do-Listen. Alles ohne, was man eben so erwarten würde – seitenlange Modestrecken, Ratgeber- und Beauty-Tipps. Aber womit denn? Es klingt banal: Das Heft soll ihr und den Leserinnen eine gute Zeit machen. Basta. «Frauenzeitschriften wollen die ganze Zeit aus mir eine Bikinifigur machen, die ich nie haben werde. Ich soll in Gesprächen mit meinem Mann mehr zuhören, ich soll mehr von meinem Chef fordern. Das erschöpft mich irgendwie», sagt sie im Interview gegenüber der Zeitschrift Stern. Deshalb soll hier alles weggelassen werden, was sie – und die Leserinnen – unter Druck bringt.

Kokettieren mit der Unperfektion

Ironischerweise wird der TV-Star von einer Frau gecoacht, die eigentlich ihre Konkurrenz ist. Brigitte Huber ist Chefredakteurin des Klassikers Brigitte. Sie ist aber auch für Barbara redaktionell verantwortlich – und Schöneberger lediglich «Editor at large», was immer dieser Titel an Aufgaben beinhalten mag. Vielleicht, dass sie jeden Freitag auf der Redaktion ist. Eine Mogelpackung also? Nicht ganz. Denn Frau Schöneberger schafft es tatsächlich, einen etwas anderen Groove in das Monatsmagazin zu bringen. Das hat wohl damit zu tun, dass die Zielgruppe im mittleren Alterssegment zu suchen ist (30–55), das sich nicht mehr jeden Bären aufbinden lässt und vom neuesten hippen Trend zum nächsten hetzt. Das Magazin für Fr. 6.10 verzichtet weitgehend auf einen besserwisserischen Unterton, ist frei von emanzipatorischem Gedankengut, kokettiert dafür mit der Unperfektion.

In der ersten Ausgabe findet man denn auch eine überraschende Heiterkeit, Selbstironie und Unverkrampftheit, die über vielen Texten und auch der Bildsprache steht. Etwa im Selbstversuch einer Redaktorin, die als Single ohne Erziehungserfahrung vier Kinder zu betreuen versucht, oder bei Frau Lübke, die ihre Ideale in Sachen gesunder Ernährung und guter Erziehung mal über Bord wirft. Modestrecken findet man sehr wohl – mit wirklich «normalen» Frauen. Das klingt irgendwie vertraut. Hatte nicht Brigitte vor ein paar Jahren genau dies versucht? Und krebste dann nach einer Weile doch wieder zurück, weil die Leserinnen angeblich nach professionellen Models schrien?

Andere Geschichten wiederum, wie die Fotostrecke über Menschen, die geliebte Angehörige verloren haben, oder die Geschichte einer Frau, die entdeckt, dass ihr Mann ein Kind mit einer anderen hat, sind mit dem nötigen Respekt geschrieben und alles andere als narzisstisch.

Sicher wird die Neulancierung von Barbara Schöneberger als Zugpferd profitieren. Schliesslich ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Medienfiguren, auch ohne eigene grosse Fernsehkiste. Sie weiss sich bestens in Szene zu setzen und hat sich inzwischen selbst zur Marke geredet. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, was sie gleichzeitig authentisch macht. Darauf zählt wohl der herausgebende Verlag Gruner + Jahr (Stern, Geo). Gespür für Trends hat der Hamburger Verlag in der Vergangenheit einige Male gezeigt, als er etwa das Grillheft Beef! für Männer oder das Wohlfühlmagazin Flow lancierte. Neu ist die Idee allerdings nicht, eine prominente Frau als Zugpferd zu nehmen. In den Niederlanden gibt es seit 2003 das Heft Linda mit Linda de Mol, in den USA O von Oprah Winfrey.

Dass Barbara Schöneberger mit dem Magazin ein neues Standbein aufbaue, weil sie Existenzängste habe, nimmt man ihr deshalb nicht so richtig ab. Da ist wohl doch auch eine Prise Selbstinszenierung dahinter. Egal, so lange es unterhaltsam ist, kann man locker darüber hinwegschauen – und lustvoll durch die «Barbara» blättern.