Tierisch

Frauen verstehen Hunde besser – Schuld daran ist der Wolf

Ihre sensible Seite hilft Frauen als Hundeversteherinnen.

Ihre sensible Seite hilft Frauen als Hundeversteherinnen.

Menschen können das Bellen der Hunde besser deuten als das Knurren. Die Ursache dafür liegt beim Wolf.

Wau! Wuff! Knurr! Was will uns der Hund sagen? Studien der letzten Jahre zeigten, dass er ein hochsensibler Menschenversteher mit Gespür für feine Nuancen ist. Doch wie sieht es umgekehrt aus, verstehen wir auch den Hund? Ein Forscherteam der Universität Budapest hat ermittelt: Sein Bellen verstehen wir recht gut – doch beim Knurren liegen wir oft daneben.

Die ungarischen Wissenschafter spielten 40 Männern und Frauen insgesamt 200 Aufnahmen vor, in denen man Hundebellen in unterschiedlichen Situationen festgehalten hatte. Es zeigte sich, dass die Probanden recht zuverlässig unterscheiden konnten, ob die Tiere gerade drohten, spielten oder ängstlich waren. Sie orientierten sich dabei vor allem an der Länge und Tonhöhe der einzelnen Laute.

Der Mensch weiss also mit dem Bellen der Vierbeiner durchaus etwas anfangen. «Das kann nicht wirklich verwundern», erklärt Studienleiter Tamas Farago. Diese Kommunikationsform habe der Hund nämlich in seiner Evolution entwickelt, um vom Menschen verstanden zu werden. Wölfe hingegen können nicht bellen. Wir verstehen also das Bellen in erster Linie deshalb, weil es der Vierbeiner extra für uns eingerichtet hat – und nicht, weil wir so feinfühlig sind.

Die Verhaltensforscher haben daher in einer anderen Studie untersucht, ob der Mensch auch das Knurren von Hunden versteht. Denn das haben sie sich vom Wolf bewahrt, es ist also nicht eigens auf das Hörverständnis des Homo sapiens abgestimmt.

Der Aufbau des Tests war ähnlich wie beim Bellen: Man spielte den Probanden zur Beurteilung verschiedene Knurr-Versionen vor, die man von spielenden, wütenden oder bedroht-ängstlichen Tieren eingesammelt hatte. Das Ergebnis: Das Spielknurren wurde immerhin noch in 81 Prozent aller Fälle richtig erkannt. Doch beim Angstknurren lagen die Probanden in jedem zweiten Fall daneben, und beim Wutknurren war die Trefferquote nur unwesentlich besser. Im Verständnis jener Kommunikationsformen, die der Hund noch von seinen wölfischen Vorfahren hat, sind wir also ziemliche Amateure.

Immerhin erzielten erfahrene Hundehalter in dem Test recht gute Ergebnisse, was zeigt, dass man lernen kann, den Hund zu verstehen. Und die weiblichen Probanden schnitten – zumindest relativ zu den Männern – ebenfalls gut ab. «Es ist ja bekannt, dass Frauen eine höhere emotionale Sensitivität haben», erläutert Farago, «und das hilft ihnen vermutlich auch dabei, das Knurren eines Hundes richtig einzuordnen».

Männer können sich jedoch trösten, dass sie demnächst Hilfe beim Hunde-Verstehen bekommen. Denn in Budapest arbeitet man seit einigen Jahren an einer Datenbank, in der die unterschiedlichen Hundesignale in ihrer jeweiligen Bedeutung erfasst sind. Am Ende könnte man dann eine Handy-App entwickeln, die uns genau mitteilen kann, was uns ein Hund gerade zu sagen hat, sodass wir angemessen reagieren können. Sofern er uns noch die Zeit dazu lässt.

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