Sondereinheit

Frauen-Power: Norwegens weibliche Antwort auf die Navy Seals

Mal schnell per Fallschirm in der Arktis abspringen: Fast schon Alltag bei den «Jegertroppen».

Mal schnell per Fallschirm in der Arktis abspringen: Fast schon Alltag bei den «Jegertroppen».

Das ist Gleichberechtigung: 2014 gründeten die Norweger mit der «Jegertroppen» die erste rein weibliche militärische Spezialeinheit der Welt. Die angehenden Soldatinnen müssen die gleichen Aufnahmeprüfungen absolvieren und in den Streitkräften die gleichen Aufgaben übernehmen wie ihre männlichen Kollegen.

Erst kürzlich lobte watson die fortschrittlichen nordischen Länder, die das übrige Europa ziemlich alt aussehen lassen. Abgesehen davon, dass die Skandinavier die besseren Filme machen, sind sie auch viel progressiver als wir ...

Wie bei den politischen Rechten der Bürger nimmt das Land mit seinen gut fünf Millionen Einwohnern auch bei den Pflichten eine Vorreiterrolle ein. 2016 wurde die Allgemeine Wehrpflicht für alle jungen Norweger eingeführt (dazu später mehr).

Bereits seit 1985 dürfen junge Norwegerinnen bewaffneten Militärdienst leisten. 2014 wurde mit der «Jegertroppen» die erste rein weibliche militärische Spezialeinheit der Welt ins Leben gerufen. Sie absolvieren ein intensives Training, das die Frauen auch auf Einsätze in Kriegsgebieten vorbereitet.

Eine zweiteilige Youbube-Doku zeigt das brutale Training – Tränen und Hühnerblut inklusive.

Den ersten Teil gibt es nur auf Youtube zu sehen (mit englischen Untertiteln). Teil 2 beginnt mit einer Soldatin im Nahkampf gegen mehrere Angreifer:

Norwegian Army Documentary - Special Forces Girls for Norway [Jenter for Norge] 2/2
 

Gleiche Einsätze, gemischte Schlafräume

Norwegen hat das Frauen-Wahlrecht seit 1913 (!) – seit letztem Jahr gilt die konsequente Gleichstellung der Geschlechter auch für den Militärdienst. Als erstes Land in Europa führten die Skandinavier die Allgemeine Wehrpflicht ein. 

Elitesoldatin mit Gewehr: In Skandinavien gibt es eine Spezialeinheit nur für Frauen.

Elitesoldatin mit Gewehr: In Skandinavien gibt es eine Spezialeinheit nur für Frauen.

Die angehenden Soldatinnen müssen die gleichen Aufnahmeprüfungen absolvieren und in den Streitkräften die gleichen Aufgaben übernehmen wie ihre männlichen Kollegen. Übernachtet wird in den gleichen Zelten und gemischten Schlafräumen. Nur die Duschen sind getrennt.

Muskeln und sexuelle Spannungen

Was in Norwegen funktioniert, scheint in anderen westlichen Ländern immer noch undenkbar: Zwar werden Frauen in «normalen» Streitkräften akzeptiert, doch gibt es bei den Spezialeinheiten grosse Widerstände.

Gegner zitieren Studien, wonach die Männer mehr Muskelmasse und Kraft hätten, was insbesondere bei Gewaltmärschen mit bis zu 60 Kilogramm Gepäck entscheidend sei. Zum andern äussern Kritiker auch immer wieder Bedenken, dass es unweigerlich zu sexuellen Spannungen in den Teams kommen würde.

«Wie kann man rein praktisch erwarten, dass Männer und Frauen in extremen Stresssituationen (...) keinen Sex miteinander haben, wenn sie eine halbe Welt weg von Amerika unterwegs sind – und wie beeinflusst dies die Effektivität einer Einheit?» Brandon Webb, Bestseller-Autor und ehemaliger Navy Seal (Quelle: NBC News)
Ein Jegertroppen-Team auf Langlaufskiern, unterwegs im Nirgendwo.

Ein Jegertroppen-Team auf Langlaufskiern, unterwegs im Nirgendwo.

Nur die Besten werden rekrutiert

Bleibt anzumerken, dass die allgemeine Wehrpflicht in Norwegen nicht dazu dient, möglichst viele junge Frauen in die Armee zu holen. Laut Tages-Anzeiger gibt es keine Quote oder eine fixe Anzahl von weiblichen Wehrpflichtigen. Ziel sei es vielmehr, die geeignetsten und motiviertesten jungen Leute zu rekrutieren.

Die Schweizer Armee prüft das norwegische Modell. Eine vom Bundesrat beauftragte Studiengruppe schlug letztes Jahr vor, ebenfalls die Allgemeine Wehrpflicht einzuführen. Allerdings werde es dann kaum möglich sein, für bis zu 3,75 Millionen Dienstpflichtige eine sinnvolle Beschäftigungen zu finden.

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