Die einen schwören auf Holzkohlegrills, weil das Grillgut so herrlich nach Rauch schmeckt und dem Grillieren mit Holz und Kohle ein Hauch von Lagerfeuerromantik innewohnt. Andere bevorzugen Gasgrills: Kein Qualm, kein Rauch – und es geht ruckzuck, bis der Grill heiss ist und das Grillgut gar. Wiederum andere entscheiden sich beim Grill kaufen für einen Elektrogrill, weil er kaum Platz benötigt und so auch für kleinere Balkone geeignet ist.

Wer sich einen neuen Grill kauft, hat die Qual der Wahl. Nicht nur die Art des Grills, auch Grösse, Form und Qualität spielen eine wichtige Rolle. Liebhabern von Holzkohlegrills, die das archaische Element am Grillieren schätzen, bietet sich seit Kurzem eine echte Alternative: der sogenannte Feuerring. Auch hier heisst es: Feuer machen, Grillgut drauflegen und bei Lagerfeuerfeeling warten, bis einem die feinen Röstaromen in die Nase steigen. Und wer hat’s erfunden? Richtig, wir Schweizer.

Die Geschichte des Feuerrings

Vierzehn Jahre ist es her, dass Andreas Reichlin sagt: Schluss, aus, es reicht. Jedes Jahr mit Beginn der Grillsaison hat er Bauchschmerzen bekommen – im wahrsten Sinne des Wortes: Qualm, Russ, das teilweise verkohlte Fleisch haben ihm auf den Magen geschlagen.

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, beginnt der Bildhauer aus Immensee am Zugersee, an einer gesunden Alternative zum herkömmlichen Grill zu tüfteln. Fünf Jahre lang. 2009 ist es so weit: Der Feuerring ist fertig. Aus massivem Stahl. Und ganz ohne Grillrost.

Wie funktioniert der Feuerring?

Der Feuerring sieht aus wie eine Feuerschale oder ein überdimensionaler Wok mit einem breiten Ring obendrauf. In der Mitte lodert ein Feuer. Kohle braucht es nicht. Fisch, Fleisch, aber auch Rösti, Spätzli oder sogar Paella – auf dem Ring kann man braten, was das Herz begehrt. Und das ganz ohne Topf oder Pfanne.

Je nachdem, wo Sie das Grillgut auf dem Ring platzieren, können Sie verschiedene Temperaturzonen wählen: Je näher am Feuer das Grillgut liegt, desto schärfer brät man an, je weiter aussen, desto sanfter wird gegart. Sogar Niedergaren ist mit dem Feuerring möglich: Legt man ein vier Millimeter dickes Holzbrett auf den Feuerring, reduziert sich die Gartemperatur von 300 Grad am Innen- bzw. 150 Grad am Aussenrand auf 80 Grad.

Form und Funktion gehen Hand in Hand

Das Grillieren auf dem Feuerring ist gesund. Der Grillring wird zwar eingeölt, doch es gelangt dabei – im Gegensatz zum herkömmlichen Grillrost – kein Fett ins Feuer. Sprich: Es können keine karzinogenen Stoffe ans Grillgut gelangen.

Neben der Funktionalität spielte natürlich auch das Design eine entscheidende Rolle. Der Feuerring, das ist Stahl pur, eine überdimensionale Schale mit breitem Rand, puristisch, schnörkellos. Ein skulpturales Schmuckstück für jeden Garten. Und das Beste: Der Feuerring rostet nicht, sondern wird durch den Gebrauch immer schöner. Darüber hinaus ist der Grill äusserst pflegeleicht: Durch die regelmässige Nutzung wird der Grillring geölt und kann so, ähnlich wie eine Gusspfanne, nicht korrodieren. Zum Reinigen des Feuerrings benötigen Sie nur Stahlspachtel, Stahlbesen und etwas Speiseöl.

Nachhaltigkeit und Geselligkeit

Neben Gesundheit und Schönheit steht aber noch etwas Anderes im Zentrum der Feuerring-Idee: Geselligkeit. Mehr noch als der Holzkohlegrill – weil neben der lodernden Flamme grilliert wird – hat er etwas Archaisches: Schliesslich war das Lagerfeuer über Jahrhunderte das Zentrum gemeinschaftlichen Lebens. Die zentrale Stelle, an der man allabendlich zusammentraf, um sich zu wärmen, zu essen und sich auszutauschen.

Mit dem Feuerring sind die Zeiten definitiv vorbei, in denen die Männer mit einem Bier im der Hand um den Grill herumstehen und auf die ideale Glut warten, während die Frauen in der Küche die Beilagen zubereiten. Hier passiert alles an Ort und Stelle, ohne Eile, ohne das richtige Zeitfenster verpassen zu können.

Wem Slowfood, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit wichtig sind, wer sich Zeit für die Essenszubereitung nimmt – vom Anfeuern bis zum Grillieren dauert es etwa 40 Minuten –, wer die Gemeinschaft beim Grillieren schätzt, für den ist der Feuerring genau das Richtige. Die Philosophie dieses Grills trifft damit fraglos einen Nerv unserer Zeit.

Fazit

Der Feuerring ist eine einzigartige Kombination von Funktion, Ästhetik und Ökologie. Trotz seines beträchtlichen Gewichts – das kleinste Modell wiegt 140 Kilogramm – ist er leicht zu bewegen, da man ihn rollen kann. Das Original, bereits mehrfach mit Designpreisen ausgezeichnet, gibt es mittlerweile in zehn verschiedenen Grössen. In Anlehnung an ein am Boden gelegenes Feuer ursprünglich als flache Schale konzipiert, stehen nun auch höhere Formen zur Auswahl. Inzwischen gibt es sogar Varianten für die Dachterrasse oder den Balkon.

Günstig ist der Feuerring nicht. Wer einen solchen Grill kaufen möchte, muss zwischen 4100 und 9700 Franken investieren. Noch immer aber ist jeder Feuerring ein Unikat und wird nur auf Bestellung hergestellt.

Natürlich gibt es neben dem Original inzwischen viele Imitate. Allein in der Schweiz gibt es etwa 40 Nachahmermodelle, die „Feuergrill“, „Feuerkugelgrill“ oder „Feuerschale mit Grillring“ heissen, da der Name „Feuerring“ geschützt ist. Auch sie sind nicht unbedingt preiswert. Doch ein guter Feuerring hält ein Leben lang. Und wer den Grill nicht nur als Gebrauchsgegenstand, sondern auch als Kunstobjekt betrachtet, dem mag die Investition noch etwas leichter von der Hand gehen. Denn schliesslich, das wissen wir alle, isst auch das Auge mit.