Die ganze Mondlandung ist eine fingierte Geschichte. Und die US-amerikanische Apollo-11-Mission hat vor fünfzig Jahren die Weltöffentlichkeit zwar hinters Licht, die Astronauten aber nie auf den Mond geführt. So die abstruse Verschwörungstheorie.

Seitdem ereignet sich nichts Grosses in der Welt, ohne dass nicht auch eine «alternative» Erzählung entstünde, welche die harten Informationen schlicht zu «Fake News» erklärt. Nach jenen, welche die Mondlandung nicht glauben konnten, kamen also noch viele andere.

Die Verschwörungsthese, die Raumkapsel sei bloss in der Militärbasis Area 51 gelandet und die berühmt gewordenen Mondbilder dort produziert worden, hat zwar weltweit Vertreter. Nur: Selbst in der Gilde der etablierten Verschwörungstheoretiker, zu denen etwa der Schweizer Daniele Ganser gehört, gelten diese Verfechter als Spinner. Zu einfach lassen sich die vermeintlich offenen Fragen klären und Widersprüche auflösen.

Sie glauben, Astronauten wären verstrahlt worden

Die Mondlandeverschwörung, wie sie etwa der Ingenieur Bill Kaysing 1976 in seinem Buch «We Never Went to The Moon» beschrieb, basiert auf der Hauptthese, eine Mondlandung sei technologisch gar nicht möglich gewesen.

Ein Nasa-Papier wird als Beleg ins Feld geführt, wonach die Weltraumfahrtbehörde angeblich selbst die Wahrscheinlichkeit als äusserst gering bezeichnet habe, dass eine solche Mission gelingen könne. Die Computertechnik von damals sei der Komplexität überhaupt nicht gewachsen gewesen. Die Strahlenbelastung, ein weiteres Argument, hätte die weitgehend ungeschützten Raumfahrer getötet.

Die Grundannahme der Mondlandeverschwörungsthese ist ihr grösster Schwachpunkt: Gehen Verschwörungstheoretiker – wie bei der angeblichen 9/11-Verschwörung – in der Regel davon aus, dunkle Mächte hätten mit technologischer Raffinesse der Welt eine propagandistische Illusion geliefert, unterstellen die Mondlandeverschwörer der Nasa genau das Gegenteil; technologisches Unvermögen habe sie erst zum Fake gezwungen.

Eine glaubwürdige Verschwörungsthese lebt zudem davon, dass nur ein kleiner Kreis von Geheimnisträgern in ein Komplott eingeweiht ist. Auch hier schwächelt die Mondverschwörungsthese, da selbst notorische Realitätsverweigerer anerkennen, dass Tausende von Nasa-Mitarbeitern in das Raumfahrtprogramm involviert waren.

Immerhin wären die Motive nachvollziehbar

Dafür können die Gläubigen der Mondlandeverschwörung gegenüber den 9/11-Verschwörungsanhängern bei der möglichen Motivation der US-Administration punkten. Während die Fantasie aufs Äusserste strapaziert werden muss, um zu begründen, weshalb die US-Regierung mit einem Anschlag die Twin-Towers zerstört und 3000 Mitbürger getötet haben sollte, wäre eine inszenierte Mondlandung nachvollziehbar: Die USA standen im scharfen Wettbewerb mit der damaligen UdSSR um die Weltvorherrschaft, die sich nicht zuletzt in der technologischen Vorherrschaft zeigen sollte.

Mit der Mondlandung haben sich die Amerikaner vor den Augen der Weltöffentlichkeit wieder an die Spitze gesetzt, nachdem die Russen vor ihnen einen Astronauten in die Umlaufbahn geschickt und auch wieder heil auf die Erde zurückgebracht hatten.

Vorbildlich für alle weiteren Auseinandersetzungen um angebliche Verschwörungen sind detailversessene Bild- und Videoanalysen. So wird der Schattenwurf auf Bildern des Mondspaziergangs als Fälschungsbeleg angeführt, da solcher bei einer Lichtquelle gar nicht vorkommen könne. Fehlende Sterne im Hintergrund sollten den Betrug ebenfalls offenkundig machen. Dass die US-Flagge, die in den Mond gerammt wurde, augenscheinlich wehte, zeige zweifellos, dass die Aufnahmen auf der Erde und nicht auf dem windstillen Mond gemacht worden seien.

Wiederholung der Lüge macht sie wahrer

Die Vorbehalte sind alle in zahlreichen Studien widerlegt, sodass die Mondlandeverschwörung eigentlich längst in den Geschichtsbüchern endgelagert werden könnte. Dass die Mär dennoch nicht als solche abgelegt ist, liegt nicht etwa an den wenigen verbliebenen Anhängern, deren Thesen sich trotz neuer Social-Media-Möglichkeiten nicht ausbreiten. Vielmehr sind es die etablierten Medien, die nun für die anhaltende Verbreitung des angeblichen Mondlande-Fakes sorgen.

In einem naiv verstandenen Verständnis, dass alle Positionen dargestellt gehören, finden sich unzählige Filme und Berichte, in denen Mondlandeleugner und -befürworter nominell gleichberechtigt gegenübergestellt werden. Nach diesem Muster hat auch «10vor10» in ihrer Serie zum Mondlandejubiläum vergangene Woche einen Realitätsverweigerer zu Wort kommen lassen.

Mit der Darstellung, die Mondlande-Mär sei ein Archetyp für spätere Verschwörungstheorien, wird die «alternative Erzählung» auch ohne Jubiläum immer wieder aufgewärmt. So etwa im vergangenen Jahr durch die «Sonntags-Zeitung», die einen Beitrag, der im Wesentlichen das Wirken von Ganser beschrieb, prompt mit einem Apollo-11-Bild illustrierte und damit knapp an einer Rüge des Presserates vorbeischrammte. Denn was heute ein echter Verschwörungstheoretiker ist, distanziert sich in aller Form von der These, die Mondlandung habe vor 50 Jahren gar nicht stattgefunden.