Biologie

ETH entdeckt «Altersgen» und verlängert Leben

Die ETH entdeckt ein "Altersgen" (Archiv).

Die ETH entdeckt ein "Altersgen" (Archiv).

Jungbrunnen war gestern, Gen-Blockierung ist heute. Wie ETH-Forscher den Alterungsprozess beeinflussen, zeigt eine neue Studie.

Ob Tier oder Mensch, sie alle haben Gene, die von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen und mit dem körperlichen Altern in Verbindung stehen. Auf diese Gene haben es Forschende der ETH Zürich und der Uni Jena abgesehen.

Angetrieben durch die Suche nach einer Quelle ewiger Jugend, beschäftigt sich die Menschheit seit Jahrhunderten mit dem Altern. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Suche nach den «Altersgenen» aufgrund methodischer Fortschritte stark beschleunigt.

Jetzt haben die Wissenschafter bei Wurm, Maus und Fisch Gene gefunden, die den Alterungsprozess massgeblich regulieren. Wurden diese Gene beeinflusst, etwa blockiert, verlängerte sich das Leben der Versuchstiere. Die Erkenntnisse könnten auch uns Menschen zu einem gesünderen und längeren Leben verhelfen.

Ein Viertel länger leben

Bisher wurde für Altersforschungszwecke meist der Fadenwurm C. elegans verwendet, da er lediglich 14 bis 20 Tage alt wird. Es war bekannt, dass rund ein Prozent seiner Gene die Lebensdauer beeinflussen könnten. Man vermutete jedoch schon länger, dass solche «Altersgene» die Evolution hinweg in allen Lebewesen – von der Backhefe bis zum Menschen – erhalten geblieben sind.

So untersuchte das Forschungsteam rund 40'000 Gene des Fadenwurms C. elegans, des Zebrafisches und der Maus. Dabei zeigte sich, dass die drei Organismen 30 Altersgene gemeinsam haben. Das «bcat-1-Gen» offenbarte sich als besonders einflussreich. «Blockierten wir die Wirkung dieses Gens, nahm die mittlere Lebensspanne des Fadenwurms markant zu, und zwar um bis zu 25 Prozent», bestätigt ETH-Professor Michael Ristow, koordinierender Autor der eben erschienenen Studie.

Darüber hinaus wurden die Würmer vitaler: Altersbedingte Pigmente, Fortbewegungsgeschwindigkeit und Fortpflanzung verbesserten sich.

Bald sind wir dran

Auch der Wirkmechanismus des «bcat-1-Gens» konnte aufgeklärt werden: Das Gen ist Code-Träger für das gleichnamige Enzym, das auch in unserer Nahrung vorkommende Eiweissbausteine (Aminosäuren) abbaut. Ohne das Gen zu blockieren, können die Bausteine auch durch blosse Verabreichung einen Effekt ausmachen. Dieser ist aber geringer.

Obwohl die vorliegende Untersuchung die Auswirkungen auf den Menschen noch ausklammert, zweifelt Ristow nicht daran, dass der gleiche Prozess auch beim Menschen funktioniert. «Wir haben ausschliesslich die Gene gesucht, die evolutionär konserviert sind und deshalb in allen Organismen vorkommen, auch beim Menschen», sagt er.

Nicht länger, aber gesünder

Eine Folgestudie ist bereits in Planung. Allerdings könne die Lebenserwartung bei Menschen nicht gemessen werden. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die bisher ältesten Menschen wurden im Gegensatz zu Fadenwürmern (bis zu 20 Tage), Mäusen (2–3 Jahre) und Zebrafische (bis zu 7 Jahre) mit knapp über 120 Jahren viel älter. «Es würde schlicht und einfach den zeitlichen und damit auch den finanziellen Rahmen sprengen», erklärt der Experte auf Anfrage.

Geplant sei stattdessen, diverse Gesundheitsparameter wie Cholesterin oder den Blutzuckerspiegel in ihre Untersuchungen einzubeziehen, um Anhaltspunkte für den Gesundheitsstatus der Probanden zu erhalten.

So liefere die Studie neben wichtigen Anhaltspunkten im Alterungsprozess auch Erkenntnisse, wie Erkrankun-
gen im Alter, etwa Diabetes
oder Bluthochdruck, verhindert werden könnten.

Ristow ist der Meinung, dass es im Hinblick auf die ungünstige Demografie und die stetig steigende Lebenserwartung wichtig sei, die Phase gesunden Lebens auszudehnen und nicht, ein noch höheres, aber von chronischen Krankheiten geprägtes Lebensalter zu erreichen.

Die präventiven Massnahmen könnten die Lebensqualität von älteren Menschen erheblich steigern und gleichzeitig eine massive Senkung der Gesundheitskosten hervorbringen.

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