Und plötzlich war der Computer schön. 1998 präsentierte Apple den iMac, den ersten Computer, den man sich gerne auf den Bürotisch stellte: Runde Formen, bunte Farbtöne, transparenter Kunststoff, der den Blick auf das technische Innenleben der Maschine preisgab. Es war der erste grosse Wurf des britischen Designers Jony Ive, dem Steve Jobs sein unbedingtes Vertrauen aussprach, und der mitverantwortlich ist, dass Apple zu einem der einflussreichsten Unternehmen aufstieg.

Nach der Jahrtausendwende erfand Ive den Musikplayer mit dem iPod neu. Ein Bildschirm und ein einziges drehbares Rad mit Berührungspunkten reichten für eine intuitive Bedienung. Der Erfolg von Apple liegt im Design. Eine klare Linienführung, Liebe zum Detail, Reduktion auf das Wesentliche. Die Produkte des Tech-Konzerns sind unverkennbar. Das gilt natürlich auch für das iPhone, das der Konzern 2007 vorstellte, und unsere Vorstellung davon, was ein Mobiltelefon ist, für immer veränderte. Keine Knöpfe, dafür ein Touchscreen. Ive gab dem Gerät nicht nur eine ikonografische Form, sondern definierte auch neu, wie wir mit Technologie interagierten. Dem Designer geht es nicht nur um Optik, sondern immer auch um Funktionalität.

Design als Beitrag «für die gesamte Spezies»

Es ist deshalb konsequent, dass der Chefdesigner sich ab 2012 nicht mehr nur um die Hardware, sondern auch um die Software kümmerte. Die äussere Formgebung spiegelte sich fortan auch im Betriebssystem wider. Das ist auch bei der Apple Watch der Fall, die von Jony Ive designt wurde und 2014 auf den Markt kam. Er entwickelte die Krone der analogen Uhr zum Bedienelement der Smartwatch weiter, setzte aber – was anfänglich für Kritik sorgte – stets auf ein eckiges Zifferblatt. Die Zeit gab ihm recht. Längst ist die Apple Watch die meistverkaufte Uhr.

Letztes Jahr vollendete Ive den neuen UFO-artigen Campus von Apple. Ja, auch dafür zeichnete er als Designer verantwortlich. Letzte Woche kündete Ive und verkündete, dass er seine eigene Firma «LoveFrom» gegründet hat. Der Name geht auf eine Aussage Jobs’ zurück, wonach man alles, was man für Menschen mache, mit der grössten Liebe und Sorgfalt machen soll. Das gilt genauso für Menschen, die man nie trifft, für die man aber Produkte designt, mit denen sie sich täglich abgeben. Damit leiste man einen grossen Beitrag für die gesamte Spezies.

Einen grossen Kunden hat «LoveFrom» bereits: Apple. Jony Ive wird weiterhin mit dem Konzern zusammenarbeiten. Wir hoffen aber, dass er Zeit findet, auch die fünf unten genannten Produkte grundlegend zu überarbeiten. Sie hätten es bitter nötig.

Auto – Mit Liegestuhl und Bildschirm

Autos sehen schon seit der ersten langen Ausfahrt von Bertha Benz im Jahr 1888 von Mannheim nach Pforzheim immer etwa gleich aus: Vier Räder, eine Kabine obenauf mit Lenkrad. Darauf schwören die Kunden, kaufen sperrige SUVs statt windschlüpfriger Ökoautos. Im Zeitalter der selbstfahrenden Autos werden neue Konzepte mit neuen Fahrzeugen gefragt sein. Solche, die über Sensoren mit anderen Autos und Ampeln kommunizieren, die sich in eine gesteuerte Kolonne einreihen und Raum für einen Liegestuhl mit Blick auf einen Bildschirm bieten. (Kn.)

Elektrische Zahnbürste – Der klobige Griff muss weg

Wer hat die elektrische Zahnbürste erfunden? Die Schweizer, genauer die Aargauer. Die «Broxodent» der Walther AG war 1954 ihrer Zeit weit voraus. Denn trotz Ultraschall-Technologie sieht eine elektrische Zahnbürste 2019 immer noch aus wie eine «Broxodent». Klobiger Griff, weisser Plastik. Farbtechnisch ist man zwar mutiger geworden, aber Form und Funktion wird nicht 
angetastet. Bürsten in Form von Gebissabdrücken, die man über Nacht einsetzt und die dann dort, verbunden mit dem Smartphone, ihre Arbeit tun, konnten sich bisher nicht durchsetzen. (kaf)

Waschmaschine – So schön wie eine geliebte Kommode

Gibt es einen unästhetischeren Gegenstand als die Waschmaschine? Kein Wunder wird das Ungetüm in die hinterste Ecke des Kellers verbannt. Mal abgesehen davon, dass das Leben zu wertvoll ist, um sich mit hässlichen Dingen abzugeben, könnte auch der Platzmangel dazu führen, dass die Waschmaschine so gestaltet werden muss, dass man sie sich wie eine geliebte Kommode in die Wohnung stellen will. Die Voraussetzungen für einen grossen Wurf sind nicht schlecht: Eine runde Trommel ist was Schönes, und ein Schleudergang hat was Meditatives. (ras)

Rasenmäher – Hauptsache, schnittig

Um das Jahr 1830 erfand Edwin Beard Budding den ersten Rasenmäher – handbetrieben. Es ist nicht so, dass seither nicht einiges gegangen wäre in Sachen effizienter Rasenkürzung. Die letzte Innovation haben uns Roboter beschert, die wie Tierchen durch Gärten surren. Für die Biodiversität sind sie aber gar nichts. Wird also Zeit, dass jemand den kastigen, lauten Bezinmäher neu denkt. Obwohl: Das Ding steht im Gartenhäuschen, ist immer dreckig und hippe Städter besitzen eher keinen. Wird also noch eine Weile dauern, bis jemand damit einen Designpreis gewinnt. (kaf)

Fernseher – Ohne Knöpfe, dafür mit Eleganz

Die Elektronikindustrie spricht zwar schon lange vom Smart-TV. Doch trotz Spracherkennung kommen die Dinger noch immer mit einer Fernbedienung mit Dutzenden von Knöpfen zum Kunden. Wie ärgerlich! Und trotz verschiedener Verrenkungen und Trends (wie etwa der gebogene Curved-TV) bleibt im Wohnzimmer das grosse schwarze Loch an der Wand. Steve Jobs soll seinerzeit bei Apple an einem iTV gearbeitet haben. Marktreif wurde er allerdings nie. Bleibt zu hoffen, das Designer Jony Ive das Projekt auf eigene Faust abschliesst. (ras)