Nirgends wurde in den vergangenen Jahren mehr Elfenbein verkauft als in China. 70 Prozent des weltweit gehandelten Elfenbeins sind Schätzungen zufolge zuletzt in der Volksrepublik gelandet – mit verheerenden Auswirkungen auf den Elefantenbestand. Das soll sich nun ändern: Per 1. Januar hat die Regierung ein Versprechen umgesetzt und den Handel und Verkauf von Elfenbein verboten.

Zwar hat China bereits 1989 das Artenschutzabkommen Cites unterzeichnet. Seither ging angeblich nur noch sauberes Elfenbein über den Ladentisch – also solches von Elefanten, die vor 1989 gestorben waren. Doch den hübschen Figürchen und dem Schmuck ist nicht anzusehen, woher das Elfenbein stammt, aus dem sie geschnitzt wurden.

«Der legale Handel bot ein riesiges Potenzial für das Weisswaschen von illegalem Elfenbein», sagt WWF-Sprecherin Corina Gyssler. Der Preis für ein Kilogramm Rohelfenbein betrug in China zeitweise mehr als umgerechnet 2000 Franken, was den Rohstoff für den Schwarzmarkt höchst interessant machte. Und so stand China in den vergangenen Jahren in der Kritik, der grösste Absatzmarkt nicht nur für legales, sondern auch für illegales Elfenbein zu sein.

Stosszähne im Ausverkauf

Dies zeigte sich nochmals in den letzten Tagen des Jahres 2017: Auf den Pekinger Antiquitätenmarkt Liulichang strömten die Menschen für einmal nicht so sehr wegen der alten Möbel oder Qing-Vasen, für welche die traditionelle Künstlerstrasse normalerweise bekannt ist. Vielmehr drängten sie in die noch wenigen verbliebenen Geschäfte, die Elfenbein im Sortiment hatten.

«Alles muss raus», sagte Verkäufer Wang. Er bot ganze Elefantenstosszähne an, aber auch Elfenbeinstücke, auf die traditionelle Landschaften geschnitzt waren, es gab Armreife, Ohrringe und Trinkgefässe aus dem kostbaren Material. Wang bot Preisnachlässe von über 50 Prozent.

Schnitzereien und Schmuck aus Elfenbein gelten in China als Statussymbole. Wilderer in Afrika sind angesichts der hohen Nachfrage in Fernost heiss darauf, Elefanten zu erschiessen, um ihnen die Stosszähne herauszuschneiden. Hat es vor 20 Jahren noch mehrere Millionen dieser Dickhäuter auf dem afrikanischen Kontinent gegeben, sind es heute wahrscheinlich nicht einmal mehr 500 000. Jedes Jahr fallen rund 20 000 Elefanten der illegalen Jagd zum Opfer.

Entsprechend gross ist nun der Jubel unter Artenschützern. Es sei zwar davon auszugehen, dass der Schwarzhandel mit Elfenbein weitergehen werde, sagt Zhou Fei von der Tierschutzorganisation Traffic. Aber dass der Verkauf nun offiziell verboten ist, bezeichnet er dennoch als Meilenstein. Elfenbein gelte nun nicht mehr länger als prestigeträchtig. «Wenn es gelingt, den Handel in China zu stoppen, wäre das ein wichtiger Etappensieg für den Elefantenschutz», sagt auch Katharina Trump, Expertin für Wildartenkriminalität beim WWF Deutschland.

Bevölkerung freut sich über Verbot

Tatsächlich ändert sich das Tierschutzbewusstsein in China derzeit. Einer Umfrage im Auftrag von WWF und Traffic zufolge haben 45 Prozent der Befragten in der Vergangenheit schon einmal Produkte aus Elfenbein erworben. Eine grosse Mehrheit der Befragten befürwortet nun aber das Handelsverbot. 86 Prozent gaben an, sie fänden das Verbot des Handels mit Elefantenstosszähnen und -produkten als positiv.

Bis 2021 will auch Hongkong den Handel mit Elfenbein verbieten. Artenschützer befürchten aber, dass künftig Elfenbein aus Laos, Vietnam, Kambodscha und Myanmar nach China geschmuggelt wird.

Und Gefahr für die Dickhäuter droht auch aus einer anderen Ecke. Barack Obama hatte in seiner Amtszeit als US-Präsident die Einfuhr von Elfenbein und Trophäen anderer vom Aussterben bedrohter Tierarten in die USA noch verboten. Der aktuelle US-Präsident Donald Trump hob dieses Verbot Mitte November wieder auf. Erst auf Druck von Naturschützern machte er diese Entscheidung wieder rückgängig – und auch nur «vorläufig» wie er betonte. «Dieses Hin und Her ist ein falsches Zeichen», sagt Zhou Fei von Traffic. Die Wilderer würden sich bestätigt fühlen, ihre Jagd auch weiter fortzusetzen.

Innerhalb der Schweiz ist der Kauf und Verkauf von Elfenbein erlaubt, wenn die legale Herkunft mit Papieren nachgewiesen werden kann. Der Markt ist aber laut Corina Gyssler vom WWF Schweiz so klein, dass er nicht relevant ist für die weltweite Elefantenpopulation. Die Schweiz müsse aber durch verschärfte Zollkontrollen und den Einsatz an Artenschutzkonferenzen dazu beitragen, dass das Land nicht als Drehscheibe genutzt werde.