Es ist ein katholischer Feiertag. Doch sie bewegt sich nicht. Ich versuche es ein zweites Mal. Verstärke den Druck auf die Klinke. Es bleibt dabei. Nichts passiert. Ich überlege mir kurz, ob ich online eine Pushmeldung absetzen soll: „Schwaderloch macht dicht: nach fast allen Beizen nun auch noch die Kirche.“

Vielleicht etwas zu voreilig. Derart unreflektierte Püscher (selbst kreierter Plural von Push) stiften meistens nur unnötige Unruhe. Es gibt sicher einen guten Grund, weshalb die Schwaderlocher an diesem Morgen ihre Kirche verbarrikadiert haben. Vielleicht rinnt das Taufbecken und es besteht akute Ausrutschgefahr vor dem Altar. Vielleicht leidet die Orgel an Verstimmung. Vielleicht hat Frau Lüscher angerufen und gemeldet, dass die erste Sitzreihe langsam auseinanderbricht. Das wäre dann etymologisch genau genommen eine Bank-rott-erklärung. Wie auch immer. Auf der Internetseite von Schwaderloch ist unter der Rubrik Kirche Folgendes zu lesen: „Hier Angaben Kirche“. Und dann kommt ganz viel weisses Nichts. Also definitiv kein Grund, sich den Kopf darüber zu zerbrechen.

Trotzdem wende ich mich leicht besorgt an Jörg Meier. Er ist der Mann für solch knifflige Fälle. Der ehrenamtliche Schwaderloch-Beobachter hat das Dorf am Rhein mit seiner Kolumne „Meiereien“ in den kantonalen Fokus gerückt. Aufgedeckt, dass Schwaderloch überhaupt existiert. Dass es nur ein Schwaderloch gibt. Dass dieses eine Schwaderloch im oberen Fricktal liegt. Und dass Schwaderloch den Himmel auf Erden hat. Auch wenn der «Himmel» nur ein Waldstück hoch über dem Dorf ist.

Weiterhelfen kann er mir trotzdem nicht.  

Vielleicht mit ein Grund, wieso es ihm noch nicht zum Ehrenbürger gereicht hat. Immerhin ist Jörg Meier seit diesem Spätsommer Ehrenparkierer. Als Dank für seinen Einsatz als Festredner an der 700-Jahr-Feier hat ihm die Gemeinde drei Dinge geschenkt: ein Sackmesser mit Widmung, eine Mütze, und – eben – eine laminierte Parkkarte.

Vom „Himmel“ gibts hier keine Bilder. Auch nicht aus dem Innern der Kirche, aus bekannten Gründen. Aber die Auswahl sollte ausreichen, um sich endlich mal ein Bild machen zu können. Von Schwaderloch, dem beschaulichen Dorf an der deutschen Grenze. Mit uneingeschränktem Blick aufs Kernkraftwerk Leibstadt.

Nächster Halt: Anwil BL