Corona-Virus

Dringend gesucht: Medikamente gegen das Corona-Virus

Forscher auf der ganzen Welt suchen nach Impfstoffen und Medikamenten gegen das Corona-Virus.

Forscher auf der ganzen Welt suchen nach Impfstoffen und Medikamenten gegen das Corona-Virus.

Mit anti-viralen Medikamenten gegen das Corona-Virus: An der Universität Zürich werden dafür 5000 Wirkstoffe getestet.

Nicht nur an Impfstoffen gegen das neuartige Corona-Virus wird geforscht. Eine Hoffnung ruht auch auf anti-viralen Medikamenten, die aktuell ebenfalls nicht zur Verfügung stehen. Generell sind bis heute nur wenige Hemmstoffe gegen Viren klinisch getestet worden, wie Urs Greber, Professor für Molekulare Zellbiologie an der Universität Zürich, erklärt.

Das hat seinen Grund. «Es gibt sehr viele verschiedene Viren in Menschen und Tieren», sagt Greber. Und diese Viren wechseln den Wirt und verändern sich. Zudem entstehen schnell Resistenzen gegen diese Wirkstoffe. «Wir wissen deshalb nicht, welche Viren als nächstes auftreten werden.

Wir wissen nur, dass es wieder geschehen wird – und schon immer geschehen ist», sagt Greber. Deshalb ist es für die Forscher nicht einfach, zu bestimmen, wo sie bei dieser Wirkstoff-Forschung ihre Ressourcen am besten einsetzen sollen.

Neue antivirale Hemmstoffe suchen

Doch in dieser Krise seien antivirale Hemmstoffe auf breiter Basis nötig, um die Auswirkungen des Corona-Virus zu mindern, sagt Greber. Deshalb arbeitet der Experte für Vireninfektionen mit seinem Team unter Hochdruck daran, neue Wirkstoffe gegen Sars-CoV-2 zu testen. Und das mit einem weltweit einzigartigen Ansatz.

Um die Achillesferse des Corona-Virus zu treffen, testen die Zürcher Forscher 5000 bekannte chemische Wirkstoffe gegen eine für den Menschen ungefährliche Variante des aktuell zirkulierenden Sars-CoV-2. Dieses abgeschwächte Virus kennen die Forscher, weil Corona-Viren gemäss Greber häufig auftretende Erreger im Menschen sind und diese für die Tests gebrauchte Variante aus früheren Epidemien bekannt ist.

Ein Teil der zu testenden 5000 Wirkstoffe ist bereits gegen nicht-virale Erkrankungen beim Menschen getestet und zugelassen. Die Hemmstoffe werden nun in Kulturen menschlicher Zellen getestet. Mit einem Verfahren, das im Vergleich zu anderen schnell und umfassend ist und ohne Sicherheitsrisiko in den Labors der Universität Zürich gemacht werden kann.

In diesem Verfahren werden alle Schritte der viralen Vermehrung, also vom Eintritt des Virus in eine Zelle bis zu dessen Austritt und der Infektion der benachbarten Zellen gemessen. Dabei soll die besagte Achillesferse des Virus entdeckt werden.

Die Schritte der Virenvermehrung in einer infizierten Zelle und die Verbreitung auf die Nachbarzellen sind bei verschiedenen Coronaviren ähnlich. «Indem wir gewisse zelluläre Faktoren ausschalten, welche die Virenverbreitung beschleunigen, hoffen wir, bestimmte Hemmstoffe zu finden, die gegen viele Coronaviren wirken und wenige virale Resistenzen erzeugen», sagt Greber.

Zum einen werden die Wirkstoffe also getestet und zum andern die Schritte zur viralen Vermehrung untersucht. Mit seinem Verfahren hatte Greber bereits Erfolg. Er konnte damit aus rund 1200 chemischen Wirkstoffen, einen ausfindig machen, der Adenoviren hemmt. Auch das sind Atemwegsviren. Dieser Adenoviren-Hemmstoff wird nun klinisch getestet, um daraus irgendwann ein Medikament zu machen.

Ein Cocktail an Wirkstoffen gegen das Corona-Virus

Das hofft man auch mit den neuen Hemmstoff-Tests gegen das Corona-Virus zu erreichen. Greber erwartet, dass es einen Cocktail an Wirkstoffen brauchen wird, um den Erreger in den Griff zu bekommen. Bis Ende Jahr rechnet der Uni-Professor mit der Beendigung der Tests. Danach können die entdeckten Wirkstoffkandidaten am jetzt zirkulierenden, nicht abgeschwächten Sars-CoV-2, getestet werden – zunächst in Zellkulturen und dann gegebenenfalls klinisch.

Greber hat jetzt schon Favoriten unter möglichen anti-Corona-Hemmstoffen. «Die ersten klinischen Tests mit dem Wirkstoff Remdesivir sind in den USA und China bereits am Laufen.» Ein Versprechen sind auch noch nicht erprobte Mittel, die ansonsten gegen HIV und Hepatitis-C eingesetzt werden. «Auch eine passive Immunisierung mit Antikörpern aus geheilten Corona-Virus-Patienten ist ein Thema. Oder gar Hemmstoffe, die den Zelleintritt des Virus blockieren, werden getestet», erklärt Urs Greber.

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