Das «Biip» aus dem Smartphone hat einen ähnlichen Effekt wie ein Kind, das einen am Ärmel zieht: Man schaut hin.

Das Signal aus dem Handy reisst viele mitten aus einem Gespräch. Und wenn das Handy mal nichts von sich gibt, können es viele nicht lassen, Status-Updates der Facebook-Freunde, Nachrichten und Eilmeldungen aus aller Welt abzurufen – auch in Gesellschaft.

Jugendliche in der Gesellschaft sind süchtig nach ihrem Handy

Junger Australier lanciert Debatte

Die Unsitte, ständig auf dem Handy zu lesen und herumzutippen, während man mit seinem Gegenüber sprechen könnte, nimmt mit der Verbreitung des mobilen Internet zu. Viele Menschen empfinden dieses brüskierende Verhalten als gesellschaftlichen Sittenzerfall.

Nun gibt es dafür einen Begriff, der derzeit um die Welt geht: «phubbing». Das Kunstwort setzt sich zusammen aus dem Englischen «Phone» und «snubbing» (jemanden vor den Kopf stossen).

In die Welt gesetzt hat den Begriff der 23-jährige Australier Alex Haigh. Vor einem Jahr lancierte er die Kampagne «Stop Phubbing»; kürzlich aber erst fand diese Beachtung in australischen Blogs und Medien. Seither erhält Haigh Zuschriften aus aller Welt. Die Zahl der Zugriffe auf die zugehörige Website ist explodiert. Wegen Überlastung war sie zeitweise nicht mehr erreichbar.

Auch aktuell ist nur ein Bruchteil des satirischen Inhalts auf der Website zu sehen. Der Student aus Melbourne trifft mit der Kampagne den Nerv der Zeit. «Jeder hat schon mal diesen Moment erlebt: Du bist mit Freunden im Ausgang, und plötzlich zückt einer sein Handy – und du bist weniger interessant, als das, was er auf seinem Display sieht», sagte er in einem Interview.

«Phubber» am Pranger

Der Grossteil der Besucher auf der Website bezeichnet «phubbing» als nervig. Manche laden gar private Bilder von «phubbenden» Menschen hoch. Haigh erhofft sich durch die Kampagne eine grössere Sensibilisierung für das Thema.

«Phubbing» – übrigens schon mit eigenem «Wikipedia»-Eintrag – dürfte ebenso in den Sprachgebrauch eingehen wie vor wenigen Jahren der Begriff «sexting» (das Versenden von erotischem Bildmaterial des eigenen Körpers via MMS). Die neue Wortkreation eignet sich auch gut für Wortspiele: So bezeichnete sich ein australischer Radiojournalist im Interview mit Haigh selbst als «Mother-Phubber».