Ausstellung

Dieser riesige Ur-Hai ass sogar Wale: Sauriermuseum zeigt spezielles Skelett

Der Kiefer des Megalodons war gross genug, um kleine Wale zu packen.

Der Kiefer des Megalodons war gross genug, um kleine Wale zu packen.

Auf Zahnfühlung mit dem Riesenhai: Das Dinosauriermuseum Aathal zeigt das weltweit am besten erhaltene Skelett eines Megalodons.

Das Filmchen könnte von Disney stammen. Zumindest der Anfang. Herzige Tiere schwimmen durch eine bunte Meereslandschaft. Die Schildkröte scheint ein sorgloses Leben zu führen. Doch von hinten nähert sich ein Schatten. Ein paar Flossenschläge, und der Hai ist da. Zack, Schildkröte weg, Hai schwimmt davon, und ein paar Sekunden später erinnert nur ein auf den Meeresboden sinkender Haizahn an das grausame Schauspiel.

Ein Zahn, der es in sich hat. Denn die fiktive Szene, die in der gestern eröffneten Ausstellung «Haie der Urmeere» im Sauriermuseum Aathal gezeigt wird, spielt in der Urzeit – und der Zahn ist das, was Millionen Jahre später davon übrig geblieben ist. Vom Hai selber hingegen – Megalodon sein Name – finden wir höchstwahrscheinlich keine Überreste. Denn Haie sind Knorpelfische, ihr Skelett besteht nicht aus Knochen und versteinert deswegen nicht.

Das Sauriermuseum in Aathal (ZH) zeigt fossilisierte Megalodone

Das Sauriermuseum in Aathal (ZH) zeigt fossilisierte Megalodone

Dinosaurierausgraber und Museumsgründer Hans Jakob Sieber führt durch die Ausstellung.

Nur in ganz seltenen Fällen kommt es vor, dass sich bei einem alten Tier genügend Kalk im Knorpel angereichert hat, um eine Versteinerung zu ermöglichen. Wenn es nun zufällig mit einer Sedimentschicht zugedeckt wird, kann es zum Fossil werden. Und – in sehr seltenen Fällen – von Menschen gefunden werden.

Vom Megalodon, dem grössten aller Ur-Haie, der vor ungefähr zwanzig bis zwei Millionen Jahren die Meere unsicher machte, gibt es allerdings (mit Ausnahme von Zähnen) kaum Funde. Hans-Jakob Siber, Direktor des Sauriermuseums, sagt: «Meines Wissens gibt es weltweit nur ein einziges erhaltenes Megalodon-Teilskelett.» Und dieses war bislang der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Doch nun hängt es an der Wand im Sauriermuseum Aathal.

Rätselhafte Wirbel

Das Exponat besteht aus zwei Steinplatten. Auf der einen sind ungefähr drei Dutzend bis zu handtellergrosse Zähne kranzförmig um die Schädelplatte des Hais angeordnet. Diese Schädelplatte, so gross wie ein Autodach, lässt erahnen, welche Ausmasse der Megalodon hatte. 18 Meter lang konnten die Räuber der Urmeere werden, das entspricht der Länge einer Eisenbahn-Lokomotive oder von drei weissen Haien. Das Exemplar, dessen Überreste in Aathal gezeigt werden, war nicht ganz so gross, laut Sieber kam er auf zehn bis zwölf Meter Länge.

Der Megalodon erwacht zum Leben – zumindest auf der Kinoleinwand. Im neuen Film «The Meg» (ab August) treibt einer der für ausgestorben gehaltenen Riesenhaie sein Unwesen im Südchinesischen Meer. Der Menschheit einzige Hoffnung: Actionstar Jason Statham («The Transporter»), der im Film einen Rettungsschwimmer spielt. Der Trailer verspricht feinsten Trash mit spektakulären Effekten. «The Meg» gilt als eine der teuersten Zusammenarbeiten zwischen Hollywood und China. Da kann «Der weisse Hai» einpacken! Lory Roebuck

Jason Statham knöpft sich den Monsterhai vor

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Auf der zweiten Steinplatte ist eine Reihe von Wirbeln erkennbar, doch diese lassen die Experten stutzen. Sie sind schlicht zu klein, um zum Schädel zu passen. «Sie könnten von einem Beutetier im Magen des Megalodons stammen», erklärt Siber. Noch fehlt aber ein wissenschaftlicher Beweis für diese Theorie.

Das einzigartige Megalodon-Fossil stammt aus Peru, jenem Land, wo Sieber als junger autodidaktischer Paläontologe einst nach Überresten von Walen suchte und nebenbei auf Hunderte Haizähne stiess. Es ist kein Zufall, dass Haie und Wale an denselben Orten gefunden werden: Der Megalodon ernährte sich vorwiegend von Meeressäugern wie kleinen Walen und Robben. Diese Spezialisierung wurde ihm aber zum Problem, wie vor zwei Jahren eine Studie mit Beteiligung der Universität Zürich zeigte. Als sich eine Eiszeit anbahnte, liess das kühler werdende Klima viele Meeressäuger aussterben. Das Nahrungsangebot wurde knapp, durchsetzen im Gerangel um genügend Futter konnten sich kleinere, agilere Tiere wie der Schwertwal und der Vorfahre des Weissen Hais. Der Megalodon starb hingegen vor zwei Millionen Jahren aus.

Der Weisse Hai stammt übrigens nicht vom Megalodon ab, wie dies früher geglaubt wurde. Offensichtlich ist es zwei Millionen Jahre nach seinem Verschwinden schwierig festzustellen, in welche Gattung der Megalodon tatsächlich gehört. Es gibt ja kaum Hinweise, welche die Zeit überdauert haben, ausser eben die Zähne.

5000 Franken für einen Zahn

Diese Zähne sind es, denen der Megalodon seinen populären Artnamen verdankt: «odon» ist das griechische Wort für «Zahn» und «mega» bedeutet «gross». Im Eingangsbereich des Museums gibt es solche Zähne zu kaufen, knapp 300 Franken kostet ein kleinerer, gegen 800 ein grösserer. Noch grössere Exemplare seien bis zu 5000 Franken wert, erzählt Siber.

Es erinnert denn auch an Goldsucher, wenn in einem Video in der Ausstellung der amerikanische Taucher Pat McCarthy in einem trüben Fluss voller Alligatoren nach Haifischzähnen sucht. Mit Erfolg. Während in Aathal eine Rekonstruktion eines Megalodon-Gebisses ausgestellt ist – gross und einladend wie eine offene Tür – hatte McCarthy ein solches mit echten Zähnen zusammengestellt. Eines Tages aber war er allein auf Tauchgang und kam nicht mehr zurück.

Die Jagd nach Fossilien ist jedoch nicht per se gefährlich. Normalerweise sind die Jäger auch nicht mit Taucherausrüstung, sondern mit Hammer und Meissel ausgerüstet. Die meisten Exponate in Aathal stammen nicht aus Gewässern, sondern aus dem Gebirge in Libanon und aus der Region Solnhofen in Bayern, deren gelblicher Kalkstein vor einigen Jahrzehnten als Bodenplatten sehr populär war. In den Kalkschichten beider Regionen sind Details bis hin zur Hautstruktur der Haie erhalten geblieben.

Auch in der heutigen Schweiz trieben sich einst Haie herum – zur Zeit des Megalodon reichte ein Meeresarm bis zu uns. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, auch hier Haifischzähne zu finden. Wo das hinführen kann, zeigt sich an René Kindlimann, Freund und Nachbar von Hans-Jakob Siber und Grafiker des Sauriermuseums. Er hatte als 19-Jähriger einen ersten Haizahn gefunden, inzwischen besitzt er eine der grössten Privatsammlungen Europas. Der Ausstellung hat er nicht nur sein Know-how, sondern auch Stücke aus seiner Sammlung zur Verfügung gestellt.

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