Meine Arbeit ist auch mein Hobby», sagt Tierschützerin Vera Weber mit ernstem Gesicht. Sie sitzt am antiken Holztisch im Eingangsbereich der Wohnung, breitet ihren Laptop aus und blinzelt gegen das Licht. Hier lebt die Blondine mit Christian, ihrem Partner. Und hier arbeitet sie auch. Denn ihr Büro wenige Strassen weiter ist noch nicht fertig eingerichtet. Sie spricht leise, ruhig, überlegt und zeigt sich doch kämpferisch. «Manchmal habe ich Ausbrüche, dann erkennt man mich kaum wieder», lacht sie. Etwa dann, wenn es um den Stierkampf geht oder um die Robbenjagd in Kanada.

Überzeugte Vegetarierin

Die natürlich wirkende Vera Weber stand jahrelang im Schatten ihres Vaters Franz (86), dem wohl bekanntesten Schweizer Umweltaktivisten. Über 150 Kampagnen zur Rettung von Tieren, Landschaften und Kulturdenkmälern hat er initiiert. Heute steht sie aber an vorderster Front und ist die Kampagnenleiterin der Franz-Weber-Stiftung. Ihr Lebenspartner Christian arbeitet als Hotelier am Thunersee. Deswegen sehen sie sich nicht allzu oft. Das Kochen im Alltag übernimmt sie zwangsläufig selbst. Als überzeugte Vegetarierin isst sie mal einen Salat mit frischen Gurken, Tomaten oder einen Teller Pasta mit Gemüse. Im Sommer sitzt sie dann gerne auf das lauschige «Holz-Terrässli» mit Blick auf die Aare oder an den Tisch im Wohnzimmer, der gleichzeitig auch Bürotisch ist.

«Der Holztisch mit sechs passenden Stühlen ist ein Erbe meines Grossonkels», erzählt sie. Die schönen Möbel stammen aus dem Kanton Waadt. Überhaupt habe sie das Glück, praktisch alle Möbel in der Wohnung von ihren Grosseltern geerbt zu haben. Der antike Holzschrank, der im Eingangsbereich steht – ein Freiburger-Schrank – sei aber ein Geschenk von ihrem Vater. Einzig ein Ikea-Sofa hat sie mit Christian gekauft. Die drei Holzelefanten auf dem Tresen im Hintergrund hat sie von einer Reise mitgebracht.

Der Secret Garden

Weber legt grossen Wert auf gemütliches und gediegenes Wohnen. «Das hier ist mein Secret Garden», sagt sie. Sie liebe es, sich niederzulassen, die Seele baumeln zu lassen. Sie liebe es, in der Wohnung mit Farben zu spielen und die luftigen Räume aus dem 16. Jahrhundert immer wieder neu umzugestalten. Dann lacht sie erstmals so herzhaft, als würde sich ihr Herz öffnen. «Ja, es ist schon fast ein Hobby geworden, meine vier Wände immer wieder neu zu definieren und umzuräumen.»

Ansonsten ist ihre Arbeit ihr Hobby. Sie arbeitet fast Tag und Nacht, liest viel. Wenn Zeit da ist, neben Zeitungen und Akten auch Literatur, die im oberen Stock der Wohnung in einem Büchergestell aufgereiht ist. Es sind vor allem historische Romane und Fantasy-Bücher. Fantasy-Bücher? «Ja.» Weber lacht. «Ich bin ständig mit Tierquälereien konfrontiert oder stecke mitten im politischen Seilziehen im Zusammenhang mit der Zweitwohnungsinitiative. Dann lese ich Harry Potter – das hilft, abzuschalten.»

Künstlerische Ader

Vera Weber hat aber auch eine künstlerische Ader. Die aber seit einiger Zeit still gelegt. Vor elf Jahren malte sie ihr letztes Bild. Direkt neben dem Büchergestell im oberen Stock – den sie mehrheitlich als Sitzungszimmer braucht – steht eine Staffelei. Aufgestellt ist ein Bild mit viel Grün – der Titel des Bildes: «Baum der Traurigkeit.»

Ist Vera Weber ein fröhlicher Mensch? «Nein», sagt sie. Warum nicht? «Weil ich ein Skorpion bin. Ich bin eher ein trauriger Mensch. Denn die Natur und Tiere werden zerstört und die Schritte, um die Welt zu verändern, sind sehr klein.»

Deswegen möchte Weber bewusst auch keine Kinder. «Die Arbeit ist mein Kind. Und ich gestehe, ich hatte nie einen Kinderwunsch.» Für Vera Weber gibt es auf dieser Welt noch viel zu erledigen – ihre Wohnung gibt ihr Kraft weiterzukämpfen. Eine Mietwohnung zwar ohne echten Garten – dafür voller Fantasie.