Genfersee

Die verborgenen Schätze des Lac Léman

Der Genfersee bewahrt in seinen Tiefen viele dunkle Geheimnisse, im Bild ein Blick vom Aussichtspunkt Rochers de Naye oberhalb von Montreux.

Der Genfersee bewahrt in seinen Tiefen viele dunkle Geheimnisse, im Bild ein Blick vom Aussichtspunkt Rochers de Naye oberhalb von Montreux.

Tauchen im grössten See der Schweiz macht Angst und ist doch einmalig schön mit vielen spannenden Wracks. Ein Tauchgang zu den Wracks in Hermance an der Grenze zu Frankreich.

Hermance, ein 1000-Seelen-Dorf im Kanton Genf an der Grenze zu Frankreich. Das Dörfchen ist der Inbegriff schlechthin für einen Tauchgang im Genfersee.

Hier strömen an einem schönen Sommerwochenende bis zu 500 Taucher hin, um bei mehr oder weniger klarer Sicht die äusserst spannende Unterwasserwelt zu erkunden.

Fünf Schiffwracks sind in einem Umkreis von lediglich 50 Metern zu ertauchen. Inbrünstige Taucher verbringen hier auf dem Campingplatz gar ihre Sommerferien, um gleich mehrmals pro Tag abzutauchen.

Der Genfersee ist nicht nur in Hermance äusserst spannend zu ertauchen, viele sprechen von dem wenigsten entdeckten See überhaupt.

Kaum ein Gewässer in der Schweiz bewahrt in seinen Tiefen so viele dunkle Geheimnisse wie der Genfersee. Der Einstieg in Hermance fühlt sich daher etwas mulmig an.

Auf dem kurzen Weg ins Wasser kommen uns nasstriefende Taucher entgegen. Die Sicht? «Très bien», versprechen sie schmunzelnd.

Wir steigen neben vier anderen Tauchern ins Wasser, während ich mich frage: Was muss hier unten denn so speziell sein? Sind es bloss die Wracks? Noch nie zuvor habe ich an einem Tauchplatz derart viele Gleichgesinnte angetroffen.

Seltsamerweise begegnen wir unter Wasser nie einem Taucher. Wir lassen die Luft aus unseren Jackets und gelangen dank unseren Bleigurten schon bald auf eine Tiefe von 14 Metern. Hier trifft man auf einen Briefkasten, um daraufhin weiter auf 17 Meter abzutauchen.

Nach kurzer Zeit entdecken wir das erste kleine Wrack. Es ist übersät mit Muscheln, Barsche tauchen durch kleine Löcher im Wrack hindurch. Das Schiff zeigt sich in erstaunlich gutem Zustand, trotz unzähliger Besuche der Taucher.

Titanic vom Genfersee

Nicht alle Wracks, die auf dem Grund des Genfersees ruhen, sind für Taucher zugänglich. So erreicht der nebst dem Neuenburgersee grösste Schweizer See stellenweise Tiefen von über 300 Metern (siehe Box).

Dort unten liegt die «Titanic vom Genfersee», wie sie gerne genannt wird. Im November 1883, in einer stürmischen Nacht, kollidieren die beiden Schaufelraddampfer Cygne und Rhône.

Letzterer versank aufgrund eines Lochs innerhalb weniger Minuten. Zum vielversprechenden Namen kam die Rhône aufgrund einer Titanic-ähnlichen Szene, die sich auf den Schiffen abgespielt haben soll. So rettete ein frisch verheirateter Mann im Eifer des Gefechts nicht seine, sondern eine fremde Frau. Diese wollte er Gerüchten zufolge wieder über Bord werfen.

Zurück in Hermance: Auf dem Weg vom ersten zum zweiten Wrack trifft der Hobbytaucher auf spannende Details, die eigens für Taucher angelegt wurden.

Nebst einer Pferdestatue trifft man auf Verkehrsschilder oder Zeitpläne. Selbst ein Kalender mit erotischen Bildern von Frauen darf der Taucher unter Wasser bestaunen. Nach einer Linkswende steigen wir langsam auf 12 Meter hoch und treffen auf das dritte Wrack, bevor wir zurück in Richtung Einstieg tauchen.

Die Schwalbe im Tiefenwasser

Ein weiteres bekanntes Schiff in den Tiefen des Genfersees mit grosser Vergangenheit ist das Wrack der «Hirondelle», die Schwalbe, und ist für passionierte Taucher vor La Tour-de-Peilz im Waadt zugänglich.

Das Schiff sank 1862, weil es auf einen Felsen auflief. Der Bug des Schiffes beginnt auf 42 Meter Tiefe und das Heck befindet sich auf 60 Metern.

Das Schiff ist gut erhalten, weshalb viele Einzelheiten erkennbar sind. Aufgrund der Tiefe verzichten wir jedoch auf diesen Tauchgang.

Gefährlich ist dieses Erlebnis aber auch deshalb, weil nach wie vor an der Hirondelle geforscht wird, weshalb man hie und da auf Schläuche oder Kabel trifft. Aber auch gefährliche Netze und Ketten befinden sich beim Wrack.

Riffähnliche Flora und Fauna

In Hermance geniessen wir während unseres Aufstiegs die letzten fünf Meter Tiefe in wundervoller Flora und Fauna. Drückt man anspruchslos ein Auge zu, so dürfte man diese Stelle beinahe mit einem australischen oder ägyptischen Riff vergleichen.

Auch die Wassertemperatur nimmt von 14 auf über 20 Grad wieder fühlbar zu.

Nach 47 Minuten gelangen wir an die Oberfläche. Die genüssliche Ruhe unter Wasser ist vorbei. Die nächsten Taucher stürmen ins Wasser. Es bleibt ein letzter Blick über die wunderschönen Alpen.

Lesen Sie morgen: Der Vierwaldstättersee.

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