Nachhaltigkeit

Die Bettwäsche, die nie im Abfall landet

Von der Wiege zur Wiege: Auch Kissen und Decken werden in den biologischen Kreislauf zurückgeführt. HO

Von der Wiege zur Wiege: Auch Kissen und Decken werden in den biologischen Kreislauf zurückgeführt. HO

Fair produziert wird heute vieles. Mit bio hat das nichts zu tun. Das Label Cradle to Cradle garantiert, dass in Textilien keine Chemie steckt.

Seebach würde man nun nicht auf Anhieb mit Innovation und Ökologie in Verbindung bringen. Der Zürcher Stadtteil gilt auch nicht als besonders trendig. Aber genau dies sind die Ansprüche der Bettwäsche-Kollektion von Atelier Pfister mit diesen Namen. Obwohl sie ehrlich gesagt ziemlich neutral wirkt: Keine Muster, keine überflüssigen Verzierungen, schlichte Farben.

Von «No-Design» spricht Alfredo Haeberli, der die Kollektion entworfen hat. «Viel wichtiger bei dem Produkt ist die Philosophie, die dahintersteckt», betont der international renommierte Designer, der als Kurator für die Atelier-Pfister-Linie verantwortlich zeichnet. Und sie beinhaltet, dass die Kissen- und Duvetanzüge komplett biologisch abbaubar sind – vom Stoff aus Bio-Baumwolle über den Faden und das Etikett bis zu den Farbpigmenten und den Knöpfen aus Steinnuss.

Diese Philosophie hat auch einen Namen, sie heisst Cradle to Cradle – von der Wiege zur Wiege. Was so viel bedeutet, dass die Produkte nach ihrem Einsatz wieder komplett dem biologischen Kreislauf zugeführt werden und keinerlei Abfälle entstehen. Bereits seit 2017 verfolgt das Schweizer Einrichtungsunternehmen Pfister diesen Weg und hat damals als Weltneuheit Vorhänge nach diesem Prinzip auf den Markt gebracht.

Neben Pfister arbeitet auch der Unterwäsche- und Strumpfhersteller Wolford aus Bregenz an einer schadstofffreien Kollektion nach dem Prinzip Cradle to Cradle. Calida aus Sursee hat seit Ende letzten Jahres ein Shirt mit Stoff aus Zelulose, also aus Holz, im Programm. Auch Möbel werden bereits nach dem Nachhaltigkeitsgedanken gebaut, so führen USM Haller oder Giroflex erste Produkte.

Überall ist Chemie drin

So einfach ist es allerdings nicht, das begehrte Label zu erhalten. Es geht bei C2C, wie die vom Amerikaner William McDonough und dem Deutschen Michael Braungart entwickelten Philosophie auch genannt wird, nicht nur darum, den Verbrauch von Ressourcen zu minimieren oder effizienter zu produzieren. Es erfordert ein komplett neues Denken.

Denn herkömmliche Textilien sind zum Beispiel mehrfach chemisch ausgerüstet, selbst Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen, und alles andere als «bio». Also müssen sozusagen alle Herstellungsschritte neu erfunden werden, damit sie vollständig in neue Produkte übergehen können, wenn sie einmal überflüssig sein sollten. Das kostet Geld und braucht Zeit.

Rund 2000 Produkte weltweit dürfen derzeit das C2C-Label tragen, das in die Zertifizierungsgrade Basic, Bronze, Silber, Gold und Platin unterteilt wird. Darunter eine Bassgitarre, ein Badreiniger oder eine Trinkflasche. Bereits gibt es einen Onlineshop für C2C-Produkte: www.cradlelution.de.

Geht es vielleicht doch, nachhaltig zu sein und trotzdem nicht verzichten zu müssen? Damit der Cradle-to-Cradle-Kreislauf funktioniert, kauft Pfister übrigens die Bettwäsche – wie auch die Vorhänge – nach Gebrauch seinen Kunden wieder ab und entsorgt sie anschliessend für die fachgerechte Wiedereinführung in den biologischen Kreislauf.

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