Wer ist das populärste Haustier auf Instagram? Grumpy Cat? Falsch, die berühmte Katze wurde längst entthront. Sie liegt mit ihren 2,5 Millionen Followern nur noch auf Platz fünf. Der aktuelle Spitzenreiter hat dagegen fast 9 Millionen Follower. Es ist Jiff, auch bekannt als Jiffpom, wobei «Pom» die Abkürzung für «Pomeranian» ist, auf deutsch: Zwergspitz. Jiff gleicht einem Teddybär und verhält sich auch ungefähr so. Seine Spezialität: kuschlig aussehen. Er lässt sich einkleiden mit T-Shirt und Sonnenbrille. Ach ja, und er hält zwei Weltrekorde fürs Gehen auf zwei Beinen, jenen für die schnellsten zehn Meter auf Hinterbeinen und jenen für die schnellsten fünf Meter auf Vorderbeinen.

Spektakulär ist das nicht im Vergleich zu den Katzen, die in Videos Laserpointern hinterherjagen, Trinkgläser zu Boden werfen, sich von neben ihnen liegenden Gurken halb zu Tode erschrecken lassen. Im Vergleich zu Katzen sind die Hunde in den sozialen Medien ziemlich brav. Während Grumpy Cat miesepetrig in die Welt blickt, hechelt Jiff mit heraushängender Zunge harmlos in die Kamera.

Niemand hat derzeit so viele Follower auf Instagram wie Jiff the Pom.

Niemand hat derzeit so viele Follower auf Instagram wie Jiff the Pom.

Und Jiff ist nicht der Einzige. Auf Platz zwei der vierbeinigen Instagram-Stars folgt zwar die Katze Nala, doch der Dritte auf dem Podest ist bereits wieder ein Hund: Doug der Mops, der ebenfalls nicht viel mehr tut, als sich einkleiden zu lassen. Insgesamt sind in den Top Ten der Haustiere auf Instagram sechs Hunde zu finden sowie ein zahmer Fuchs, der biologisch ebenfalls zu den Hunden zählt. Katzen haben es dagegen nur drei in die Top-Ränge geschafft. Das ist ein auffälliger Wandel gegenüber früheren Jahren, in denen die sozialen Medien von Katzen geprägt waren.

Weg von der Nerd-Prägung

«Hunde haben das Internet übernommen», titelte die «New York Times» deshalb kürzlich in einem Video. Und lieferte eine Erklärung dazu: Katzen verkörpern das Chaos, ohne dabei ernsthaften Schaden anzurichten. Sie passten deshalb zu jenen Jahren, in denen das Internet als anarchische Spielwiese für allerlei schräge Aktivitäten fernab realer Sorgen betrachtet wurde. Hunde, die gehorsam und gelehrig die Befehle ihrer Besitzer ausführen, widerspiegeln dagegen den aktuellen Trend des Internets zu aufgeräumten, übersichtlichen Websites, die den Menschen zu Dienste stehen.

Zur Abwechslung ein paar lustige Katzen im Video:

Youtube/Tiger Productions

Der deutsche Internetsoziologe Stephan Humer hält diese Erklärung für plausibel. «Das Phänomen passt zu Aspekten, die mir in anderen Zusammenhängen aufgefallen sind», sagt er. «Die Katzeninhalte kamen in den frühen Jahren des Internets auf, als dieses noch von einer Nerdkultur geprägt war.» Diese technikaffinen Menschen hatten alle eine ähnliche Prägung, sodass im Netz eigene kulturelle Phänomene entstehen konnten, fern von Behörden und anderen Autoritäten. Bei ihnen war das konservative, treue Image der Hunde nicht angesagt. Inzwischen nutzen dagegen sehr viele Menschen das Internet, welche die Ideen der frühen Digitalkultur nicht mehr teilen. Das Internet ist Mainstream geworden und hat sich gelöst von der kulturellen Prägung durch Nerds.

Weniger Google-Suchen nach «funny cat»

Humer vermutet aber auch, dass sich viele Internetnutzer schlicht sattgesehen haben an Katzenvideos. «Wer sich seit Jahren im Netz tummelt, hat alle Arten von Katzeninhalten schon mal gesehen», sagt er.

Dies passt zu den Zahlen zu Suchanfragen, die Google erfasst. Die Suchen nach dem Begriff «funny cat» nehmen seit ungefähr 2016 kontinuierlich ab. Diejenigen zu «cute dog» nehmen dagegen nach wie vor zu und haben Ende 2017 die Katzen überholt.

Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Denn trotz der beeindruckenden Instagram-Anhängerschaft: Wer kennt hierzulande schon den Zwergspitz Jiff? Er hat bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad von Grumpy Cat. Das trifft sich mit der Erfahrung des Videoteams beim Schweizer Newsportal Watson. Noch immer seien Katzen die Königinnen der Onlinevideos, heisst es dort. Doch Hunde seien am Aufholen.

Eines jener Videos, die mit Hunden punkten, ist dasjenige der Sängerin Katy Perry zum Song «Dark Horse». Pferd kommt darin keines vor, Katze ebenso wenig, obwohl das Video vom alten Ägypten inspiriert ist, wo Katzen eine wichtige Rolle spielten. Es ist vielmehr Jiff höchstpersönlich, der bei der Starsängerin einen Auftritt hat. Er tut, was er am besten kann: herzig aussehen und auf Hinterbeinen gehen. Das Video wurde über zwei Milliarden Mal angeklickt.