Erbgut

Dicke Männer, dicke Kinder - wie überflüssige Kilos vererbt werden

Männer, die ihr Bäuchlein sonnen. (Archiv)

Männer, die ihr Bäuchlein sonnen. (Archiv)

Die Spermienqualität dicker und dünner Männer unterscheidet sich. Und: Väter können überflüssige Kilos an ihre Kinder vererben. Das berichten dänische Forscher.

Zu viele Kilos sind schlecht für die Gesundheit. Für die Gelenke, den Stoffwechsel, den Blutdruck – und nicht zuletzt fürs Auge. Nun haben dänische Forscher offenbar herausgefunden, dass Übergewicht auch der Fortpflanzungsfähigkeit schadet.

Sie wollten testen, ob sich die Qualität der Spermien von übergewichtigen und normalgewichtigen Männern unterscheidet. Dafür gaben 23 Männer zwischen 20 und 40 Jahren eine Spermienprobe ab. Die Forscher untersuchten die Samenzellen von 13 Schlanken und zehn Dicken (BMI, Body-Mass-Index von über 29,7) auf sogenannte «epigenetische Marker».

Die Epigenetik beschäftigt sich mit der Frage, welche (Umwelt-)Faktoren die Aktivität eines Gens beeinflussen und damit die Entwicklung der Zelle festlegen.

Tatsächlich gab es Unterschiede der «dicken» und der «dünnen» Gene, beispielsweise in der Bildung bestimmter regulatorischer DNA-Schnipsel, welche die Aktivität von Genen hemmen oder steigern.

Abweichungen gab es vor allem bei Genen, die zuständig sind für die Steuerung des Appetits: Die Wissenschafter fanden heraus, dass das Übergewicht des Vaters über Änderungen der Genaktivität auf die Kinder vererbt werden kann. Übergewicht verändert das Erbgut in den Spermien eines Mannes.

Dicke Männer besitzen andere Markierungen an den DNA-Molekülen ihrer Spermien als schlanke, so die Forscher im Fachblatt «Cell Metabolism».

Noch seien weitere Untersuchungen nötig. Werden die Ergebnisse bestätigt, müssten Männer lange vor einer geplanten Vaterschaft an ihrem Verhalten und ihren Gewohnheiten arbeiten. Dafür würden sicherlich auch die werdenden Mütter einstehen.

Wird doch normalerweise vor allem den Frauen nahegelegt, sich während der Schwangerschaft gesund zu ernähren. Nur gerecht, dass auch das Essverhalten der Väter einen grossen Einfluss auf die Gesundheit des Kindes und dessen Entwicklung hat.

«Jetzt muss man sich auch verstärkt um die Gesundheit der Väter vor der Empfängnis kümmern», erklärt Ida Donkin, eine der Forscherinnen.

Früher hatte diese Vererbung durchaus einen Vorteil. Sie ist wohl ein Überbleibsel der Evolution: «Erst seit kurzem ist Übergewicht kein Vorteil mehr», erklärt der Wissenschafter Romain Barrès.

«Noch vor einigen Jahrzehnten war die Fähigkeit, Energie zu speichern, von Vorteil, um Infektionen und Hungerszeiten zu überstehen.»

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