Jagdgesetz

Der Wolf kommt vors Volk - die Gegner des Gesetzes fürchten um den Schutz des Tieres

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Das Referendum gegen das revidierte Jagdgesetz ist zustande gekommen. Der Trägerverein sieht unsere Wildtiere in Gefahr.

Nach nur eineinhalb Monaten ist mit 70 000 Unterschriften gegen die vom Schweizer Parlament beschlossene Revision des Jagdgesetzes das Referendum zustande gekommen. Das Volk wird nun wohl im kommenden Mai darüber abstimmen.

Am neuen Jagdgesetz haben die Naturschutzorganisationen einiges zu beanstanden. Träte es in Kraft, könnten geschützte Arten wie der Wolf in Zukunft schon zum Abschuss frei gegeben werden, bevor sie überhaupt einen Schaden angerichtet haben. Das sei völlig unverhältnismässig, sagt Urs Leugger-Eggimann, Zentralsekretär Pro Natura und Präsident des Trägervereins für das Referendum. Zum Zweiten könnte der Bundesrat weitere geschützte Arten auf die Abschussliste nehmen. Also den Luchs, den Biber oder den Fischotter, sollte er dereinst wirklich zurückkehren.

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Als drittwichtigsten Mangel sieht Leugger die Veränderung der Kompetenzen, was die Regulierung einer geschützten Tierart betrifft. Sie liegt momentan beim Bund. Nach dem revidierten Jagdgesetz läge die Kompetenz, den Abschuss zu erlauben, bei den Kantonen. Der Schutz wäre nicht mehr national geregelt, sondern kantonal. Wölfe halten sich nicht an Kantonsgrenzen, eine solche Regelung ergebe keinen Sinn. Einheitlicher Umgang mit einer Tierart sei nicht mehr gewährleistet, sagt Leugger.

Der Wolf dürfte womöglich auch in Wildtier-Schutzgebieten geschossen werden, so Leugger. Weiter erschwerend ist, dass mit dem neuen Jagdgesetz auch Einbussen bei der Jagd als Grund für eine Regulierung angeführt werden könnten. Das bedeutet, dass die Jäger Wolf und Luchs dezimieren dürften, weil sie nach deren Gusto zu viele Hirsche und Rehe erlegten.

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Verbesserungen für den Artenschutz in der Schweiz

Urs Leugger-Eggimann hofft, dass das Volk dem Referendum gegen das Jagdgesetz zustimmt, damit es in einer neuen Revision verbessert werden und dem Artenschutz dienen könne. Es sollte zum Beispiel der Abschuss einiger gefährdeter ungeschützter Arten, wie der Feldhase, die Waldschnepfe, das Birkhuhn und das Alpenschneehuhn, verboten werden.

Verboten werden sollte im neuen Jagdgesetz auch die Bleimunition. Spuren von Blei finden sich in Steinadlern und Bartgeiern.

Die Wolfsdiskussion wird im Frühling also die Schweiz erfassen und manche an Märchen aus ihrer Kindheit erinnern. Doch im 20. Jahrhundert ist in Europa und Nordamerika kein einziger Mensch wegen eines Wolfs ums Leben gekommen, durch Hunde schon. Die Informationsstelle Kora des Bundes schreibt: In Europa und in Nordamerika seien kaum Verletzungen von Menschen durch Wölfe bekannt. «Ein einziger Fall – ein Angriff auf zwei Kinder in Spanien – ist tödlich ausgegangen, wobei nie mit Sicherheit geklärt wurde, ob der Angreifer ein Hund oder ein Wolf war. Bei den Angriffen durch Wölfe handelte es sich fast immer um tollwütige oder in die Enge getriebene Tiere.»

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In Kanada, wo über 60000 Wölfe leben, ist gemäss Kora kein einziger Fall bekannt, bei dem ein gesunder Wolf spontan einen Menschen angegriffen hätte. In Italien ist der Wolfsexperte Luigi Boitani den Gerüchten über Wolfsangriffe während 20 Jahren nachgegangen und fand keinen einzigen Beweis, dass ein Wolf einen Menschen verletzt hätte.

Die Sorge in der Schweiz gilt allerdings nicht dem Menschen, sondern den Schafen, die, falls sie eine leichte Beute darstellen, nicht verschont werden.

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