Hoop Dance

Der Reifen als Fitnessstudio: Hula Hoop ist wieder «in» – diese Schweizerin zeigt wieso

Reni Hardmeier hat ihr Leben dem Hula Hoop verschrieben. Sie hat den Tanz mit den Reifen in der Schweiz populär gemacht.

Es ist nur ein Reifen. In Reni Hardmeiers Händen wird er lebendig, um ihre Hüfte beginnt er zu schwingen. Hypnotisierend wirbelt sie ihn um Oberkörper, Knie, über den Kopf. Fast scheint er vor ihr zu schweben – ehe sie ihn in rasender Geschwindigkeit von einer Seite zur anderen jagt.

Die 40-jährige Zürcherin hat die Hula-Hoop-Szene in der Schweiz mitbegründet. Sie war eine der ersten, die hierzulande die als Kinderspielzeug verschrienen Reifen neu entdeckte.

Dieses Reifenspiel grenzt an Kunst – Reni Hardmeier beim Hoopen:

«Ich litt vorher unter starken Rückenschmerzen», sagt die zierliche Frau mit den blau-grünen Augen. Im Garten einer Bekannten stiess Hardmeier 2006 auf einen Reifen aus den USA – grösser und schwerer als diejenigen, die bis anhin in der Schweiz erhältlich waren. «Ich war immer sehr sportlich, aber Hula Hoop konnte ich schon als Kind nie. Mein Ehrgeiz war geweckt.» Hardmeier begann den Reifen um ihre Taille zu kreisen. Und übte, bis er nicht mehr zu Boden fiel. Die schnellen Erfolgserlebnisse motivierten sie. Auch ihr gesundheitlicher Zustand verbesserte sich: «Meine Rückenschmerzen verschwanden mit dem Hula-Hoop-Training.»

Die gelernte Optikerin setzte voll auf ihr Hobby – heute lebt sie davon. Hardmeier bietet Hoop-Kurse an, verkauft Reifen und raubt dem Publikum an Shows mit ihrem spektakulären Reifenspiel den Atem. «Hula Hoop hat mein Leben verändert», sagt sie.

Das ist Off-Body-Hooping: Reni Hardmeier zeigt ihre Reifenkünste beim lockeren Training im Park

Das ist Off-Body-Hooping: Reni Hardmeier zeigt ihre Reifenkünste beim lockeren Training im Park

Mehr als ein Kinderspielzeug

Die Anfänge des Holzreifens liegen weiter zurück: Bereits die Kinder der alten Ägypter sollen sie mit Stöcken vor sich hergetrieben oder um ihre Hüften geschwungen haben. Die ersten Reifen aus Kunststoff kamen Ende der 50er auf den Markt – und avancierten zum Kassenschlager: Innerhalb von vier Monaten verkaufte der US-amerikanische Spielzeugproduzent WHAM-O 1957 25 Millionen Hula Hoops. WHAM-O gab dem Reifen seinen heute charakteristischen Namen: Hula für den hawaiischen Tanz und Hoop aus dem Englischen für Reifen.

Seit der Jahrtausendwende erlebt Hula Hoop in der westlichen Welt eine Renaissance. Längst ist der Reifen kein einfaches Kinderspielzeug mehr. In Fitnessstudios oder zuhause wird mit grossen, schweren Reifen, teils mit Massagenoppen, gegen überschüssige Pfunde gekämpft.

Anders die «Modern Hoop Dancers», zu denen sich auch Hardmeier zählt. Die Hoopers liessen sich von den Tänzen indianischer Stämme inspirieren. Der Reifen steht dort für den nie endenden Kreislauf des Lebens. Der Hoop-Tanz soll dem Glaube zufolge die Kraft von heilenden Zeremonien stärken. Ein indigener Reifentänzer kreiert mit bis zu 30 Reifen statische und dynamische Formen und Gestalten, während er sich zur Musik bewegt. Um Menschenmassen in ihre Dörfer zu locken, veranstalteten die indianischen Stämme in den 90ern Hoop-Wettkämpfe. Die spektakulären Shows verfehlten ihre Wirkung nicht: Bald schon fanden sich in ganz Nordamerika Nachahmer. Durch Einflüsse aus der rhythmischen Sportgymnastik, Hip Hop oder Poi entwickelte sich der moderne Reifentanz.

Viele Hoopers inszenieren sich in den sozialen Medien oder auf Youtube. Google liefert fast 55 Millionen Ergebnisse zu «Hoop Dance Videos». Wie viele Anhänger die Hoop-Szene hat, ist nicht bekannt. Allein in der Schweiz ist dies laut Hardmeier schwierig zu erfassen, da sie sich meist regional gruppieren. Oder privat üben. 

Im Netz, an Festivals oder organisierten Treffen tauschen sich Hoopers aus. Kommendes Wochenende in Wetzikon. Bereits zum achten Mal organisiert Reni Hardmeier die Hoop Convention «Get The Ring». 60 Teilnehmer und 10 nationale wie internationale Lehrer werden gemeinsam zum Reifen greifen. Am Samstagabend, dem Höhepunkt des Wochenendes, laden die Hoopers zu einer Gala-Show, wo sie ihre Artistik unter Beweis stellen.

Der Reifen – ein ganzes Fitnessstudio

Mit dem Reifen kann Reni Hardmeier jeden Muskel ihres Körpers trainieren. «Der Hoop ist mein ganz persönliches Fitnessstudio», sagt sie. Die Zürcherin unterrichtet in der Regel Kursteilnehmer zwischen 25 und 50 Jahren. Aber auch jüngere und ältere finden den Weg zu ihr. Hardmeier lächelt, als sie von einer 73-jährigen Seniorin erzählt. «Hula Hoop kann jeder lernen.»

Eine der berühmtesten Hooperinnen weltweit: Lisa Lotti tanzt mit sechs LED-Reifen:

Gemäss einer US-amerikanischen Studie werden beim Hoopen bis zu 210 Kilokalorien während einer halben Stunde verbrannt. Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass Hooping eine «exzellente» Form des Trainings sei, die die Flexibilität und Balance verbessern könne, während die Muskeln gestärkt würden. Die rhythmischen Bewegungen seien zudem beruhigend und hätten einen fast meditativen Charakter. 

Die Erkenntnisse der Studie decken sich mit Hardmeiers Erfahrung. «Es ist nicht nur ein Training, sondern gleichzeitig auch eine Art Ruheoase, wo ich geistige Entspannung finde.»

Auch nach knapp 14 Jahren ist Reni Hardmeier noch nicht Hoop-müde. Immer wieder entdeckt sie neue Arten, den Reifen um ihren Körper zu wirbeln. Meist über Unfälle beim Hoopen. Unfälle, die zu Tricks werden. Hardmeier lächelt: «Hooping macht einfach glücklich.»

So basteln Sie sich Ihren eigenen Hula Hoop:

Hula Hoop Convention 2019 Get The Ring Vol. 8: 27.-29. September in Wetzikon. Der Eintritt für die Gala-Show am Samstag kostet 15 Franken.

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