Secondhand

Der Kleiderschrank wird zur Goldgrube: So lassen sich alte Klamotten schnell weiterverkaufen

Auf Depop präsentieren und verkaufen vor allem junge Frauen gekonnt ihre Kleider.

Auf Depop präsentieren und verkaufen vor allem junge Frauen gekonnt ihre Kleider.

Kleider wegwerfen war gestern. Heute wird aus dem übervollen Kleiderschrank ein Geschäft gemacht. Für jeden Secondhand-Typ gibt es mittlerweile die perfekt kuratierte Website.

Vanessa Ravasio ist eine hübsche Tessinerin. Sie mag Mode. Zeigt sich in bauchfreien, sportlichen Tops, dazu hochgeschnittenen Jeans und Vans- Turnschuhe. Nichts Aussergewöhnliches für eine 17-Jährige. Aussergewöhnlich ist eher, dass man ihr das alles abkaufen kann. Für 5 bis 25 Franken, secondhand. Für drei Franken Porto verschickt sie es in die Schweiz, für sieben Franken in die Welt.

Die Tessinerin ist eine von 16 Millionen meist jungen Frauen, die über die App Depop den Inhalt ihrer Kleiderschränke zu Geld machen wollen. Dafür inszenieren sie die Outfits, wie sie es auf Instagram gelernt haben: mit Style, Filter und flachem Bauch.

Dafür gibt es Likes und auch mal einen Verkauf. 50 Verkäufe sind es bei Vanessa Ravasio, dafür gibt sie jeweils 10 Prozent Provision an die Plattform ab. 478 Leute haben ihre Seite abonniert. Damit ist die Schweizerin ein sehr kleiner Fisch im grossen Secondhand-Meer.

Aus dem Schlafzimmer ein ­Modeimperium aufbauen

Die bekannteste Depop-Verkäuferin, ist die Amerikanerin Isabella McFadden alias iGirl. Ihr folgen auf der Plattform 593000 Menschen, fast 34000 Verkäufe hat sie bislang generiert. Die 23-Jährige präsentiert ganze Outfits, die sie aus den Brockenhäusern in Los Angeles zusammenkauft und weltweit verschickt. Das meiste im angesagten 90-Retro-Techno-Stil. Nach eigenen Angaben generiert sie damit einen Jahresumsatz im sechsstelligen Bereich und hat eine eigene Kleidermarke gegründet. Getreu dem Depop-Slogan:

2011 gegründet, ist das britische Unternehmen eine grosse Erfolgsstory: Mehr als 16 Millionen Nutzer verzeichnet die Plattform. Auch in der Schweiz wird das Portal vor allem bei der Generation Z immer beliebter. Ihnen ist Nachhaltigkeit wichtig, aber auch Mode und eine Community und sie sind sich gewohnt, alles auf einen Klick im Internet zu finden.

Das Brockenhaus im Dorf kann mit 156 Milliarden nach persönlichen Stilvorlieben gefilterten Artikeln nicht mithalten. Dass weltweit noch viel mehr kaum gebrauchte Kleider in den staubigen Ecken der Schränke liegen, haben auch andere Unternehmen erkannt.

Vestiare Collective hat sich auf Designer-Teile  aus zweiter Hand  spezialisiert.

Vestiare Collective hat sich auf Designer-Teile aus zweiter Hand spezialisiert.

Das Geschäft mit Vintage-Kleidern aller Preissegmente ist vor allem in den USA das nächste grosse Ding. Gemäss dem Datenanalyse-Unternehmen Global Data soll der weltweite Umsatz an Kleidung aus zweiter Hand bis 2023 von 28 auf 51 Milliarden Dollar und der Secondhand-Markt von Luxusgütern gar um ein Mehrfaches des Firsthand-Marktes wachsen.

Und der Hype von Depop zeigt, dass sich auch günstige Mode, richtig kuratiert, problemlos wiederverkaufen lässt. Es beruhigt das Gewissen auch sehr angenehmen, wenn man weiss, dass der nächste Fehlkauf nicht im Kleidersack, sondern auf einer Resell-Plattform landen könnte.

Selber verkaufen, verkaufen lassen oder nur einschicken

Neben Depop buhlen grosse und finanzstarke Plattformen wie Poshmark, Thredup (beide USA), Rebelle, Kleiderkreisel (beide Deutschland) und Vestiare Collective (Frankreich) um Anteile am weltweiten Resell-Markt.

In den USA machen Frauen via der App Poshmark ihre alten Kleider zu Geld.

In den USA machen Frauen via der App Poshmark ihre alten Kleider zu Geld.

Dabei hat jedes Unternehmen eine eigene Nische gefunden. Bei Thredup, für das aktuell Schauspielerin Emma Watson Werbung macht, kann jeder seine gebrauchten, sauberen Kleider einschicken. Diese werden sortiert, fotografiert und online gestellt. Werden sie verkauft, erhält die Vorbesitzerin eine kleine Provision. Den Preis bestimmt jedoch Thredup

40'000 neue Teile schaffen es jeden Tag auf die Seite. Künftig dürften es noch mehr werden: Thredup plant Kooperationen mit Kaufhäusern mit grossen Modemarken, die in den Resell-Markt einsteigen wollen. Poshmark und Kleiderkreisel hingegen funktionieren ähnlich wie Depop, richten sich aber an etwas ältere Kundinnen ohne Selbstinszenierungstrieb. Vestiare Collective und Rebelle haben sich auf Designer-Kleider spezialisiert.

Instagram überlegt sich derweil eine Shopping-Funktion einzubauen und H&M und Zalando wollen eigenen Secondhand-Boutiquen eröffnen. Das Kleiderkarussell dreht sich gewohnt schnell weiter. Gut möglich, dass unsere Kleider darauf künftig ein paar (nachhaltige) Runden mehr kreisen.

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