Fotoblog

Kleiner Schwatz im Vollmondlicht

Hyazinth-Aras sind mit einer Länge von rund einem Meter die grösste aller Papageienarten.

Hyazinth-Aras sind mit einer Länge von rund einem Meter die grösste aller Papageienarten.

In unserem Fotoblog zeigt Reise- und Naturfotograf Rudolf Hug aussergewöhnliche Bilder mit ihren Geschichten dazu. Teil 60 mit einer Szene aus einem Wald an der finnisch-russischen Grenze.

Hyazinth-Aras sind mit einer Länge von rund einem Meter die grösste aller Papageienarten. Ihr Gefieder ist kobaltblau, nur die Stellen um den Schnabel und die Augen sind leuchtend gelb. Sie leben in Südamerika und sind laut der Roten Liste vom Aussterben bedroht – es gibt nur
noch etwa 3000 Exemplare. Die zunehmende Rodung der Wälder für die Landwirtschaft, aber auch die Vorliebe von Vogelzüchtern auf der ganzen Welt machen ihnen zu schaffen.

In der Umgebung der Fazenda Barranco Alto im Pantanal in Brasilien gibt es aber noch eine grosse Population dieser prächtigen Tiere, da die Acuripalme im Umfeld der Lodge weit verbreitet ist. Die Nüsse dieser Palme sind die Hauptnahrung dieser prächtigen Vögel. Ich bin mit Lucas unterwegs, um im Lichte des Vollmonds nach nachtaktiven Tieren zu suchen.

Es ist kein gewöhnlicher Vollmond, sondern ein «blauer Mond». Das hat nichts mit seiner Farbe zu tun, sondern mit dem seltenen Ereignis, dass es in diesem Monat der zweite Vollmond ist. Normal sind Papageien um diese Zeit ruhig und melden sich erst wieder in den frühen Morgenstunden. Dieses Paar ist trotzdem im hellen Licht des Vollmonds unterwegs und hält einen kleinen, dennoch lauten Schwatz.

Der bärtige Muscheltaucher mit grossem Hunger

Bis zu 50 Kilogramm Muschelfleisch frisst ein Muscheltaucher-Bulle pro Tag.

Bis zu 50 Kilogramm Muschelfleisch frisst ein Muscheltaucher-Bulle pro Tag.

Im hohen Norden der Arktis zu fotografieren, ist ein besonderes Privileg. Im Sommer geht die Sonne nie unter und die Lichtstimmung wird gegen Mitternacht fast mystisch, wenn die Sonne tief am Horizont steht.

Ich bin auf einem Schiff nördlich von Spitzbergen, auf der Suche nach Eisbären. Eine Schlechtwetterfront zwingt uns, nach Süden zu fahren und in einer Bucht der Inselgruppe «Sieben Inseln» Schutz zu suchen.

Das Wetter hier ist besser und wir nutzen die Zeit, um mit dem Schlauchboot nach Walrossen Ausschau zu halten. Walrosse sind grosse Robben und zeichnen sich durch ihre riesigen Stosszähne sowie den Borstenbart aus. Sie werden etwa drei Meter lang und Männchen können über eine Tonne wiegen. Umso erstaunlicher ist ihre Diät, die hauptsächlich aus Muscheln besteht, gelegentlich ergänzt durch Tintenfische, Schnecken und Krabbentiere.

Mit ihren Flossen oder ihrem Borstenbart wühlen sie die Muscheln am Meeresboden auf und öffnen sie geschickt zwischen ihren Lippen. Bis zu 50 Kilogramm Muschelfleisch frisst ein Bulle pro Tag. Nach kurzer Suche finden wir dieses schöne Exemplar, halten aber Distanz, um ihn bei seiner mühseligen Arbeit nicht zu stören.

Ein Wald als Bärenland – der Winter kann kommen

Ein Braunbär trottet dorthin, wo ein Guide Lachse ausgelegt hat.

Ein Braunbär trottet dorthin, wo ein Guide Lachse ausgelegt hat.

Es ist Herbst, als mich ein Guide im Niemandsland entlang der finnisch-russischen Grenze zu einer kleinen Hütte begleitet. Der Wald ist unverkennbar Bärenland, denn immer wieder sehen wir tiefe Abdrücke von riesigen Tatzen im Morast und Kratzspuren an den Bäumen. Dennoch ist es nicht besonders gefährlich, sich im Gehölz zu bewegen.

Die Braunbären haben einen ausgeprägten Geruchssinn und können uns schon von weitem riechen. Sie sind sehr scheu und gehen Begegnungen mit Menschen aus dem Weg. Das ist auch der Grund, weshalb ich diese Hütte aufsuche. Sie dient als Versteck, um Bären beobachten und fotografieren zu können. Neben einem kleinen Loch, in dem das Objektiv der Kamera platziert wird, gibt es ein Fenster mit einem halbdurchlässigen Glas. So kann ich aus dem Dunklen zwar hinausschauen, aber von aussen sieht man nicht hinein.

In der Nähe der Hütte hat der Guide Reste von Lachsen ausgelegt, um die Bären anzulocken. Nach stundenlangem Warten trottet plötzlich ein mächtiges, vollgefressenes Männchen an der Hütte vorbei. Schon bald braucht er seinen Speck, denn der Schnee ist nicht mehr weit, und er wird seinen Winterschlaf halten.

Fressen und gefressen werden

Eine Papageienschlange hat einen Frosch im Maul.

Eine Papageienschlange hat einen Frosch im Maul.

In der Nahrungskette der Natur gibt es ein stetes Fressen und Gefressenwerden. Ein intaktes Ökosystem braucht dabei ein bestimmtes Verhältnis zwischen Jägern und Gejagten. Der Mensch als Beobachter empfindet aber nicht für alle Räuber die gleichen Sympathien. Wenn ein Frosch eine Mücke frisst, ist das völlig in Ordnung. Wenn aber eine Schlange den mückenfressenden Frosch verschlingt, ist das für viele abstossend.

Eine Grosszahl der Menschen hat eine Abneigung gegenüber Schlangen, wobei umstritten ist, ob diese angeboren oder erlernt ist. Mich faszinieren sie. Ich bin in Costa Rica im Regenwald des Tieflandes auf der Suche nach Rotaugenlaubfröschen. Die niedlichen Tiere sind nachtaktiv und schlafen tagsüber an der Unterseite von Blättern. Mit ihren Saugnäpfen an den Füssen können sie sich dort anheften und sind so vor den Blicken hungriger Vögel geschützt.

Beim Durchsuchen der Bäume und Sträucher stosse ich unvermittelt auf einen jagenden Frosch – das heisst, auf den Rest von ihm. Eine Papageienschlange ist mir zuvorgekommen und ist daran, ihn zu verschlingen. Vor den Vögeln konnte er sich verstecken – die Schlange aber hat ihn von hinten erwischt.

Nebel in Afrika

Eine Giraffe taucht im Mala-Mala Game Reserve gespenstisch aus dem Nebel auf.

Eine Giraffe taucht im Mala-Mala Game Reserve gespenstisch aus dem Nebel auf.

Wer an Afrika denkt, verbindet das meist mit Wärme, ja Hitze. Während den üblichen Reisezeiten stimmt das wohl auch. Aber der zweitgrösste Kontinent der Erde hat sehr unterschiedliche Klimazonen und Jahreszeiten.

Von der Sahara-Wüste im Norden über Zentralafrika bis zum südlichsten Punkt in Südafrika erstrecken sich fast 8000 Kilometer. Und ganz im Süden kann es schon mal kalt werden, denn der Südpol, der kälteste Ort der Erde, ist nicht mehr so weit weg. Ich bin im Mala-Mala Game Reserve in Südafrika.

Dieser private Park in der Nähe des Sand-Rivers ist ein idealer Ort, um Löwen und Leoparden zu fotografieren. Es ist afrikanischer Winter und eine Kaltfront hat zudem antarktische Luft in das Gebiet gebracht. Bei der Morgensafari ist es gegen null Grad – auf dem offenen Jeep ist das unangenehm kalt, da nützen auch die bereitgestellten Wolldecken nicht viel. Das Wasser des Flusses ist aber immer noch warm, und so hat sich dichter Nebel über das Gebiet gelegt. Es ist ruhig im Park, fast mystisch erscheinen die bizarren Äste des kleinen Waldes. Als eine Giraffe gespenstisch aus dem Nebel auftaucht, ist das Bild perfekt.

Die Trolle von Finnland

Ausgewachsen werden die Bartkauze bis zu 67 Zentimeter lang.

Ausgewachsen werden die Bartkauze bis zu 67 Zentimeter lang.

Eulen lösen bei vielen Menschen eine grosse Faszination aus, so auch bei mir. Anders als bei den meisten Vögeln sind ihre Augen nach vorne gerichtet und geben ihnen deshalb ein menschenähnliches Gesicht. Ich bin in Finnland, mit dem Ziel, den Bartkauz zu fotografieren. Ausgewachsen werden diese Eulen bis zu 67 Zentimeter lang und leben am Rand von borealen Nadel- und Mischwäldern der nördlichen Halbkugel. Nach langer Suche finde ich mit meinem Guide Jari zwei Jungvögel am Waldrand.

Wir nähern uns vorsichtig und halten aus Rücksicht auf die Tiere und zu unserem Schutz einen Sicherheitsabstand ein. Die Mutter würde die Jungen aggressiv verteidigen und uns mit ihren scharfen Krallen attackieren. Die Jungen verlassen das hoch gelegene Nest mit etwa vier Wochen. Sie können noch nicht fliegen, sondern flattern mehr schlecht als recht Richtung Boden. Mit ihren langen Beinen krabbeln sie dann auf einen herumliegenden Ast, auf dem sie vor Räubern wie Wölfen oder Füchsen geschützt sind. Dort werden sie von ihren Eltern versorgt, bis sie nach drei Monaten selbstständig zu jagen beginnen. Wie ein Troll schaut mich der Kauz an – bewacht von der Mutter, die uns gewähren lässt.

Der kleine Unterschied

Braunbären in den Wäldern von Finnland.

Braunbären in den Wäldern von Finnland.

Braunbären verwenden etwa 16 Stunden des Tages für die Futtersuche. Sie sind Allesfresser, und neben Fleisch und Fisch fressen sie auch gerne Blätter, Wurzeln, Pilze, Nüsse, Früchte, Beeren und als ganz besonderen Leckerbissen Honig. Sie streifen allein in den weiten Wäldern umher, nur in der Paarungszeit suchen sie die Nähe zum anderen Geschlecht. Nach der Paarung ist das befruchtete Ei in einer Keimruhe und nistet sich erst im Herbst in der Gebärmutter ein; dies aber nur, wenn die Bärin genügend Fettreserven hat. So ist sichergestellt, dass sie ausreichend Milch für die Jungen hat, die während der Winterruhe geboren werden. Sie kommen in der Höhle nackt und blind zur Welt. An diesem Ort sind sie geschützt und haben etwa drei bis vier Monate Zeit, um genügend gross und stark zu werden.

Dieses Paar kann ich aus einer Beobachtungshütte in den Wäldern von Finnland fotografieren. Sie ziehen schon eine Weile miteinander umher und kommen immer wieder in die Nähe der Hütte. Das Weibchen scheint nicht besonders interessiert zu sein und kratzt seinen Rücken an einem Baum, während das Männchen seine Aufmerksamkeit offensichtlich dem kleinen Unterschied widmet.

Die ersten 55 Beiträge des Fotoblogs gibt es hier. 

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