Im Mai 2017 hat die Schweiz an der Urne klar Ja gesagt zum Atomausstieg und zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Noch immer ist die CO2-Bilanz („Carbon Footprint“) weit vom Zwei-Grad-Ziel (Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 Grad) entfernt. Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Trockenheit und Überschwemmungen treten auch bei uns in der Schweiz immer häufiger auf. Dem Klimawandel können auch Privatpersonen in Ihrem Alltag entgegensteuern. In den eigenen vier Wänden lässt sich viel erreichen.

Energetische Sanierung der Gebäudehülle

Werden die Reparaturkosten für ein Heizsystem zu hoch oder ist das System so veraltet, dass es die Anforderungen der Luftreinhalteverordnung nicht mehr erfüllt, sollte nicht gleich eine neue Heizung eingebaut, sondern zunächst ein Erneuerungskonzept erstellt werden.

Müssen ohnehin die Fassade erneuert oder Fenster ersetzt werden, so lässt sich dies mit einer Fassadenisolation kombinieren. Muss auch das Dach saniert werden, kommt die Möglichkeit einer Dachisolation dazu. All diese Massnahmen können den Wärmebedarf eines Gebäudes so stark reduzieren, dass eine kleinere und günstigere Heizung eingebaut werden kann.

Isolation und klimafreundliches Heizen lohnen sich

Isolieren ist teuer. Die Investitionen sollten sich idealerweise über die Jahre durch tiefere Heizkosten amortisieren. Mit anderen Worten: Der tiefere Heizbedarf eines gut isolierten Hauses schont im besten Fall nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch Ihr Portemonnaie. Bereits bei einem Ölpreis von 70 Franken lohnen sich eine Dämmung des Daches und eine Isolation der Fassade – vorausgesetzt, eine Erneuerung steht ohnehin an. Aktuell liegt der Preis bei 90 bis 100 Franken für 100 Liter.

Auch über die Fenster lässt sich Energie und damit Geld sparen. Auf der Gebäudesüdseite und mit optimalen Fenstern auch auf der Westseite kann bei guter Besonnung mehr Energie gewonnen werden als entweicht. Für die Wahl guter Fenster ergeben sich kaum Mehrkosten.

Ziel ist Minergie-Standard

Der einfache Minergie-Standard – der höchste Energiestandard für Niedrigenergiehäuser, wobei der Nachfolger Minergie-P heisst – ist nicht nur für Neubauten gedacht, sondern sollte auch bei Sanierungen angestrebt werden.

Neben einem tiefen Energieverbrauch werden bei Bauten nach Minergie-Standard auch umweltoptimierte Baustoffe verwendet. Komfortgewinn, Verkaufsmehrwert und die Schonung der Umwelt rechtfertigen die Mehrausgaben, die durch Fördergelder, Ökohypotheken und Steuerabzüge sogar kompensiert werden können. Hätten alle Gebäude den einfachen Minergie-Standard, könnte über 60 Prozent der Heizenergie eingespart werden.

Umweltfreundlich heizen

Die Wahl des Heizsystems ist je nach Gebäude gut zu überlegen. Aus der breiten Palette von Möglichkeiten fallen aufgrund der Bedingungen vor Ort oft einige Varianten weg.

Falls es einen Nah- oder Fernwärmeverbund gibt, sollte eine Anschlussmöglichkeit geprüft werden. Bietet das Gebäude oder dessen Umgebung Platz für einen Pelletsilo? Ist dies nicht der Fall, entfällt wegen des Tanks meist auch eine Ölheizung. Steht eine Flachdachfläche oder eine ost- bis südwestorientierte Schrägdachfläche zur Verfügung, dann steht Sonnenkollektoren nichts im Wege. Darf in der entsprechenden Bauzone die Erdwärme genutzt werden oder verbietet es die Wasserschutzauflage? Dies kann über den optimalen Einsatz einer Wärmepumpe entscheiden. Eine Gasheizung ist nur dann

möglich, wenn das Haus schon einen Gasanschluss hat oder die Gasleitung bereits in die Zubringerstrasse gelegt wurde. Bei sehr sparsamen Minergie-Gebäuden kann eine Gasheizung auch ohne Gasnetzanschluss mit Gasflaschenversorgung sichergestellt werden.

Zu den gängigsten erneuerbaren Energiequellen gehören Solaranlagen, Wärmepumpen und Holz-Pellets. Bei Mehrfamilienhäusern schneiden Wärmepumpen und teilweise auch Pelletkessel günstiger als die fossilen Alternativen ab.

Bei gut gedämmten Einfamilienhäusern schneiden ebenfalls die Wärmepumpensysteme am besten ab. Die Pelletheizung kostet mehr als die Gasheizung und weniger als die Ölheizung. Für 20 bis 30 Franken pro Monat kann zusätzlich die Sonne zur Warmwasseraufbereitung genutzt werden.

Vorteile von Wärmepumpen:

  • keine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern
  • günstigere Betriebskosten als bei konventionellen Heizsystemen
  • geringe Energie- und Wartungskosten
  • behagliche Wärme bei bis zu 0 Emissionen (bei Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien)
  • Reduktion verschiedener Störfaktoren im Haus (Brennergeräusch, Öl-Geruch)
  • zusätzlicher Freiraum im Haus (Wegfall des Tank-/Lagerraums)
  • Werterhaltung und Wertsteigerung der Immobilie

Ökostrom – Umweltschutz aus der Steckdose

Ökostrom aus Energiequellen wie Wasser, Sonne, Biomasse und Wind macht es möglich, dass wir immer weniger Strom mit Kohle- und Kernkraftwerken produzieren müssen. Heute kann bei uns jeder Haushalt den Strom frei wählen.

Bereits für unter 200 Franken Aufpreis pro Jahr kann eine vierköpfige Familie ihren Haushalt auf Ökostrom umstellen. Das entspricht den Kosten von einer Tasse Kaffee pro Woche. Wer zudem auf energieeffiziente Geräte und Lampen setzt, verringert seinen Stromkonsum beträchtlich und spart damit das in Ökostrom investierte Geld rasch wieder ein.

Finanzielle Förderung von erneuerbaren Energien

Analog zur Gebäudehülle gibt es auch bei Heizungen die Möglichkeit Fördergelder zu erhalten und Steuererleichterungen geltend zu machen. Die Fördergelder sind kantonal und kommunal verschieden. Oft werden Sonnenkollektoren oder Pelletkessel mit Förderbeiträgen unterstützt. Auch Wärmepumpen profitieren häufig von Förderprogrammen.

Bei Heizungsersatzinvestitionen können bei der Bundessteuer, aber auch in den meisten Kantonen die vollen Kosten abgezogen werden. Je nach Steuerverhältnissen des Investors reduziert dies die Investitionskosten um 20 bis 30 Prozent. Damit profitieren insbesondere diejenigen Systeme mit hohen Anfangsinvestitionen wie Sonnenkollektoren, kleine Pelletkessel und Wärmepumpen mit Erdsonde.

Umweltperformance der verschiedenen Systeme

Der Beitrag zum Treibhauseffekt ist bei der Ölheizung am grössten. Der Pelletkessel emittiert am wenigsten Treibhausgase, da die Verbrennung des Holzes lediglich jenes CO2 ausstösst, das zuvor im Wald gebunden wurde. Die Wärmepumpe rangiert an zweiter Stelle.

Bezüglich der Gesamtumweltbelastung schneiden Wärmepumpen (mit Erdsonde und Ökostrom), Fernwärme und Pelletkessel (idealerweise mit Feinstaubfilter) gut ab, doch Sonnenkollektoren haben die beste Umweltbilanz. Gas- und Ölheizung sind am wenigsten umweltfreundlich.

Doch auch mit dem idealen Heizungssystem ist maximal eine Halbierung der Gesamtbelastung erzielbar. Deshalb nochmals: An erster Stelle sollte der Heizenergiebedarf mittels einer Optimierung der Gebäudehülle reduziert werden.

Fazit

  • Die Erneuerung der Gebäudehülle (Wärmedämmung, gute Fenster, etc.) birgt das grösste ökologische und wirtschaftliche Potenzial.
  • Anzustreben ist der Minergie-Standard. Er ermöglicht eine weitgehende Unabhängigkeit von Heizkosten.
  • Im Vergleich der verschiedenen Heizsysteme schneiden Fernwärmeanschluss, Pelletheizungen und zertifizierte Wärmepumpen mit Erdsonde ökologisch am besten ab.
  • Wo Erdsonden nicht möglich sind, kommen auch zertifizierte Luft-Wasser-Wärmepumpen in Frage. Der Strombedarf von Wärmepumpen sollte mit zertifiziertem Ökostrom abgedeckt werden.
  • Ökonomisch gesehen sind Wärmepumpen am günstigsten. Bei höheren Ölpreisen (100 Fr./100 l) und dem Einbezug künftig steigender CO2-Abgaben (aktuell 96 Franken pro Tonne) wird aber auch der Pelletkessel konkurrenzfähig gegenüber Gas- und Ölkessel.
  • Die Abzugsmöglichkeiten bei der Steuer, das Einfordern von Fördergeldern und das Nutzen von Umwelthypotheken hilft, erneuerbare Energien auch wirtschaftlich zur günstigsten Wahl zu machen.