Tierschutz

Dean Schneider, der Schweizer Instagram-Star, der mit Löwen kuschelt

Dean Schneider hat nicht nur mehr als eine halbe Million Follower und sieht aus wie ein Popstar. Er hat auch eine Mission: Tiere aus Gefangenschaft retten. Dafür posiert er mit Löwen und wickelt Babyäffchen.

Dean Schneiders Leben ist zu gut, um wahr zu sein. Der 26-jährige Schweizer spielt und schmust mit Löwen, als seien sie seine Hauskatzen. Zieht verwaiste Babyäffchen gross, posiert neben Elefanten und mit Schakalen oder joggt mit nacktem Oberkörper sehr fotogen durch seine 350 Hektaren grosse Farm in Südafrika.

Dean Schneider ist ein Instagram-Star. Wenn er sich mit seinen geretteten Wildtieren zeigt, fliegen ihm die Herzen und Likes aus der ganzen Welt zu – und zwar zehntausendfach. 665 000 Abonnenten verfolgen via Instagram seine Mission.

Die da wäre, Wildtiere zu retten. Dies tut er in Südafrika in seinem «Sanctuary and Rehab Center» Hakuna Mipaka. Dort päppelt er verletzte Wildtiere auf, um sie später auszuwildern, aber vor allem kauft er Tiere wie seinen Löwen Dexter aus miserablen Zuchten frei, um ihnen ein neues Zuhause zu bieten.

Alles fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein für einen 26-jährigen Zürcher ohne Ausbildung. Ein Treffen soll Antworten bringen, denn Dean Schneider ist gerade auf Heimatbesuch.

Früher war er Firmenchef

Der Löwenkuschler sitzt entspannt in der Kanzlei seines Vaters in Zürich. Ehrwürdiges Gebäude, Marmor im Treppenhaus, Kaffee auf dem Silbertablett. Das sei nicht mehr seine Welt, sagt er. Mit Betonung auf «nicht mehr». Denn bevor es Dean, den Tierretter, gab, gab es Dean, den Firmenchef. Er, der zwei Lehren abbrach, sich in der Schule stets schwertat, hatte sich mit Mitte zwanzig bereits ein eigenes Unternehmen für Finanzplanung aufgebaut. Doch zufrieden machte ihn das nicht. Sein Traum seit Kindheitstagen sei ein anderer: Ein Leben mit und für wilde Tiere, irgendwo in Afrika.

Andere hätten vielleicht ein Praktikum in einem Wildreservat gemacht, Dean Schneider aber denkt gross. Ein eigenes Rettungs- und Aufzuchtscamp sollte es sein. Zwei Jahre Vorbereitungszeit und all seinen Besitz investierte er in seinen Traum. Mehr als ein Dutzend Mal ist er dafür nach Afrika geflogen. Hat Grundstücke besichtigt, Kontakte geknüpft, Sponsoren gesucht, einen 70 Seiten langen Managementplan ausgearbeitet und monatelang auf Bewilligungen gewartet. «Die erste Zeit in Südafrika war teilweise richtig schlimm, so viel Bürokratie, viel Schikane und keine Tiere.»

Den Floh mit den wilden Tieren ins Ohr gesetzt hatte ihm Steve Irwin, der legendäre australische «Crocodile Hunter» aus der gleichnamigen TV-Show. Dieser hatte bis zu seinem Tod 2006 Leute auf der ganzen Welt mit spektakulären Bildern und waghalsigen Aktionen für die Tierwelt zu sensibilisieren versucht. Genau das will Dean Schneider auch. Nur dass er dafür keine TV-Show mehr braucht, «dafür gibt es heute Social Media», sagt er. Und dieses Metier beherrscht er meisterlich.

800 Kommentare in einer Nacht

Jeden Tag postet er ein Bild oder Video, jede Frage seiner Follower versucht er zu beantworten. Das kostet Zeit. Bis zu sieben Stunden pro Tag investiere er für seine Präsenz auf Instagram, er beantwortet über Nacht auch mal 800 Kommentare und postet in verschiedenen Sprachen.

Eine persönliche Assistentin und ein Content-Manager unterstützen ihn dabei. «Man muss das professionell machen oder gar nicht», sagt er. Und er hat eine Strategie: Auf jedes «Wow»-Bild mit verspieltem Löwen oder Babyäffchen, folgt ein «Education»-Video, in dem er das Schicksal des Tiers erzählt oder Wissen über die Tierwelt vermittelt.

Einer seiner Co-Stars auf Instagram ist JayJay, ein Kapuzineräffchen, das viel zu früh seiner Mutter weggerissen und an eine Familie verkauft wurde. Diese war schnell komplett überfordert, und so landete das ein paar Wochen alte Tier in der Aufzuchtstation von Dean Schneider.

«Ein 24-Stunden Job, sieben Tage die Woche, ich weiss jetzt, wie es Eltern geht», erzählt er. Die Videos, die zeigen, wie er mit JayJay frühstückt oder ihn wickelt, gehören zu den meistgesehenen. «JayJay ist wie ein Sohn für mich, trotzdem soll er dereinst auf der Farm ein möglichst wildes Leben führen.» Ganz auswildern könne man ihn nicht mehr.

Denn obwohl er es liebt, den ganzen Tag von Tieren umgeben zu sein, sagt er, dass «ein artgerechtes Leben für jedes Tier jenes in grösstmöglicher Freiheit ist.» Alle Tiere, mit denen er auf den Bildern spielt und kuschelt, seien Zuchttiere. Unter miserablen Bedingungen gehalten oder alleine dafür gezüchtet, um auf Jagdfarmen von reichen Touristen abgeschossen zu werden.

Zum Beispiel Dexter: Der nun 14 Monate alte Löwe war das erste Tier, das Schneider auf seiner Farm aufnehmen konnte. Er habe das im Käfig gehaltene, von Zecken und Läusen übersäte Jungtier aus den Fängen eines Züchters gerettet. «Dexter war ein Baby und ganz alleine, als er zu mir kam. Ich musste sein Rudel ersetzen, so bin ich zu einer Art Bruder für ihn geworden», erklärt Schneider die extrem enge Bindung zum Junglöwen.

Immer wieder wird er auf Social Media für seine Löwenkuschelbilder hart kritisiert. Dass er seine Tiere zu sehr vermenschliche, sie für seine eigene Bekanntheit missbrauche und ein völlig verzerrtes Bild von der Arbeit mit Wildtieren vermittle, liest und hört er oft. Das grosse Dilemma des Tierschützers Dean Schneider ist, dass er, um auf Instagram Aufmerksamkeit zu generieren, seine Tiere und sich vorführen muss.

«Bilder von schlafenden Löwen hat jeder schon gesehen, das klickt niemand mehr an», erklärt er nüchtern. Erst die Kombination «junger Mann und verschmuster Löwe» geht durch die Decke. «Tierschutz muss heute cool daherkommen, Emotionen wecken, persönlich sein.» Erst dann würden die Menschen auch zuhören, eine Sache verstehen wollen. Er könne auf seiner Farm nicht alle Tiere retten, ja selbst wenn er hundert solche Farmen gründen würde. Seine Mission sei eine grössere: weltweite Tierliebe entfachen.

Das Geld wird knapp

Bis es so weit ist, braucht Schneider aber vor allem auch Geld. Seine Reserven sind aufgebraucht. In Südafrika wollen aber nicht nur Tiere gefüttert und gepflegt werden, Schneider beschäftigt auch Personal. Seine nächste Herausforderung besteht darin, das Projekt Hakuna Mipaka so weiterzuentwickeln, dass es finanziell auf eigenen Füssen stehen kann. Die Familie, die ihn trotz grosser anfänglicher Skepsis unterstützt, dreht den Geldhahn langsam zu.

Vom Finanzberater zum Tierschützer

Kuscheln mit einem Löwen oder auf der Jagd nach einer Giftschlange: Dean Schneider hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der 26-Jährige hat seine Karriere aufgegeben, um in Südafrika ein Tierreservat aufzubauen.

Sein grösstes Kapital sind nun seine 650 000 Follower und seine Bekanntheit. Wie er diese nutzen will, mit welchen Organisationen er künftig zusammenarbeitet, lässt er noch offen. Schneider ist überzeugt, dass seine Fans ihm treu sein werden, auch dann wenn es darum geht, mehr als nur Herzchen zu verschicken. Schliesslich will er nichts weniger als der Justin Bieber des Tierschutzes werden. Dean Schneider denkt nun mal gerne gross, und wenn das einer schafft, dann wohl tatsächlich er.

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