Wer im Laden ein Kleidungsstück mit Pelzbesatz kauft, soll künftig sofort sehen, ob es sich dabei um Echt- oder um Kunstpelz handelt. Das Eidgenössische Departement des Innern hat diese und weitere Anpassungen der Pelzdeklarationsverordnung in die Vernehmlassung gegeben.

Als der Züricher Club Hiltl vor zwei Jahren Trägern von Echtpelz den Eintritt verweigerte, bewegte das Thema plötzlich die ganze Schweiz. Das Tragen von echtem Pelz spaltet die Bevölkerung auch heute noch, wie eine aktuelle Umfrage der Sendung «tierisch» in Aarau zeigt (Video oben).

Massenabweisungen beim Hiltl Club wegen Pelzboom

Dezember 2016: Massenabweisungen beim Hiltl Club wegen Pelzboom

Bis zu 100 Besuchern pro Abend wird der Einlass in den Vegetarier-Tempel verwehrt, weil ihre Jacken Echtpelz enthalten. Uneinsichtige werden «schockerzogen».

«Das Tier wird ja so oder so umgebraucht – ob ich jetzt diese Jacke kaufe oder nicht», sagt etwa eine junge Pelzträgerin. Und: «Für diese Jacke habe ich 800 Stutz bezahlt – dann lohnt sich das auch mit echtem Pelz.» Andere finden, es sehe schön aus oder «stimmt vom Optischen her», wie ein junger Mann es formuliert. «Unfair, aber was können wir dagegen machen?»

Für das Tragen von Echtpelz «sollte man sich schämen», sagt hingegen eine andere junge Frau. Und weitere bestätigen, dass sie «strikt gegen» das Tragen von echtem Pelz sind und genau hinschauen, wenn sie ein Kleidungsstück mit Pelzbesatz kaufen wollen: «Ich will nicht, dass ein Tier für eine Jacke von mir leiden muss.»

Auch das Warenhaus Manor verzichtet seit 2014 auf echten Pelz. Man hätte gemerkt, dass die Kunden sensibilisierter geworden seien für das Thema, sagt Andreas Camenzind von der Manor Luzern. Zudem: «Heute sind Technologie und Hersteller so weit, dass Kunstpelz sehr nahe an den Echtpelz herankommt.»

Nächster Schritt: Importverbot

Nach der expliziten Deklarationspflicht wäre für viele Tierschützer ein Importverbot von Echtpelz ein weiterer Schritt. «Es gibt keine Tierschutzstandards, die eingehalten werden müssen für den Import von Pelzprodukten in die Schweiz», sagt Andreas Rüttimann von der Stiftung für das Tier im Recht. Einzig die Einfuhr von Fellen von Hunden, Katzen und von Robbenprodukten sei verboten. 

«Gern wird vorgegaukelt, das Tier sei artgerecht gehalten worden, aber darüber müssen wir gar nicht diskutieren: Es gibt keine artgerechte Pelztierhaltung», ergänzt Suzy Utzinger von der Stiftung für Tierschutz. Sie spricht von «enormem Leid und riesigen Qualen».

In der Schweiz gibt es etwa für Nerze Haltungsvorschriften. Rechtswissenschaftler Rüttimann: «Als Folge dieser Vorschriften gibt es in der Schweiz seit 1981 keine kommerziellen Pelztierzuchtbetriebe mehr.» (smo)