Zu Hause bei

CVP-Politikerin Marianne Binder hat Ausblick auf den Fujiyama

Obwohl sie schon seit 16 Jahren das Haus hoch über Baden bewohnt, schwärmt Marianne Binder (55) noch immer von ihrem Zuhause, als wäre sie eben erst eingezogen. «Hier erlebt man die Jahreszeiten ganz bewusst.»

Draussen strahlt die Sonne und Marianne Binder sehnt bereits den November herbei. Nicht, dass sie das schöne Wetter stören würde, «aber ich habe den seltsamen Zug, dass ich das schlechte liebe». Dann sitzt sie am liebsten mit einem Kaffee, einem Buch und Zeitungen auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer. «Das ist für mich höchste Lebensqualität», sagt die temperamentvolle CVP-Politikerin.

Die Jahreszeiten lassen sich von diesem Raum aus besonders gut und wirkungsvoll erleben. Beim Blick auf die Lägern fühlt man sich fast wie in Japan, weil die Silhouette des Grats an den Fujiyama erinnert. Davor die Häuschen auf der Badener Allmend bis hinüber nach Wettingen. «Eine Landschaft wie auf einem Stich», sagt die CVP-Mediensprecherin und Aargauer Grossrätin.

Leben wie in einer kleinen Altstadt

Seit 1997 wohnt sie mit ihrem Mann Andreas (die beiden erwachsenen Kinder sind kürzlich ausgezogen) in diesem 6-Zimmer-Haus hoch über Baden. Erbaut hat es der Badener Architekt Adrian Meyer. «Es ist, als lebten wir hier in einer kleinen Altstadt», schwärmt Marianne Binder. Das Haus an Hanglage betritt man von oben. Über eine Treppe führt der Gang in die unteren Geschosse. Man könnte sich hier fast in einer Galerie wähnen. An den weissen Wänden hängen Bilder von Andy Athanassoglou, Ruth Maria Obrist oder Marco Squarise – alles Bekannte oder Freunde der Familie. In den Nischen stehen Skulpturen von Walter Squarise und Idlette Villiger, orientalische Laternen und alte Kerzenständer.

Die Räume sind so ineinander verschachtelt, dass man bald einmal die Orientierung verliert, wenn man zum ersten Mal hier ist. Immer wieder bekommt man dadurch einen neuen Blick auf die Natur, etwa wenn man über eine Art Steg in einen anderen Wohnbereich kommt oder vom oberen Gang aus auf einmal auf einen verwunschenen Springbrunnen blickt. «Die Natur gestaltet bei uns den Wohnstil sozusagen mit», meint sie lachend.

«Das Haus ist so genial gebaut, dass wir überhaupt nichts daran ändern würden», betont Binder. Es ist funktional und doch verspielt mit den kleinen Erkern im Wohnzimmer oder den Oberfenstern im Bad.

Genussvolle Vielleserin

Die Einrichtung ist ein spannender Mix aus alten und neuen Möbeln. Im Essbereich steht ein modernes Wogg-Sideboard mit einem auf Mass hergestellten Esstisch von René Stamm, im Wohnzimmer sticht der antike Holzschrank ins Auge, der mit der grauen Sofalandschaft und dem grossformatigen Bild «Die Einsamkeit der Primzahlen» von Ruth Maria Obrist den Raum dominiert. Hier ist auch die Bibliothek. Randvoll gefüllt mit Klassikern, aber auch Kunstbüchern oder neuerer Literatur wie etwa von Thomas Meyer, Daniel Kehlmann oder Haruki Murakami («einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller»). «Meistens lese ich mehrere Bücher gleichzeitig, momentan einmal mehr ‹Krieg und Frieden› von Leo Tolstoi», sagt die Vielleserin, die in ihrer Freizeit auch als Kabarettistin auftritt. Neben dem Cheminée sind schön ordentlich Ausgaben der Zeitschrift «Die Politik» aufgestapelt, deren Chefredaktorin Marianne Binder noch ist. «Leider wird das CVP-Magazin eingestellt.»

«Unser Wohnstil hat sich mit dem Zusammenleben entwickelt, verändert sich aber immer wieder.» Denn die Politikerin stöbert gerne in Brockenhäusern nach schönen Trouvaillen. Insbesondere altes Geschirr, Gläser, Schüsseln, Besteck oder alte Bilderrahmen haben es ihr angetan. «Gerade Haushaltgegenstände findet man heute fast überall die gleichen, solche Einzelstücke aus Brockis sind wie Kunstgegenstände.»

Bald wird sie noch mehr Zeit für solche Ausflüge haben, aber auch um Gäste zu bekochen und vor allem für ihre Arbeit als CVP-Grossrätin. Ein grosses Anliegen für die pointierte Politikerin, die auch mal mit ihren Aussagen aneckt, wie unlängst mit der «Kopftuchdebatte». Nach fast acht Jahren hat sie ihre Anstellung als Kommunikationschefin bei der CVP Schweiz gekündigt. Dann wird sie auch nicht mehr zwischen Bern, wo sie noch ein kleines Studio hat, und Baden pendeln müssen – und hat dafür mehr Zeit für gemütliche Stunden auf dem Sofa – wenn draussen Sturm und Regen ein Spektakel bieten.

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