Die Skyline Dubais schält sich am Horizont aus dem Dunst. Der Burj Khalifa, das grösste Gebäude der Welt (828 Meter), ragt imposant gen Himmel. Die Aussicht von der internationalen Schweizer Schule ist atemberaubend. Draussen wirkt die Hitze erdrückend, obwohl die heissen Sommertage erst noch bevorstehen. Der trockene, dünne Geruch der Wüstenluft vermischt sich mit dem dichten, schweren nach Abgasen. Es riecht nach Wüstengrossstadt.

Die 3-Millionen-Metropole in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist bekannt für seine Innovationen. Wie die Schweiz steht auch Dubai weltweit für Qualität. Die «Swiss International Scientific School in Dubai», kurz SISD, schmückt sich deshalb gerne mit dem Label «Swiss». Matterhorn-Zeichnungen, die berühmten Farbstifte der Firma Caran d’Ache und die Schweizer Fahne sind auf dem Campus allgegenwärtig. Und die Partnerschaft mit dem Kanton Wallis, die gestern bekannt gegeben wurde, soll die «Swissness» komplettieren.

Doch in der vollprivatisierten Schule wird längst nicht nur der Nachwuchs von Schweizer Familien ausgebildet. 1000 Schüler aus 58 Ländern gehen hier täglich durch eine der vielen grossen Glasschiebetüren ein und aus. Das Zusammenleben ist harmonisch. Kulturelle Probleme, wie wir sie in der Schweiz kennen, gibt es nicht.

In den unteren Stufen besuchen die Buben und Mädchen gemeinsam den Schwimmunterricht, machen zusammen Sport. Egal, welcher Religion sie angehören. 90 Prozent der Bevölkerung sind Expats, also Menschen, die zum Arbeiten in der Wüstenstadt wohnen. Deshalb sind solche Problemstellungen in Dubai kein Thema. Ursula Sommer, Leiterin der Schuladministration, sagt: «Die Menschen sind diesen multikulturellen Begebenheiten angepasst und prägen sie auch mit.»

Bilinguale-Ausbildung einmalig

Wenn man durch die Schulgänge geht, entsteht der Eindruck, dass hier schon lange unterrichtet wird. Im Kindergarten und in der Primarschule sind die Wände mit bunten Zeichnungen überhäuft. Dabei fuhren auf dem Campus, der direkt neben dem natürlichen Meeresarm Dubais Creek liegt, erst Anfang 2014 die ersten Bagger auf.

Ein Jahr später wurden bereits die ersten Kinder unterrichtet. Mit einer Fläche von über 72 000 Quadratmetern entspricht die Anlage der Grösse von zwölf Fussballfeldern. Neben diversen Sportanlagen gibt es auch ein Internat mit 300 Betten. Omar Danial, Gründer der SISD und Schweizer Staatsbürger, wollte eigentlich erst eine bescheidenere Schule bauen. «Aber die Behörden in Dubai ermutigten uns, gleich von Beginn weg grosszügig zu planen, was uns heute zugutekommt. In der Schweiz wäre es wohl kaum möglich gewesen, ein Projekt dieses Ausmasses so schnell zu realisieren.» Danial ist einer von vielen Geldgebern, die die Schule unterstützen. Bis zu 2200 Schüler sollen dereinst unterrichtet werden.

Eine Klasse besteht aus maximal 22 Schülerinnen und Schülern.

Eine Klasse besteht aus maximal 22 Schülerinnen und Schülern.

Die Konkurrenz in Dubai ist gross. Es gibt an die 200 internationale Schulen. Trotzdem hat die SISD mit ihrem bilingualen Angebot neben neu zugezogenen Familien auch Schüler der Konkurrenz abgeworben. Franziska ist deutsche Staatsangehörige und lebt mit ihren zwei Töchtern seit elf Jahren in Dubai.

Bis vor zwei Jahren gingen Franziskas Töchter in eine andere Schule. «So etwas wie SISD findet man sonst in Dubai nicht. In dieser Schule können meine Mädchen Englisch und Deutsch lernen. Das kann ihnen in Zukunft sehr helfen», sagt sie. In der Swiss International Scientific School in Dubai kann nämlich zwischen einer Schulkarriere auf Englisch und Französisch oder Englisch und Deutsch ausgewählt werden. Die eine Woche wird auf Englisch, die nächste auf Deutsch oder Französisch unterrichtet. Arabisch ist für alle Schüler Pflichtfach, das setzt die Regierung voraus.

Eine schulische Laufbahn vom Vorkindergarten bis zur 12. Klasse kostet umgerechnet rund 400 000 Franken. Zurzeit können die Schüler das sogenannte «International Baccalaureate»-Diplom (IB) erlangen. Die IB-Ausbildung ist bei internationalen Schulen beliebt, weil die Studenten anschliessend einen direkten Zugang zu vielen Universitäten erhalten.

Nicht so in der Schweiz: Hier muss ein IB-Absolvent erst eine Aufnahmeprüfung bestehen, um an einer Universität aufgenommen zu werden. Deshalb will die SISD schon bald die eidgenössische Maturität anbieten. Im nächsten Jahr startet die erste Oberstufenklasse, um auf einen eidgenössischen Matura-Abschluss hinzuarbeiten. Im Dunst von Dubai und im Schatten des Burj Khalifa.