Kolumne

Beziehungen: Leben am Liebeslimit

«Meine Vermeidungsenergie ist irgendwann aufgebraucht. Wie kann ich endlich proaktiv sein?»

«Meine Vermeidungsenergie ist irgendwann aufgebraucht. Wie kann ich endlich proaktiv sein?»

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Warum wir ständig hören, was wir alles vermeiden sollten in unserer Beziehung – und ein Ratschlag, der garantiert hilft.

Was treibt jede noch so grosse Liebe in den Partnerschaftsruin? Auf diese Frage wissen Paartherapeutinnen und Psychologen mindestens so viele verschiedene Antworten, wie es Beziehungsformen gibt. «Tun Sie dies nicht, tun Sie das nicht … und Ihre Liebe wird niemals enden», heisst es.

Doch Erfolgsgarantien gibt es auch auf noch so gut gemeinte Tipps keine. Gäbe sie es, wäre die Welt um viele Tränen, Gedichte, Filme und Lieder ärmer und Scheidungsrichterinnen wären überflüssig.

Begrenzte Vermeidungsenergie

Liebende sterben den paarpsychologischen Tod in den meisten Fällen entweder vor Langeweile und/oder mangelndem Respekt. Das lässt sich als gemeinsamer Nenner herausschälen, beschäftigt man sich regelmässig mit Studienergebnissen zum Thema Beziehungen und wie sie funktionieren – beziehungsweise wie eben nicht.

Dass ich in bunter Vielfalt lese, was ich in Beziehungen vermeiden soll, schafft nicht wirklich Klarheit darüber, was ich denn nun tun kann, um nicht ans allseits prophezeite Liebeslimit zu gelangen. Meine Vermeidungsenergie ist irgendwann aufgebraucht. Wie kann ich endlich proaktiv sein?

Nützt nichts?!

Nun: Tatsache ist – auch das geht aus Studien hervor –, dass wir faktisch alles ganz prima machen können und uns dennoch irgendwann auf die Nerven gehen, nichts mehr zu sagen haben oder unser Glück anderorts suchen. Auch das wollen Expertinnen und Expertinnen herausgefunden haben, wie ich auf einem Beziehungsblog las.

Da ist man also besonders aufmerksam dem anderen gegenüber, hört zu, wertet nicht, lässt Freiräume und macht kleine Geschenke. ­Akzeptiert seine vermeintlichen Fehler, unterstützt und motiviert, wo man kann – und am Ende soll das Zweierglück nicht ewig halten? Danke auch!

Dass eine Beziehung Pflege braucht und gewisse Grundregeln, die nicht nur die eine Hälfte, sondern beide mit Bedacht einhalten, weiss ich – ansonsten würde es diese Kolumne nicht geben. Dass es einem im heterogenen Wirrwarr der Beziehungspsychologie einmal «ablöschen» kann, ist verständlich.

Aufmerksamkeit, Zeit, keinen TV

Wenn ich Ihnen an dieser Stelle jedoch einen Tipp geben darf, der – so bin ich überzeugt – immer funktioniert, dann den: Bleiben Sie dran, und schenken Sie Ihrer Beziehung Zeit. Wie genau Sie das anstellen, ist eigentlich egal. Reden Sie regelmässig offen miteinander, verbringen Sie Tage nur zu zweit, schalten Sie öfters mal den TV aus – entscheiden Sie selbst, was Ihnen beiden guttut. Allein das Bewusstsein darüber, dass man sich hin und wieder mit besonderer Aufmerksamkeit seiner Partnerschaft zuwenden muss, damit man Schwierigkeiten angehen und im besten Fall sogar überwinden kann, hilft bereits enorm viel.

Wenn man sich dann noch ein paar gute Kommunikationsstrategien aneignet, ist schon vieles getan. Das weiss ich übrigens nicht nur aus Studien.

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