Kolumne

Beziehungen: Die Liebe rechnet sich – doch wie spricht man über Geld?

«Wer glaubt, als Single stehe man auf der finanziellen Sonnenseite – schliesslich hat man sein Einkommen ganz für sich allein –, liegt falsch.»

«Wer glaubt, als Single stehe man auf der finanziellen Sonnenseite – schliesslich hat man sein Einkommen ganz für sich allein –, liegt falsch.»

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Freiheit bezahlt ein Single teuer.

In den Ferien merkte ich es am deutlichsten: Als Single blätterst du hin. Für ein Einzelzimmer zahlte ich meist so viel, wie wenn ich für zwei ein Zimmer buchen würde – man nennt das «Einzelzimmeraufschlag». Ich nenne es lieber Single-Diskriminierungs-Zuschlag.

Die Miete für den Sonnenschirm am italienischen Badestrand kann man sich auch nicht teilen. Und die Flasche Wein zum Znacht muss man ganz allein bezahlen (und trinken)! Wer glaubt, als Single stehe man auf der finanziellen Sonnenseite – schliesslich hat man sein Einkommen ganz für sich allein –, liegt falsch.

Reden wie über eine Lebensmittelvergiftung

Geld und Liebe: eines der unromantischsten Themen überhaupt. Paare wissen oft nicht, wie sie über ihre Finanzen reden sollen – das Thema wird zum Tabu, je länger man zu­sammen ist und noch nie darüber gesprochen hat. Wagte ich es doch einmal, mich über Kostenteilung oder finanzielle Engpässe zu unterhalten, fühlte ich mich mindestens so peinlich berührt, als müsste ich detailliert über den Verlauf einer Lebensmittelvergiftung Auskunft geben.

Klar, man lässt sich mal einladen in einer noch jungen Beziehung oder macht ­übertrieben grosszügige Geschenke. Geld soll schliesslich keine Rolle spielen! Spätestens bei der Offen­legung der Löhne hört der Spass aber auf.

Geld darf in einer Beziehung keine Rolle spielen, davon war ich lange überzeugt. Kein Mann kannte je meinen Kontostand. Und ich sah niemals einen Grund, mit Freunden über meine Finanzen zu reden. Auch weil ich lange Single und es gewohnt war, Geldangelegenheiten mit mir selbst auszumachen. Dass der Preis meiner Unabhängigkeit auch finanziell ein hoher war, merkte ich immer wieder. Besonders dann, wenn ich meine Ausgaben mit jenen meiner vergebenen Freundinnen verglich.

Weniger brauchen, mehr zahlen

Gut ein Drittel der Schweizer Bevölkerung lebt in einem Einpersonenhaushalt – und darum teurer. Weil Singles beim Einkaufen nicht von Aktionen profitieren können etwa (niemand hilft einem beim Aufessen einer Multipackung Schoko-Petit-­Beurre). Singles können sich nicht die Rechnung für Internet, manche Versicherungen oder die Wohnungseinrichtung teilen. Man braucht zwar weniger, zahlt aber mehr: Bis zu 40 Prozent teurer sind Reisen allein, sagt der Konsumentenschutz. Ich konnte jahrelang nicht vom GA für Paare profitieren. Geschweige denn von einem geteilten Mietzins.

Die Liebe rechnet sich also. Lebt man zu zweit, hat man auch finanzielle Vorteile. Um sie nutzen zu können, sollte man über die Finanzen, die beide betreffen, offen reden. Wie genau das funktionieren kann, ohne sich dabei wie bei einem Gespräch über Krankheiten zu fühlen, das lerne ich noch.

Wobei ich eines schon weiss: Kann man sich die Rechnung für eine gute Flasche Wein teilen, schmeckt sie besser.

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