Geburtsstationen

Babys bewältigen Corona meist gut – Infektionen können auf Geburts-Stationen dennoch zu Problemen führen

Körperkontakt ist für Neugeborene wichtig - das ist im Universitätsspital Lausanne erlaubt auch wenn die Mütter infiziert sind.

Körperkontakt ist für Neugeborene wichtig - das ist im Universitätsspital Lausanne erlaubt auch wenn die Mütter infiziert sind.

Neugeborene überstehen eine Ansteckung mit dem Coronavirus in der Regel ohne Schwierigkeiten. Dennoch können Covid-19-Infektionen auf den Geburtsstationen Probleme verursachen.

Die gute Nachricht ist, dass grosse Studien bestätigen, dass das Coronavirus keine ernsthafte Bedrohung für Neugeborene ist. Jene der Universität Oxford und des Imperial College London besagt, dass Ansteckungen zwar vorkommen, schwere Fälle jedoch sehr selten sind. Die Studie umfasst jene Babys in Grossbritannien, welche während der ersten Welle der Pandemie geboren wurden und aus irgendeinem Grund im Spital waren. Von diesen bis maximal 29 Tage alten Babys brauchten 66 Spitalpflege wegen einer Infektion mit Sars-CoV-2. Dies entspricht einem von 1785 Neugeborenen.

Unter den 17 Neugeborenen die sich vermutlichen gleich in den ersten sieben Tagen nach der Geburt bei der Mutter angesteckt hatten, waren auch sieben, die sofort nach der Geburt von der Mutter getrennt worden waren. Dies bestärkt Kinderärzte, die Mutter und das Kind zusammen zu lassen.

Die Babys werden gestillt von Müttern mit Maske

In den Schweizer Geburtsabteilungen wurden Neugeborene auch während der ersten Welle nicht von infizierten Müttern getrennt – sofern die Kinder gesund zur Welt kommen. Eine Trennung wird als nicht verhältnismässig angesehen. Die Mütter sollen trotz Corona stillen können, denn dies stärkt das Immunsystem des Kindes.

Am Inselspital Bern werden infizierte Mütter angewiesen, beim Stillen eine Maske zu tragen und sonst einen Abstand von 1,5 Metern zu ihrem Baby einzuhalten. Auch am Lausanner Universitätsspital CHUV müssen die Mütter Masken tragen. Aber das Kind zu berühren und zu streicheln ist nicht verboten. Eric Giannoni, Leitender Arzt auf der Neonatologie, sagt: «Die ersten Tage sind wichtig für die Mutter-Kind-Beziehung, da muss man das Risiko im Auge behalten und vernünftig sein.»

Spezielle Abteilungen für infizierte Mütter in der Westschweiz

Am Universitätsspital HUG in Genf sowie am CHUV, jenen Spitälern in der am stärksten betroffenen Region in der Schweiz, gibt es nun Abteilungen speziell für infizierte Mütter. Laut dem Leiter der Neonatologie am HUG, Riccardo Pfister, liegen dort momentan jeweils zwei oder drei Mütter.

Die coronapositiven Mütter sind denn auch die grössere Sorge der Geburtsabteilungen. Sie haben ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe, obwohl sie vom Alter her noch lange nicht zur Risikogruppe gehören. «Drei oder vier Frauen haben in der ersten Welle Intensivpflege benötigt», sagt Pfister, «bis jetzt sind es wieder so viele und es werden wohl noch mehr.»

Die zweite und grössere Sorge von Pfister und Giannoni gilt dem Personal der Neonatologie, der Krankenstation meist zu früh geborener Babys. Dort arbeiten spezialisierte Pflegerinnen und Pfleger, welche nicht einfach ersetzt werden können, wenn sie wegen einer Coronainfektion ausfallen.

Infizierte Frühgeborene haben leichte Auffälligkeiten

Auch aus diesem Grund dürfen infizierte Eltern die Station nicht betreten. Das Pflegepersonal hält sie mit ­Video-Anrufen, Fotos und Berichten auf dem Laufenden. In der Studie aus England war ein auffallend hoher Anteil (24 Prozent) der an Covid-19 erkrankten Babys zu früh zur Welt gekommen.

Ihr Immunsystem ist noch nicht ausgereift, weshalb eine Infektion gefährlicher sein kann. Pfisters Team stellte fest, dass es bei Frühgeburten von infizierten Müttern etwas häufiger zu Herz- oder Atemunregelmässigkeiten kommt. «Doch diese normalisieren sich nach vier bis fünf Tagen», so Pfister. Schwere Verläufe hatte man bisher weder in Lausanne noch Genf.

Auch in England ist in der ersten Welle kein Neugeborenes an Covid-19 gestorben. Besorgniserregend ist aber, dass von den erkrankten 66 Babys fast die Hälfte (45 Prozent) nicht-weisser Abstammung war. Co-Autor Chris Gale sagt, man müsse unbedingt herauszufinden, warum so viele ethnische Minderheiten betroffen seien.

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