Jedes Kind ist ein Wunder – Emma ist es noch ein bisschen mehr. Ihr Name, so steht es im grossen Vornamenlexikon, bedeutet allumfassend, gross und wunderbar. Alles Namen, die schon seit Jahren um die Spitzenplätze kreisen. Alles Name so rund wie kurz. Sanft in ihrem Klang, so voller As, Es und Ms. Die Nullerjahre haben die Kindernamen weich gewaschen wie einen Babystrampler. Alles Eckige und Kantige ist aus den Trendnamen verschwunden. Weit und breit kein Christian, keine Karin. Zurückgeblieben sind wohlklingende Namen, die sich anhören wie mit Perwoll gespült.

Doch was sagt es über die Gesellschaft, über die Träume und Vorstellungen der Eltern aus, wenn schweizweit gerade Liam und Emma, Mia und Noah oben ausschwingen?

Noah: Der Gendergerechte

Ein Name so alt wie das Alte Testament. Seit mehr als 16 ist er ununterbrochen in der Top-Zwei der Schweizer Namenshitparade platziert. Die Noahs dieses Landes, sie könnten dereinst die Peter von morgen werden. Das ist umso erstaunlicher, als dass Noah ein geschlechtsneutraler Name ist. Doch es passt zum Zeitgeist, denn seit der Jahrtausendwende werden Bubennamen immer femininer. Die Welt, in welche die Buben hineinwachsen, wird gleichberechtigter sein, als jene der Walter und Werners von einst. Die Grenzen der Geschlechter verschwimmen zusehends, mit einem Unisex-Namen sind die Noahs für alle Gender-Fälle gewappnet.

Mia: Das Bilderbuchmädchen

Ein Name so kurz wie schlicht. Gegen die Kurzform von Maria kann man gar nichts haben. Gefühlt in jedem zweiten Kinderbuch hüpft denn auch eine Mia lachend durch die Seiten. Fröhlich und ein bisschen frech, so wünschen sich Eltern heute wohl ihre Töchter. Der Name belegt noch einen weiteren Trend: Je kürzer, desto besser und je mehr Vokale, desto lieber. Namen, die sprichwörtlich jedes Kleinkind aussprechen kann. Regula und Hanspeter haben nie wirklich zu einem Baby gepasst. Und ein einjähriger Karl war doch noch kein richtiger Kerl. Die beliebtesten Vornamen sind in den letzten Jahrzehnten immer kindertauglicher geworden.Heute können Liam, Mia und Emma ihre Namen schon als Zweijährige aussprechen.

Emma: Die Internationale

Man muss auf der Namenshitliste 2018 lange suchen, bis man den ersten typischen Schweizer Name findet. Die Kinder von heute heissen nicht mehr Reto, Urs, Regula oder Jürg. Einzig die rätoromanischen Eltern beweisen noch Lokalkolorit und taufen ihre Nachkommen Curdin, Andrin oder Arina. Eine Emma hingegen hat namenstechnisch keine Heimat. Der Name tummelt sich auf der Hitliste von italienischen, französischen, englischen und schwedischen Eltern gleichermassen. Es ist der perfekte Namen für die digitalisierte Nomadin von morgen. Er lässt sich in allen Sprachen problemlos aussprechen, die Schreibweise ist durchglobalisiert und der berühmten weiblichen Vorbilder in Hollywood fehlt es – ob Emma Watson, Stone oder Thomson – nicht.

Liam: Der Musikalische

Liam ist der einzige Namen in der Namen-Top-Ten, der wie aus dem Nichts zu kommen schien. Vor ziemlich genau zehn Jahren waren sie plötzlich da; Babys, die Liam hiessen, und ihre Grosseltern vor Ausspracheprobleme stellten. Liam ist die irische Kurzform des männlichen Namens William und wird Englisch ausgesprochen. Doch die Liams kamen nicht von ungefähr, sie waren zumindest in den ersten Jahren ziemlich oft Abbild des musikalischen Geschmacks der Väter. Der Name des Sohnes eine kleine Ehrerbietung an Liam Gallagher: Frontmann der legendären englischen Band Oasis. Diese feierte ihre grössten Erfolge just, als heutige Jungväter ihre wilden Zeiten erlebten. Der Zeitgeist und der Umstand, dass Liam aus weichen Vokalen und Konsonanten komponiert ist, zudem kurz ist und international funktioniert, hat ihn nun ganz nach oben in die Hitliste gespült.

Greta kommt und mit ihr die Konsonanten

Mit einem anderen ungewohnten Namen dürfte in den nächsten Jahren in den Top-Ten gerechnet werden: Greta befindet sich noch auf den hinteren Rängen. Doch sie holt auf. Es wird auch wieder Zeit für etwas mehr Konsonanten, Ecken und Kanten in den Namen der künftigen Generation.