Kolumne

«Auf ein Wort»: Wenn jemand etwas «ferggt», dann hat er etwas ...

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zu einem Wort, das in modifizierter Form alle möglichen Bedeutungen haben kann.

Von der Sprachgeschichte her ist es falsch, bei faare nur an eine Bewegung auf Rädern oder auf dem Wasser zu denken. Althochdeutsch faran bezeichnete alle möglichen Arten der Fortbewegung, sogar den Flug der Vögel oder einer Sternschnuppe.

Die häufigste menschliche Bewegungsart war natürlich das Gehen. Man «fuor» mit dem Vieh zum Markt oder auf die Alp, und die «farenden Schuoler» zogen als Wanderstudenten von Stadt zu Stadt, um dort jeweils das Studium fortzusetzen.

«Landfarer, farend Lüt» waren herumziehende Bettler und Gaukler; sie hatten bei Bürgern und Polizei meist einen schlechten Ruf. Die Sesshaften dagegen besassen neben den Liegenschaften auch bewegliche Güter, die faare(n)di Haab oder Faarhab.

Eine wichtige Tätigkeit des Bauern ist das Pflügen, z Acher faare. Nach der Ernte gelangten die beladenen Wagen durch den (auch die, das) Iifaar in die Scheune.

Zum Überqueren eines Flusses gab es häufig statt einer Brücke ein Faar, eine Fähre. An vielen Orten, auch wenn die Fähre schon lange nicht mehr besteht, ist der entsprechende Name erhalten geblieben: An der Aare bei Flumenthal, Wolfwil und Boningen, mehrfach an der Reuss zwischen Ottenbach und Rotkreuz und schliesslich an der Limmat bei Dietikon mit dem bekannten Benediktinerinnenkloster Fahr.

Jetzt bin ich fast fertig. Fertig, das hiess ursprünglich ‹bereit zur Fahrt›, also gewissermassen «fährtig», und zugleich mit dem Bereitsein ist auch ein Abschluss erreicht. Das Verb fertigen (befördern, abliefern, abwickeln) kannte man im Schweizerdeutschen ebenfalls, aber meist in der Form fergge.

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