Kolumne

«Auf ein Wort»: Momentan braucht es viele Gütterler, also viele ...

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zu einem Wort, das heutzutage verschiedene Bedeutungen hat, ursprünglich aber eine Körperregion benennt.

Die Guttere ist heute synonym mit der Flasche, aber ursprünglich gab es wesentliche Unterschiede: Anders als etwa eine Gasflasche besteht die Guttere nie aus Metall, ausserdem hat sie eine bauchige Form und einen engen Hals.

Ihre sprachliche Verbreitung konzentriert sich auf den Südwesten des deutschen Sprachgebietes. Hinter dem Wort steht lateinisch guttur (Kehle, Kropf); von der Kehle produzierte Laute heissen ja Gutturale.

Die Kugelform des Kropfes hat offenbar der bauchigen Guttere den Namen verschafft. Es gab sie in allen Grössen, teilweise mit Geflecht umgeben (Schaub-, Strauguttere); oft enthielt sie Wein, Essig oder Gebranntes (Wii-, Essig-, Schnapsguttere).

Ein Mensch mit markantem Bauch oder ein Säufer wurde ebenfalls Guttere genannt. Für die Weinflasche gibt es zwei weitere Wörter, nämlich Schlegel (nach der keulenartigen Form) und Butälli, Budälle (französisch bouteille).

Beide haben etwa die heute übliche Grösse (3/4 l) und sind noch seltener geworden als die Guttere. Das Gütterli brauchte man etwa als Schoppe-, Tinte- oder Schmöckigütterli, vor allem aber als Mediziin-, Toktergütterli.

Daher sagte man den Quacksalbern vielerorts Gütterlitokter oder Gütterler. Im Kanton Schaffhausen nannte man wegen ihrer auffälligen Form auch die Stachelbeeren Gütterli.

Beim Verb vergütterle ist der Zusammenhang schwer zu verstehen. Wenn jemand schier vergütterlet, sei es vor Ungeduld, Ärger oder Kälte, dann könnte man allenfalls an ein Gütterli denken, das plötzlich einen Sprung bekommt und zerbricht. Aber es fehlen Beweise, denn es bleibt ja – zum Glück – immer beim «schier».

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