Hier also hat der stolze Julius Cäsar eine bittere Niederlage erlitten 52 v. Chr. Mit seinen Legionen versuchte der römische Feldherr während des Gallischen Krieges, die Stadt Gergovia einzukesseln und einzunehmen, die gut befestigte Hauptstadt der Averner. Vergeblich. Das römische Imperium stiess auf erbitterten Widerstand, Cäsar musste sich schliesslich zurückziehen. Bei der Schlacht erlitt seine Armee schwere Verluste. Angeführt wurden die gallischen Truppen vom jungen Keltenfürsten Vercingetorix. Er wird seither als Held gefeiert.

Gut 2070 Jahre später stehen wir am Rand des Hochplateaus oberhalb des heutigen Gergovie im Herzen Frankreichs, eine 13-köpfige, bunt durchmischte Gruppe aus Österreichern, Deutschen und Schweizern. Der Blick schweift über die weite, fruchtbare Ebene und die saftigen, grünen Wiesen zu den Vulkankegeln rundherum. Archäologe und Reiseleiter Klaus Schindl zeigt, wo es zu den schweren Zusammenstössen kam, wo die Befestigungsanlagen standen, wo die Strassen durchführten, wo sich die Siedlungen und das Legionslager befanden.

Auch wenn die gallische Stadt zu den bekanntesten archäologischen Fundstellen Frankreichs zählt, ist auf dem weitläufigen Gelände erst ein Prozent ausgegraben, schätzen die Experten. Seit 2013 erforscht der Archäologe Peter Jud die symbolträchtige Stätte in der Auvergne.

Die Arge Archäologie mit Sitz in Wien bietet Grabungs- sowie Studienreisen für kleinere Gruppen an. Zum einwöchigen Aufenthalt gehören eine Einführung in die Geschichte des Grabungsprojekts und der untersuchten Kultur, die theoretische und praktische Vermittlung der Methoden der Archäologie sowie die fachlich begleitete tägliche Mitarbeit an der Grabung. Die Kosten belaufen sich in der Regel auf rund 1700 Franken inklusive Hotel, Frühstück und Mittagessen, aber ohne Hin- und Rückreise. (mhu)

Ausflug in die Antike

Die Arge Archäologie mit Sitz in Wien bietet Grabungs- sowie Studienreisen für kleinere Gruppen an. Zum einwöchigen Aufenthalt gehören eine Einführung in die Geschichte des Grabungsprojekts und der untersuchten Kultur, die theoretische und praktische Vermittlung der Methoden der Archäologie sowie die fachlich begleitete tägliche Mitarbeit an der Grabung. Die Kosten belaufen sich in der Regel auf rund 1700 Franken inklusive Hotel, Frühstück und Mittagessen, aber ohne Hin- und Rückreise. (mhu)

Der wissenschaftliche Leiter ist im Aargau aufgewachsen, lebte später im Raum Basel und wohnt heute in Lyon. Ein grosser, blau-roter FC-Basel-Aufkleber auf seinem weissen Kleinwagen erinnert an seine Wurzeln. Jud war es, der vor drei Jahren für einen aufsehenerregenden Fund sorgte, als er auf das Haupttor von Gergovia stiess und es freilegen konnte.

Seit diesem Jahr besteht auch für Laien die Gelegenheit, bei der Ausgrabung – Seite an Seite mit den Archäologen – mitzuforschen und zu helfen, weitere Geheimnisse der Keltenstadt zu enträtseln. Davon hat es noch einige, ist Jud überzeugt. Er hat genaue Vorstellungen davon, wo er graben möchte. «Es gäbe viel zu tun», stellt er auf unserem Spaziergang trocken fest.

Exkursionen gehören zum dichten Programm – wie hier zum Puy de Dôme mit dem rekonstruierten Merkurtempel.

Exkursionen gehören zum dichten Programm – wie hier zum Puy de Dôme mit dem rekonstruierten Merkurtempel.

Kindheitstraum wird wahr

In unserer Gruppe reicht das Altersspektrum von 30-jährig bis ins Pensionsalter: Die emeritierte Professorin aus Ulm entschied sich einst gegen das brotlose Archäologie- und stattdessen für ein Physikstudium. Sie hat das Interesse an der Erforschung des Altertums aber nie verloren. Die Österreicherin, die in Linz arbeitet, verschlang früher sämtliche Asterix-Bücher und erfüllt sich nun einen Kindheitstraum.

Für den geschichtsbegeisterten Lokführer aus dem Aargau ist die Grabungsreise ein Geburtstagsgeschenk. Organisiert hat die Überraschung seine Frau, die ebenfalls mit von der Partie ist.

Wir alle sind gespannt auf den Austausch mit den Forschern und Studenten und erleben, wie aufwendig und anstrengend, aber auch wie beglückend diese Tätigkeit sein kann.

Gleich Anfang Woche fliesst der Schweiss, die Sonne brennt, heizt das Basalt-Gestein gnadenlos auf. Wir sind mit Schaufel und Schubkarre, mit Hacke und Spitzkelle zugange. Säuberlich tragen wir die oberste Humusschicht ab und legen die darunterliegenden Steine frei.

Die Erfolgserlebnisse lassen nicht lange auf sich warten: Zum Vorschein kommen zahlreiche Keramikscherben, ein ganzer Amphorenfuss, mehrere Nägel. Alles wird – damit es später zweifelsfrei zugeordnet und von den Archäologen gereinigt und weiter untersucht werden kann – vorsichtig in eine Kiste gelegt. Unsere trägt die Nummer 430.

Die Tätigkeit ist ungewohnt

Der eine oder andere hat zwar schon an einer Grabungsreise teilgenommen, für die meisten aber ist die Arbeit ungewohnt, für den Rechtsanwalt in unserer Gruppe genauso wie für den Mitarbeiter der Forschungsabteilung eines grossen Autozulieferers. Trotz körperlicher Anstrengung ist die Stimmung gut. «Heute Abend gönne ich mir ein kühles Bier», sagt ein Teilnehmer schon vor dem Mittagessen.

Zum Lunch marschieren die Mitglieder des Teams hurtigen Schenkels in die «Hutte Gauloise», das gemütliche und, wie sich herausstellt, lebhaft besuchte Gasthaus nahe der Grabungsstelle.

Auf den Tisch kommt währschafte Kost, diesmal Schaffleisch, Couscous und Crème brûlée. Im Säli im hinteren Teil herrscht bald ein munteres Stimmen- und Sprachgewirr.

Unmittelbar beim Lokal steht das 1903 geschaffene, dem Nationalhelden Vercingetorix gewidmete Denkmal mit den drei Säulen und dem Flügelhelm obendrauf.

Die Gruppe findet die erste Silbermünze. Zu sehen ist ein Pferd samt Reiter.

Die Gruppe findet die erste Silbermünze. Zu sehen ist ein Pferd samt Reiter.

Vom ästhetischen Standpunkt her mag die Skulptur nicht über alle Zweifel erhaben sein, gleichwohl ist sie ein beliebtes Ausflugsziel. Ein weiterer Vercingetorix ist zu finden im benachbarten, nördlich gelegenen Clermont-Ferrand, der Stadt mit 140 000 Einwohnern, in der unser Hotel liegt. Geschaffen wurde dieses Denkmal von Frédéric-Auguste Bartholdi, dem Schöpfer auch der Freiheitsstatue. Es zeigt den Keltenfürsten hoch zu Ross mit erhobenem Schwert. Ursprünglich, erzählt der wissenschaftliche Leiter Peter Jud als Anekdote, sei die Skulptur nur als Modell gedacht gewesen. Das fertige Werk hätte – wäre es nach dem Bildhauer gegangen – monumentale Ausmasse annehmen sollen. Davon wisse heute kaum mehr jemand.

Mehr als nur Buchwissen

Zu erfahren ist im Verlauf der Reise Amüsantes, Wissenswertes und Überraschendes zur Geschichte des Grabungsorts. Zum dichten Programm gehören Keramik-Kunde – das sogenannte Scherbenseminar – sowie Vorträge zu Vermessungskunde und Grabungsmethodik.

Reiseleiter Klaus Schindl plaudert aus dem Nähkästchen und vermittelt uns ein Wissen, das es so nicht in Büchern gibt. Er geht auf das politische Spannungsfeld ein, in dem sich die Archäologen bewegen, auf die administrativen Hürden sowie die Finanzierung einer Grabung.

Sonst hat er oft ein Lachen im Gesicht, hier ist er konzentriert: Der Österreicher Klaus Schindl ist Archäologe und Reiseleiter.

Sonst hat er oft ein Lachen im Gesicht, hier ist er konzentriert: Der Österreicher Klaus Schindl ist Archäologe und Reiseleiter.

Der 30-jährige Österreicher gehört zum kleinen Team der Arge Archäologie aus Wien, die sowohl Grabungs- als auch Studienreisen anbietet. Wir Teilnehmer tragen mit unserer Anwesenheit nicht nur dazu bei, dass neue Erkenntnisse zum geschichtsträchtigen Areal gewonnen werden können, sondern unterstützen das Grabungsprojekt mit einer Spende, die im Reisepreis inbegriffen ist.

Schindl führt uns am ersten Tag zum Vulkan Puy de Dôme mit dem einmaligen, rekonstruierten Merkurtempel sowie zum Oppidum – der befestigten Siedlung – nach Corent. Auf engen Strässchen geht es zu einem Dolmen, einer aus Steinblöcken errichteten Grabstätte, sowie zu mittelbronzezeitlichen Hügelgräbern. Und spontan legen wir einen Halt ein bei der Église de Saint Nectaire, der romanischen Kirche auf dem Mont Cornadore.

Die erste Silbermünze

Neben Exkursionen und Theorie nimmt selbstverständlich die Praxis die meiste Zeit ein, sprich: die begleitete Grabungstätigkeit. Die Temperaturen sind angenehmer in den folgenden Tagen, oft weht ein Lüftchen, manchmal ein kräftiger Wind, dann und wann ziehen Wolken vorbei, ein kurzer, heftiger Regenschauer fehlt ebenfalls nicht.

Am dritten Tag muss die Grabungsstelle gereinigt werden, damit die Situation fotografisch festgehalten werden kann.

Das benzinbetriebene Stromaggregat – und der angeschlossene Industriestaubsauger – leisten ihren Dienst allerdings nicht nach Wunsch, gefragt ist einmal mehr Handarbeit, um auch die letzten Erdkrümel zu entfernen. Dabei findet unsere Gruppe unvermittelt die erste Silbermünze. Abgebildet ist ein Pferd samt Reiter. Das Herz schlägt einmal mehr höher auf unserem faszinierenden Ausflug in die Antike – auf den Spuren der Keltenstadt des Vercingetorix.

Die Reise wurde ermöglicht durch die Arge Archäologie.