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Audi RS6 oder BMW B5 Biturbo? Wir klären, wer das grösste Kraftpaket anbietet

Die Vorzeigemodelle von BMW und Audi: der B5 Biturbo und der RS6.

Die Vorzeigemodelle von BMW und Audi: der B5 Biturbo und der RS6.

Stark motorisierte Allradkombis sind in der Schweiz beliebt: Audi legt den RS6 neu auf, BMW-Alpina geht mit dem B5 Biturbo an den Start.

BMW Alpina – Der Unscheinbare

Auf den ersten Blick ein ganz normaler BMW-5er-Kombi. Keine breiten Backen, keine grossen Lufteinlässe und keine riesigen Auspuffendrohre. Genau darum ist der BMW-Alpina B5 Biturbo für einen kleinen Kreis von Kennern das richtige Auto. Nur die filigranen 20-Zoll-Felgen, der zusätzliche Frontspoiler mit Alpina-Schriftzug und die vier verchromten Endrohre am Heck verraten, dass es sich eben nicht um einen normalen 5er handelt.

Alpina ist ein Kleinserienhersteller, der knapp 2000 Autos im Jahr produziert. Als Basis nimmt das Familienunternehmen aus Buchloe im Allgäu (D) BMW-Modelle, die aber in allen zentralen Punkten überarbeitet werden. Immer nach dem Grundsatz: «Etwas Besonderes fahren, ohne damit aufzufallen.» So nimmt sich Alpina zunächst des Interieurs an und reichert die BMW-Basis mit blau hinterlegtem Tacho und Drehzahlmesser der digitalen Instrumente an. Eine Plakette mit Produktionsnummer auf dem Getriebetunnel verdeutlicht, dass es sich hier eher um einen Massanzug als um einen Kombi von der Stange handelt.

Auf Wunsch hüllt Alpina das Interieur in feinstes Leder, alles genau nach Kundenwunsch. Immer mit hochwertigstem Leder bezogen ist das Lenkrad, das ausgesprochen fein in der Hand liegt – und damit einen guten Vorgeschmack darauf gibt, was den Fahrer erwartet.

Bietet zahlreiche Features, die das Fahren zum Vergnügen machen: der BMW-Alpina B5 Biturbo.

Bietet zahlreiche Features, die das Fahren zum Vergnügen machen: der BMW-Alpina B5 Biturbo.

Kultiviert und gediegen

Der BMW-Alpina B5 Biturbo will kein brettharter Sportkombi sein. Vielmehr verkörpert er eine kultivierte, Sportlichkeit. Deren Kern ist der Antrieb: Ein 4,4-Liter-V8-Biturbo aus dem BMW-Regal, den Alpina mit neuen Innereien und Turbo­ladern tiefgreifend überarbeitet. Das macht den V8 souverän und verleiht ihm gediegene Laufruhe kombiniert mit einer gleichmässigen Kraftentfaltung, die in 608 PS und 800 Nm Drehmoment gipfelt. So sprintet der unscheinbare Kombi in 3,7 Sekunden auf 100 km/h und kürt sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 322 km/h zum schnellsten Kombi der Welt.

Dass das im realen Strassenalltag kaum eine Rolle spielt, scheinen die Entwickler bei Alpina sehr wohl zu wissen. Auch wenn der Kombi das Zeug dazu hätte, manchen Sportwagen alt aussehen zu lassen, verleitet er seinen Fahrer nicht dazu, dies auch auszureizen. Vielmehr gibt er sich als komfortabler Reisewagen mit immensen Leistungsreserven und vorzüglichem Federungskomfort durch das tiefgreifend überarbeitete Fahrwerk mit Luftfederung an der mitlenkenden Hinterachse.

Umso erstaunlicher, dass der B5 im Sportmodus auch auf kurvigen Strecken restlos überzeugt. Er hat seine zwei Tonnen Leergewicht gut im Griff. Er wirkt sehr fahraktiv und agil – dank Allradantrieb aber immer spurstabil und sicher. Auch hier setzt der Kleinserienkombi nicht auf Effekthascherei, sondern auf Perfektion, die ihresgleichen sucht; erst recht in einer Kombikarosserie mit 570 bis 1700 Litern Ladevolumen.

Der BMW Alpina ist ein Kraftprotz und lässt manchen Sportwagen alt aussehen.

Der BMW Alpina ist ein Kraftprotz und lässt manchen Sportwagen alt aussehen.

Ein Ausrufezeichen setzt der Kombi überraschenderweise an der Tankstelle: Alpina gibt einen Verbrauch von 10,9 l/100 km an, was der B5 im Test um 1,5 Liter unterbietet. Auf gemütlich gefahrenen Autobahnetappen, wo die Zylinderabschaltung wirken kann, sinkt der Verbrauch gar auf weniger als 8 l/100 km. Ein sensationeller Wert für einen Kombi mit mehr als 600 PS. Daran gemessen ist auch der Grundpreis von 129800 Franken absolut fair – denn man kriegt dafür nicht weniger als eines der besten und vielseitigsten Autos am Markt.

Audi RS6 – Der Superheld

«Der RS6 ist der Superheld der A6-Baureihe», erklärt Audi-Designer Andreas Koglin. Nur das Dach, die vorderen Türen und der Kofferraumdeckel wurden vom regulären A6 Avant übernommen. Alle anderen Karosserieteile seien für den Hochleistungskombi neu gestaltet worden. So ist das Topmodell rund 80 Millimeter breiter als seine zivileren Brüder. Dank neuen LED-Scheinwerfern, grossen Lufteinlässen an der Front und massiven Endrohren am Heck zeigt er klar und deutlich, dass es sich hier nicht einfach um einen normalen Kombi handelt. Zwar bleiben das Raumangebot und der Kofferraum mit 565 bis 1680 Litern Volumen grosszügig und urlaubstauglich. Hauptargument für diesen Kombi dürfte bei den meisten Kunden aber nicht der Kofferraum sein, sondern eher, was unter der vorderen Haube steckt: Ein 4,0-Liter V8-Benziner mit 600 PS und 800 Nm Drehmoment. So soll der Sport-Kombi in 3,5 Sekunden auf 100 km/h sprinten.

Der Audi RS6 überzeugt mit seiner Wendigkeit und einer hochwertigen Verarbeitung.

Der Audi RS6 überzeugt mit seiner Wendigkeit und einer hochwertigen Verarbeitung.

Auf der ersten Testfahrt überzeugt der RS6 aber zunächst mit seiner sanften Seite. Im Gegensatz zur kraftstrotzenden Optik und dem kräftigen Bollern des Motors beim Start wirkt der Superhelden-Kombi erstaunlich brav. Der Motor wirkt elastisch und dezent, gibt sich zudem alle Mühe, Sprit zu sparen. Bei geringer Last schaltet der Motor vier Zylinder ab, beim Rollen schaltet er sich dank 48-Volt-Mildhybrid komplett aus. Die 8-Gang-Automatik schaltet früh hoch und hält die Drehzahl tief – Audi verspricht einen Durchschnittsverbrauch von 11,5 l/100 km. Dank guter Geräuschdämmung und feinem Federungskomfort ist der RS6 also auch als gediegener Reisewagen zu gebrauchen. Serienmässig ist eine höhenverstellbare Luftfederung verbaut, die einen guten Spagat zwischen sanftem Federungskomfort und sportlicher Härte schafft.

Sportwagen und normaler Kombi

Gegen Aufpreis ist ein Sportfahrwerk mit Stahlfedern und hydraulischem Wankausgleich erhältlich. Damit wird der Kombi zwar einen Tick sportlicher, verliert im Alltag aber auch Komfort; insofern lohnt sich dieser Aufpreis also kaum.

Auch von innen elegant und modern: der Audi RS6.

Auch von innen elegant und modern: der Audi RS6.

So oder so überzeugt der Sport-Kombi auf der ersten Testfahrt mit viel Grip dank Allradantrieb und Wendigkeit dank zusätzlicher Hinterachslenkung. Der RS6 scheint weder Unter- noch Übersteuern zu kennen und nimmt Kurven mit beachtlicher Neutralität; so legt man kurvige Strecken ohne grossen fahrerischen Aufwand zurück – und genau das schätzen Kunden am sportlichsten Audi-Kombi.

Dass die Lenkung etwas wenig Rückmeldung bietet und der Motor noch etwas direkter ansprechen könnte, fällt daher kaum ins Gewicht. Viel eher schätzt man, dass der RS6 durchwegs hochwertig verarbeitet ist und, wie auch der normale A6, ein breites Angebot an Fahrassistenzsystemen und Komfortausstattungen bietet. Vor allem aber wird er gekauft, weil er eben trotz immensem Vortrieb auch ein ganz normaler Kombi sein kann; von der bulligen Optik einmal abgesehen.

So setzt die vierte Generation das Erfolgsrezept des sportlichen Kombis bei Audi gekonnt fort und dürfte sich weiterhin hoher Beliebtheit erfreuen; fast jeder zehnte A6-Kombi war bislang in der Schweiz ein RS-Modell. Und das trotz hohem Preis: Mindestens 149500 Franken kostet der Audi RS6 Avant, wenn er ab Dezember beim Händler steht.

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