Was sollen Nachfahren einer verstorbenen Person mit deren Fotoalben tun, mit Schachteln voller Leidbildchen von schon früher verstorbenen Bekannten? Einfach fortwerfen? «Auf keinen Fall», findet Bernhard Wirz. Einmal fortgeworfen, sei das Material unwiederbringlich verloren.

Wirz ist leidenschaftlicher Ahnenforscher. Er archiviert Porträtfotos und Lebenseckdaten dazu und macht diese seit 2011 öffentlich zugänglich: Das Vorstandsmitglied der Zentralschweizerischen Gesellschaft für Familienforschung Luzern (ZGF) ist Initiant eines Porträt-Archivs von Verstorbenen im Internet. Es handle sich um eine Datenbank, wie es sie sonst nirgendwo gebe, versichert Wirz. Das Porträt-Archiv steht unter dem Patronat der ZGF und wird von den Staatsarchiven der Kantone Luzern und Nidwalden unterstützt.

Jeder kann stöbern und ergänzen

Im November 2011 waren die ersten 1000 Porträts von Verstorbenen online einsehbar. Mittlerweile sind es 70 000. Die momentan älteste erfasste Person hat Jahrgang 1670; anstelle eines Fotos ist ein Gemäldeporträt aufgeschaltet. Täglich kommen 100 bis 200 Einträge dazu. Das Portal zieht von der Zentralschweiz aus immer grössere Kreise: Es existiert bereits in einer französischen Version, eine englische ist in Vorbereitung.

Das Porträt-Archiv ist ein Mitmachprojekt: Jedermann kann Daten eingeben und Bilder hochladen. Wer online auf eine ihm bekannte Person stösst, zu der noch Angaben wie Ledigname oder Bürgerort fehlen, kann den Eintrag ergänzen. Besucher können nach einem bestimmten Familiennamen oder nach Einträgen zu einer Gemeinde suchen. Auch Verwandtschaftsbeziehungen lassen sich darstellen.

Wird das Portal heute vorwiegend privat genutzt, um nach verstorbenen Verwandten oder Bekannten zu suchen, sieht Initiant Bernhard Wirz für die Zukunft auch einen öffentlichen Nutzen: «Diese elektronische Ahnengalerie wird in einigen Jahren zu einem historischen Schatz», sagt der Rentner. «Das Porträt-Archiv könnte für die Suche nach einer verstorbenen Person zu einer unverzichtbaren Institution werden.»

Hunderte von begeisterten Zuschriften hat Wirz bis heute erhalten. Daneben eine Handvoll Mitteilungen von Menschen, die sich daran stören, dass ein Porträtbild eines ihnen nahestehenden Verstorbenen online zu sehen ist. «Auf Wunsch löschen wir einen Eintrag sofort», sagt er.

Das Archiv halte sich an das Datenschutzgesetz, hält Wirz fest. Es würden nur Daten publiziert, die zuvor bereits öffentlich zu sehen waren, etwa in einer Todesanzeige oder Danksagung. Der Autor oder die Autorin des jeweiligen Eintrags muss seine Quellen angeben.