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Abtauchen in die blaue Welt im Roten Meer

Das Hausriff des Hotels Mövenpick in El Quseir in Ägypten ist eines der schönsten weltweit. Die Tauchschule Extra Divers steht – wie das Hotel – unter Schweizer Führung. Dort ist der Autor abgetaucht.

Zischend entweicht die Luft aus dem Jackett. Zentimeter um Zentimeter tauche ich ins Salzwasser ein. Die Welt wird blau. Ich versuche, langsam zu atmen, um Sauerstoff zu sparen, aber es will mir nicht recht gelingen. Ich bin nervös – gut ein Jahr ist seit meinem letzten Tauchgang verstrichen. Genau deshalb steht als Erstes der «Welcome-Dive» auf dem Programm, wie mir Marc Hügi, der die Tauchbasis von Extra Divers in El Quseir leitet, später erklären wird: «Wir möchten wissen, ob unsere Gäste fürs Tauchen fit sind – auch wenn sie die nötige Prüfung schon haben.»

Onlineredaktor Dominic Kobelt beim Tauchen

Onlineredaktor Dominic Kobelt beim Tauchen

Das Hausriff des Hotels Mövenpick in El Quseir in Ägypten ist eines der schönsten weltweit. Die Tauchschule Extra Divers steht – wie das Hotel – unter Schweizer Führung. Dort ist der Autor abgetaucht. Musik: bensound.com

Als mein Atem dann etwas langsamer geht, schwebe ich ruhig im Wasser, schwerelos. Mein Blick schweift über riesige Korallenwände. Farbenfroh wie die Street Parade, ruhig wie eine schlafende Katze erstreckt sich eine Welt vor mir, die man ausschliesslich beim Tauchen erleben kann. Jeder Atemzug durch das Mundstück führt mir vor Augen, dass ich in dieser Welt ein Fremdkörper bin, der ohne Hilfsmittel nicht überleben kann. Und doch: Jede Makrele, die an mir vorbeischwimmt, jeder Kugelfisch, der mir mit seinen Glupschaugen einen flüchtigen Blick zuzuwerfen scheint, widerspricht diesem Gedanken. In dieser Stunde, die ich in die blaue Welt eintauche, scheine ich mit ihr zu verschmelzen. Die Fische – so stelle ich es mir vor – halten mich auch für einen Fisch. Sie ergreifen nicht die Flucht. Bei Wildtieren an Land wäre das meist ein Grund zur Besorgnis.

Die Vorteile eines Hausriffs

Das Hausriff des Hotels Mövenpick in El Quseir, wo wir uns befinden, wurde von einem Tauchmagazin zum zweitschönsten Hausriff der Welt gewählt. Die meisten Gäste sind nicht zum ersten Mal hier in den Ferien, das geht so weit, dass einige besonders regelmässige Besucher in einem «Walk of Fame» verewigt wurden. «Wir sind schon hierhergekommen, als unsere Kinder noch jung waren», erzählt eine Touristin aus Deutschland. «Weil das Riff direkt vor dem Hotel liegt, benötigt man für die Tauchgänge wenig Zeit – so konnte jeweils einer von uns auf die Kinder aufpassen, während der andere beim Tauchen war.»

Marc Hügi nennt einen weiteren Vorteil: «Wir haben viele Gäste, die 60 Jahre und älter sind. Bei uns bekommt man die Sauerstoffflasche und den Bleigürtel auf dem Steg, von dort aus kann man direkt ins Wasser springen und muss mit der Ausrüstung keine weiten Wege mehr zurücklegen.» Wer nicht tauchen möchte, der kann die Wasserwelt auch beim Schnorcheln entdecken.

Hat man das traumhafte Hausriff ausreichend erkundet, empfehlen sich Ausflüge mit dem Bus oder dem Speedboat. Mit Letzterem ist bereits die Fahrt ein Erlebnis: Als wir zum Tauchplatz «Aquarium» unterwegs sind, springt in einiger Entfernung etwas aus dem Wasser. Das Boot verlangsamt seine Fahrt und hält darauf zu. Als sich eine Welle auftürmt, sind darin über ein Dutzend Delfine zu sehen. Anmutig gleiten sie durch das unruhige Wasser, springen knapp neben dem Boot heraus, sodass man sie fast berühren könnte. Sie begleiten das Boot ein paar Minuten, umkreisen es spielerisch und elegant, als wäre es Teil des Schwarms. Ich lächle.

Und es ist nicht das letzte Mal, dass mich die Tiere im Roten Meer in andächtiges Staunen versetzten. Blaupunktrochen, die ufoähnlich über den Sandboden schweben, riesige Muränen, die böse schnauben, ein Barracuda, der seine beeindruckend scharfen Zähne zur Schau stellt, während er sich von kleineren Fischen putzen lässt – es bleiben viele Erinnerungen im Gedächtnis haften. Und seien es auch nur die kleinen Anemonenfische, die sich unerschrocken vor ihrem Heim aufbauen, als wollten sie es vor den Tauchern beschützen, ungeachtet des Grössenunterschieds.

In die Natur integriert

Wird das Tauchen je langweilig? «Nein», sagt Hügi, der in seinem Bürostuhl sitzt und die beiden Katzen der Tauchschule, Scuba und Nitrox, abwechselnd hinter den Ohren krault. 9642 Tauchgänge hat der Schweizer vorzuweisen. «Eigentlich bin ich ein hektischer Mensch. Das Tauchen bringt mir Entspannung», erklärt er. «Und obwohl mein Wissen schon recht gross ist, dazulernen kann man immer.» Eines seiner schönsten Erlebnisse: Die Begegnung mit einem Walhai, der durch die Bucht schwamm.

Das Angebot des Hotels Mövenpick und der Tauchschule Extra Divers ist preislich im oberen Segment angesiedelt – zumindest für ägyptische Verhältnisse. Dafür lassen Service, Ausrüstung und Angebot nichts zu wünschen übrig. Das ist besonders bei Schweizern beliebt, sie machen mit Abstand die grösste Gruppe der Gäste aus.

Auch die Leitung des Hotels ist in Schweizer Hand. Simone Höch ist, mit einigen Unterbrüchen, schon seit 17 Jahren in Ägypten. «Bevor Mövenpick das Hotel gebaut hat, war hier Wüste. Der Auftrag an die Architekten war, etwas zu entwerfen, das sich in die Natur integriert», erzählt Höch. Der schlichte, elegante Bau passt in die Landschaft zwischen Sandsteingebirge und Meer, als wäre er schon immer da gewesen. Besonders geniessen kann man das, wenn man sich am Abend in der Bar «Top of the Rocks» eine Wasserpfeife und einen Drink gönnt. Der warme Stein, Kerzenlicht und Wellenrauschen – reinste Entspannung.

Hotel und Tauchschule betätigen sich aktiv im Umweltschutz. Die Angestellten säubern regelmässig den Strand, Abfall wird getrennt, Wasser wiederaufbereitet. Das Hausriff wird regelmässig von einem Biologen inspiziert, zudem werden Korallen gezüchtet und im Meer angesetzt. Aus Umweltschutzgründen dürfen pro Tag auch nur 120 Leute das Riff betauchen – diese Grenze wird aber selten erreicht und wenn, dann kann man auf andere Tauchplätze ausweichen.

Die spanische Tänzerin

Zum Abschluss meiner Reise buche ich einen Nachttauchgang. Kurz vor der Dämmerung springen wir ins Wasser, das angenehm warm ist, schalten die Stablampen an und lassen uns sinken. Die Dunkelheit bricht herein. Und obwohl ich mich überwinden musste, mich für dieses Abenteuer einzuschreiben, spüre ich im Wasser nichts mehr von diesem Unbehagen. Als wolle mich die Natur für meinen Wagemut belohnen, dürfen wir an diesem Abend ein weiteres Spektakel erleben: Eine Spanische Tänzerin löst sich von einem Felsen und macht ihrem Namen alle Ehre. Die Schnecke bewegt ihren feuerroten Körper, steigt im Lichtkegel empor, und tatsächlich sieht es aus, als würde sie tanzen. Ein roter Rock, der sich schwungvoll durchs Salzwasser bewegt. Beinahe kann man Flamenco hören.

Der Autor war auf Einladung von Manta Reisen in El Quseir.

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