Virus
Labors bauen Kapazitäten für Corona-Tests aus – aber es reicht längst nicht für alle mit Symptomen

Von Sonntag auf Montag wurden in der Schweiz 2250 Proben auf Corona getestet. Gewissheit kriegt nur, wer besonders gefährdet ist oder in der Pflege arbeitet.

Niklaus Salzmann
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Bei Labor Dr. Risch in Buchs SG und Liebefeld BE werden derzeit täglich 350 Proben auf Corona getestet.

Bei Labor Dr. Risch in Buchs SG und Liebefeld BE werden derzeit täglich 350 Proben auf Corona getestet.

Michael Zanghelini/freshfocus

Wer Fieber hat und hustet, fragt sich sofort: Bin ich mich mit dem Coronavirus infiziert? Die Antwort zu kriegen, kann schwierig sein. Die Kapazitäten reichen nicht aus, um sämtliche Menschen mit Symptomen zu testen. Durchgeführt wird der Test, wenn eine Person mit Symptomen möglicherweise im Spital behandelt werden muss, über 65 Jahre alt ist, an einer Vorerkrankung leidet oder in der Pflege arbeitet.

Von Sonntag auf Montag wurden laut Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim Bund, 2250 Tests durchgeführt. «Wir testen so viel wie überhaupt möglich», sagte er gestern gegenüber den Medien. Die Kapazität werde laufend ausgebaut und es kämen neue Labors dazu. «Das kann morgen mehr und in einer Woche sehr viel mehr sein.» Am Montag hatte Bundesrätin Viola Amherd dem Labor Spiez, das ihrem Departement unterstellt ist, personelle Unterstützung durch die Armee zugesagt.

Doppelt so viele Tests ­angestrebt

Ein weiteres Labor, das Corona-Tests durchführt, ist das Labormedizinische Zentrum Dr. Risch. An den Standorten Bern-Liebefeld und Buchs SG können derzeit insgesamt 350 Tests pro Tag durchgeführt werden. «Wir arbeiten mit Hochdruck auf eine Verdoppelung der Kapazität hin», sagt CEO Martin Risch. Noch werde nicht rund um die Uhr gearbeitet, doch die Betriebszeiten würden kontinuierlich ausgebaut. Zudem soll diese Woche ein neuer Test in Betrieb genommen werden, für den Roche am vergangenen Freitag die Zulassung erhalten hat. Er läuft auf einem Gerät, das beim Labor Dr. Risch bereits vorhanden ist.

Roche kann pro Monat mehrere Millionen dieser Tests ausliefern. «Wir liefern in Absprache mit den Behörden dorthin, wo der medizinische Bedarf am grössten ist», heisst es bei der Medienstelle gegenüber dieser Zeitung. Auch an Kunden in der Schweiz seien bereits erste Tests geliefert worden.

Am Montag hatte Tedros Adhanom, Generaldirektor der Weltgesundheitsdirektion, aufgerufen, das Testen auszubauen. «Wir haben eine einfache Botschaft: testen, testen, testen», sagte er in Genf. Laut Daniel Koch vom Bund bezog sich dieser Appell jedoch auf diejenigen Länder, in denen die Epidemie weniger weit fortgeschritten ist und ein Stoppen noch möglich sein könnte. In Europa sei diese Phase vorbei.

Das Testregime der Schweiz wurde in den vergangenen Tagen vom Lausanner Epidemiologen Marcel Salathé kritisiert. Er fordert eine massive Ausweitung der Tests. In Südkorea scheint es dank flächendeckenden Test gelungen zu sein, die Ausbreitung des Virus massiv zu verlangsamen. Südkorea soll inzwischen 20'000 Tests pro Tag schaffen, also fast das Zehnfache der Schweiz – dies aber auf eine Bevölkerung von 50 Millionen.

Über die Lage in der Schweiz sagt Daniel Koch:

Es ist unmöglich, alle zu testen, die auch nur den kleinsten Schnupfen haben.

Die Kapazität muss gesteigert werden, weil sich das Virus weiter ausbreitet, doch auch in Zukunft wird laut Koch nicht flächendeckend getestet, sondern sehr gezielt. So wurden auch zwanzig Personen mit Symptomen, die mit drei am Coronavirus erkrankten Armeeangehörigen in Airolo in Kontakt standen, nicht getestet. Auch ohne Testresultate müssen alle Menschen mit verdächtigen Symptomen den öffentlichen Raum meiden.