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Konstanz? Nein! Bijou abseits der Massen am Bodensee

Warum nur fährt alles nach Konstanz? Am anderen Ende des Untersees wartet Radolfzell.

Silvia Schaub
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In der Altstadt von Radolfzell kann man ohne Gedränge shoppen.

In der Altstadt von Radolfzell kann man ohne Gedränge shoppen.

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Fast lautlos gleitet die «Helio» vom Hafen Radolfzell über den Untersee Richtung Mettnauer Halbinsel. Wir stehen auf dem elektrisch angetriebenen Katamaran mit Solardach und haben das Gefühl, über den See zu schweben. Manfred Wieser zückt das Fernglas. Was der Ornithologe hier nicht schon alles gesehen hat: Raubwürger, Pirole, Singschwäne, Schwarzmilane, Grauspechte. «Im Winter haben wir die ganze Vogelwelt zu Gast.»

Am Ufer liegt Radolfzell, ein schmuckes Städtchen mit 30'000 Einwohnern. Hier haben nicht nur mehrere Umweltverbände ihren Sitz, sondern auch Grosskonzerne wie Schiesser-Unterwäsche oder Hügli Nahrungsmittel. Vor allem aber gilt die Stadt als das ruhige Pendant zu Konstanz am anderen Ende des Untersees.

Reiseinformationen

- Anreise: ab Zürich mit dem Zug in 1½ Stunden.

- Restaurants: Bio-Küche im Bistro Safran an der Löwengasse (www.biocatering-safran.de), Restaurant Liesele an der Höllgasse serviert «Omas Küche» (www.liesele.de), im «Grünen Baum» in Radolfzell-Moos (www.gruenerbaum-moos.de).

- Übernachten: Viersternehotel Bora Hot Spa Resort (www.bora-hotsparesort.de); K99 von Ganter Hotels, (www.hotel-k99.de); Aquaturm, neues Null-Plus-Energie-Turmhotel (www.aquaturm.de).

Es ist ein Katzensprung vom Bahnhof in die Altstadt, wo wir auf dem Marktplatz Produkte der Region präsentiert bekommen. Die Bauern der Halbinsel Höri bieten ihre Blumen und Kräuter, Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch feil. Hubert Neidhart, Wirt vom «Grünen Baum» im Nachbarort Moos, arbeitet schon seit Jahrzehnten nach dem Prinzip der Regionalität und kauft seine Produkte nur im Umkreis von acht Kilometern ein. Eines seiner liebsten Produkte ist die Höri-Bülle, eine rote Speisezwiebel, die es nur hier gibt. «Sie ist feiner und weicher», erklärt Neidhart.

El Niño am Bodensee

Wo die Radolfzeller Highlights stehen, erfahren wir von der Journalistin und Buchautorin Doris Burger, die seit einigen Jahren in der Stadt lebt. Sie zeigt uns versteckte Innenhöfe, das schmalste Haus an der Schmidtengasse (2,64 Meter!) oder das Stadtmuseum in einer alten Stadtapotheke. Wir erfahren von El Niño, der Statue im See, die für die Radolfzeller als Wasserstandsmesser dient. Mal zeigt El Niño seinen Hintern, mal ist er ganz untergetaucht.

Und wir erfahren, wie die Radolfzeller ticken. Sie müssen ein festfreudiges Völkchen sein – besonders zur Fasnachtszeit. Dann wird «geklepperlet» mit zwei speziellen Holzbrettchen, die aneinandergeschlagen werden. Auch im Sommer feiern die Radolfzeller: das Hausherrenfest. Es findet im Juli zu Ehren der Stadtpatrone Theopont, Senesius und Zeno statt.

In diesem Jahr hat Radolfzell noch einen Grund zum Feiern: Vor genau 750 Jahren erhielt man das Stadtrecht.

Die Autorin reiste auf Einladung von Radolfzell Tourismus.

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